Freitag , 18. September 2020
Mehr als 3000 Fahrgäste zählte die Bleckeder Kleinbahn beim fünftägigen S-Bahn-Testbetrieb zwischen Lüneburg und Bleckede im Mai 2017. (Foto: t&w)

Schub für „Bleckeder Kleinbahn“

Lüneburg/Bleckede/Amelinghausen. Mit den angekündigten Sanierungen von Regionalbahnstrecken durch die Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE) steigen auch die Chancen für die Museumsbahner der „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg“ (AVL), ihre Position als Netzbetreiber auszubauen. Denn mit der geplanten Vollsanierung der Strecke Soltau-Lüneburg wäre auch die Wiederbelebung der Strecke Lüneburg-Bleckede fast zum Greifen nahe. Und die ehrenamtlichen Hobbybahner der AVL und Träger der „Bleckeder Kleinbahn“ haben die Strecke noch gut 40 Jahre gepachtet.

Professionalisierung oder Rückgabevertrag

AVL-Vorsitzender Hans Dierken sagt: „Wir freuen uns, mit der OHE dann einen Partner zu haben, der uns beim Gleisbau an der Bleckeder Strecke unterstützt.“ Im Falle einer Reaktivierung für einen regelmäßigen Personennahverkehr gibt es laut Dierken zwei Szenarien. Denkbar sei eine zunehmende Professionalisierung der Bleckeder Kleinbahn, zumal durch Dritte ein Nutzungsentgeld in die Kasse der Traditionseisenbahner gespült würde. Dierken: „Aber da ist der letzte Choral noch nicht gesungen.“ Auch sei es möglich, mit der OHE über die Konditionen eines Rückgabevertrags zu verhandeln. Zudem sieht Dierken in einer Reaktivierung die Chance, gelegentlich auch historische Fahrzeuge im Regelbetrieb einsetzen zu können. Noch aber gibt es ein paar Hürden.

Vollsanierung der Strecke Lüneburg-Soltau schon ab Mitte 2020?

Liefe aus Sicht der OHE alles glatt, könnte im ersten Schritt die Vollsanierung der Bahnstrecke Lüneburg-Soltau bereits ab Mitte diesen Jahres beginnen und könnte Mitte 2024 abgeschlossen sein, das geht aus einer OHE-Präsentation hervor, die kürzlich bei einer Konferenz des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hannover vorgestellt wurde. Damit steigen auch die Chancen zur Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der Schiene (LZ berichtete), insbesondere für den Abschnitt Lüneburg-Amelinghausen und weiter bis nach Bispingen. Voraussetzung dafür ist die Bestellung der Nahverkehrszüge durch das Land, betonte jüngst Sebastian Schülke, OHE-Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur. Schülke: „Der Landkreis lässt zur Zeit dazu eine Studie zur Reaktivierung der Strecken nach Soltau und Bleckede für den Personenverkehr anfertigen. Sind die Kosten-Nutzen-Faktoren über eins, wäre auch die Reaktivierung beider Strecken zusammen mit dem von Bund beschlossenen Fördermitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz möglich.“

Reaktivierungsstudie im Sommer

Zunächst will die OHE rund 40 Millionen Euro in die Vollsanierung der Heidebahn über Amelinghausen und Hützel bis Soltau stecken. Dabei hofft die Streckeneigentümerin auf 50 Prozent Förderung vom Bund und 40 Prozent vom Land. Schülke: „Das hört sich viel an. Das relativiert sich aber, wenn man bedenkt, dass hingegen Straßen gänzlich vom Staat bezahlt werden.“

Mit den Ergebnissen der Reaktivierungsstudie des Kreises, an der sich die OHE seit Beginn beteiligt, rechnet Schülke indes in diesem Sommer. Kreissprecher William Laing sagt auf LZ-Nachfrage: „Die Pläne der OHE fließen in die Datensammlung der Gutachter mit ein.“

„Für Lüneburg wäre das eine Wahnsinns-Chance, eine vernünftige Verkehrswende hinzukriegen.“ – Sebastian Schülke, OHE-Geschäftsbereichsleiter

Als ein gutes Omen für die Reaktivierung der Strecke Bleckede gilt der von der AVL organisierte S-Bahn-Testbetrieb im Mai 2017 zwischen der Salz- und der Elbstadt. Das sieht auch Stadtsprecherin Suzanne Moenck so: „Wir halten die Reaktivierung für eine zeitgemäße, nachhaltige und verkehrspolitisch sinnvolle Alternative zum Autoverkehr, sofern sie vor allem auch für den Personennahverkehr gedacht ist. Die Erfahrungen mit dem Probebetrieb 2017 waren in dieser Hinsicht sehr ermutigend.“ Insofern zeigt sich auch Schülke zuversichtlich, „dass das Land die Chance nutzt, die wesentlichen Verbindungen auf der Schiene wiederzubeleben.“ Und: „Für Lüneburg wäre das eine Wahnsinns-Chance, eine vernünftige Verkehrswende hinzukriegen.“

Von Dennis Thomas