Samstag , 19. September 2020
Superintendentin Christine Schmid (v.l.), Theologe Dirk Schmid, Pastor Martin Hinrichs und VHS-Leiterin Claudia Kutzick haben das Theologische Forum organisiert. Foto: Michael Behns

„Greta Thunberg ist eine Prophetin“

Lüneburg. Wie lange hält die Demokratie noch? Ist die Natur noch zu retten? Kann Wohlstand so noch bestehen bleiben? Das seien Fragen, die die Menschen zurzeit beschäftigen, meint die leitende Superintendentin Christine Schmid: „Das Wort ‚noch‘ kommt ziemlich häufig vor. Die Endzeitstimmung ist in der Gesellschaft weit verbreitet.“ Und Pastor Martin Hinrichs erklärt: „Wir befinden uns gerade im Finale, im Endspiel gegen bedrängende Krisen, vor allem aber gegen den Klimawandel.“ Deshalb heißt das 55. Theologische Forum auch „Endspiele“. Es will aufzeigen, wie man sich im Horizont von Endzeitungstimmung zur Zukunft verhalten kann.

Gemeinsam mit dem Theologen Dirk Schmid und der Volkshochschulleiterin Claudia Kutzick gehören Christine Schmid und Martin Hinrichs zum Arbeitskreis Theologisches Forum, ein Zusammenschluss aus dem Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Lüneburg, der Evangelisch-Reformierten Kirche Lüneburg, der Katholischen Kirche Lüneburg und der Volkshochschule Lüneburg. Sie haben das Theologische Forum organisiert.

Interessant sind die Veranstaltungen für ein breites Publikum, ist sich Christine Schmid sicher. „Teilnehmer können sich selbst fragen, welche Rolle sie in dieser Situation einnehmen möchten, welcher Weg ihnen zusagt. Denn eines haben alle vier Vorträge gemeinsam: Sie stellen der Krise ein Konzept entgegen.“

Die Vorträge beginnen jeweils um 20 Uhr im Glockenhaus, der Eintritt kostet 7 Euro (ermäßigt 3,50). Karten im Vorverkauf gibt es in der VHS, Haagestraße 4.

Montag, 24. Februar

Klara Butting aus Uelzen spricht zum Thema „Prophetie – von Jesaja bis Greta Thunberg“. „Es gab schon immer Menschen in der Gesellschaft, die anderen einen Spiegel vorgehalten und sie gewarnt haben“, meint Christine Schmid. Im alten Testament seien das Propheten wie Jesaja gewesen, aber auch Greta Thunberg könne man durchaus als Prophetin sehen. Wie man Prophetie heute erlebt und was man mit dieser Art zu handeln erreichen kann sind die Leitfragen des ersten Abends.

Dienstag, 25. Februar

Der Lüneburger Professor für Nachhaltigkeit Michael Braungart verdeutlicht ein wirtschaftliches Konzept unter dem Titel „Weniger schlecht ist nicht gut“. „Anders als die Prophetin Greta Thunberg sagt Braungart nicht nur, dass etwas passieren muss, sondern schlägt konkrete Maßnahmen vor“, sagt Dirk Schmid. Braungart argumentiert, dass es Wirtschaft auch weiterhin geben kann – nur anders. „Nachhaltiger Fortschritt ist das Konzept, das er der Klimakrise entgegen stellt.“

Montag, 2. März

Einen historischen Ansatz bietet Hanns Lessing aus Hannover. „Was ist mit der Arbeit, die die Kirche seit den 80ern für den Klimaschutz geleistet hat? Was kann man aus diesem Prozess lernen?“, verdeutlicht Superintendentin Christine Schmid. „Umkehr organisieren“ heißt der Vortrag, der zeigen will, was Bewegungen leisten können und wie zum Beispiel die „Fridays for Future“-Bewegung einzuordnen ist.

Dienstag, 3. März

Zuletzt ordnet der Theologe Johannes von Lüpke den Bestseller „Homo Deus“ kritisch in einen theologischen Kontext ein. „Endlich unsterblich?“ heißt der Vortrag, bei dem der Ansatz vorgestellt wird, dass der Mensch durch technische Fortschritte alle Probleme lösen kann. „Dann könnten wir so weiter machen wie bisher, weil das Potenzial des Menschen so groß ist, dass der Krise ganz einfach neue Lösungen entgegen gestellt werden können“, meint Martin Hinrichs.

Von Lilly von Consbruch