Freitag , 30. Oktober 2020
Lesen ist eine Kernkompetenz. Sie besser zu beherrschen, dabei hilft das Projekt „Zeitungsleser-Weltentdecker“ - hier ein Archivfoto aus dem vergangenen Jahr aus der Oberschule Bardowick - und jetzt auch ein neues Förderprogramm. Foto: t&w

Lesen will gelernt sein

Lüneburg/Hannover. „Lesen macht stark“ heißt das Programm, das bald in fünf Schulen im Landkreis Lüneburg an den Start geht. Es soll Kinder mit Problemen beim Lesen und Schreiben frühzeitig unterstützen und fördern. In ganz Niedersachsen werden 156 Schulen das Programm ab Sommer in ihren Unterricht einbinden.

„Lesen macht stark“ kommt aus Schleswig-Holstein, wo es vom Institut für Qualitätsentwicklung (IQSH) eingeführt und umgesetzt wurde. „Es geht darum, dass sich Schüler zu flüssigen Lesern entwickeln und die Inhalte von Texten gut verstehen und reflektieren können“, sagt Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Durch gezielte Unterstützung könne die Zahl leseschwacher Schüler deutlich und nachweisbar gesenkt werden.

Niedersachsen gehört nicht zur Spitzengruppe

Das Programm eignet sich für Grundschulen und weiterführende Schulen. Aus dem Landkreis nehmen die Grundschule Im Apfelgarten in Kirchgellersen, die Oberschule am Schiffshebewerk in Scharnebeck, die Schule am Katzenberg in Adendorf, die Hanseschule Oedeme und die Hugo-Friedrich-Hartmann Oberschule in Bardowick teil.

Michael Manske ist an der Oberschule Adendorf für das Programm verantwortlich und kennt es schon aus seiner Zeit als Lehrer in Schleswig-Holstein. Der Didaktische Leiter ist der Meinung, dass ein roter Faden über Schulgrenzen hinaus wirksamer ist, als wenn jede Schule „ein eigenes Konzept bastelt“. Er sagt: „Die Studien der vergangenen Jahre sind deutlich, und es ist auch nicht zu übersehen, dass Niedersachsen nicht annähernd zur Spitzengruppe gehört, was die Lese- und Rechtschreibfähigkeiten der Schüler angeht.“ Deshalb sei es wichtig, dass nun Unterstützung „von ganz oben“ aus dem Kultusministerium kommt.

Jeweils zwei Lehrer der beteiligten Schulen erhalten ab diesem Monat von sogenannten Multiplikatoren, die vom IQSH dafür ausgebildet wurden, eine Fortbildung zum „Lesecoach“. Außerdem wird es voraussichtlich im Juni in Lüneburg Auftaktveranstaltungen an den Schulen geben, um diese umfassend über das Programm zu informieren.

„Das Programm ist kein Allheilmittel“

Im Sommer erhalten die Schüler Lernmaterialien, womit das Lesen verstärkt geübt wird, für Lehrer werden zudem Materialien zur Vor- und Nachbegleitung bereitgestellt.

„,Lesen macht stark‘ hat den entscheidenden Vorteil, dass es ein erprobtes Programm ist, dessen Wirksamkeit messbar ist“, findet Manske. Durch kleine Tests, die mehrmals pro Schulhalbjahr stattfinden, bekommen Schüler regelmäßig einen Eindruck von ihren Fortschritten. Außerdem können Lehrer und Eltern so früh erkennen, ob das über drei Jahre laufende Programm bei dem jeweiligen Kind Erfolge erzielt.

„Das Programm ist natürlich kein Allheilmittel, aber ein solides Werkzeug; keine Baumarktqualität, sondern ein Arbeitsgerät“, findet Michael Manske. Dabei sei besonders hilfreich, dass es in den laufenden Unterricht eingebunden werden kann, ohne dass leseschwache Schüler in separaten Gruppen beiseite genommen werden müssten.

Von Lilly von Consbruch

Leseförderung in Lüneburg

Zeitungsleser-Weltentdecker

Schülern dabei helfen, besser lesen zu lernen, dieses Ziel verfolgen auch das Projekt „Zeitungleser-Weltentdecker“ der LZ sowie der Verein Mentor. Für die Dauer von sechs Wochen erhalten ausgewählte Schulklassen aus Lüneburg und Umgebung beim Weltentdecker-Projekt täglich gratis die LZ in die Schule, um dort fächerübergreifend damit zu arbeiten. Beteiligt sind neben der LZ die hiesige Universität und das Netzwerk Leseförderung Lüneburg. Deutsch-Lehrer können sich und ihre Klassen per E-Mail an k.schroed@leuphana.de anmelden.

Beim Verein Mentor engagieren sich ehrenamtliche Leselernhelfer, die regelmäßig in die Schulen – vor allem in die Grundschulen – gehen, um dort mit einzelnen Schülern, die sich noch etwas schwer tun, das Lesen zu trainieren. Der Lüneburger Verein hat auch zwei Außenstellen in Buchholz und im Kreis Harburg. Die Leselernhelfer werden ebenfalls geschult und so auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie kommen immer wieder auch zum Erfahrungsaustausch zusammen. Mehr Informationen gibt es auf www.mentor-lueneburg.de im Netz.

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