Freitag , 18. September 2020
Bettina Schröder-Henning (l.) und Cornelia Höllger gehören zu den Initiatoren für die Gründung der neuen BI „Unser Wasser“. Foto: Ulf Stüwe

Der Kampf ums Wasser vereint viele Lüneburger

Lüneburg. Wut, Sorge, Angst, Empörung – von allem war am Mittwochabend im „mosaique“, dem Lüneburger Haus der Kulturen, etwas zu spüren. Vor allem aber von der Bereitschaft, etwas tun zu müssen für die Rettung des heimischen Grundwassers. Dazu aufgerufen hatte eine Gruppe von Lüneburgern, die damit offensichtlich den Nerv vieler getroffen hatten: Gut einhundert Interessierte waren gekommen, um die Gründung der Bürgerinitiative „Unser Wasser“ mit ihrer Unterschrift zu besiegeln.

Mit Coca-Cola nicht den Bock zum Gärtner machen

„Unser Hauptanliegen ist es, das Wasser unserer Region auch für kommende Generationen zu sichern“, machte Bettina Schröder-Henning als eine der Initiatoren deutlich, wofür die neue Bürgerinitiative (BI) kämpfen will. Denn Gefahren lauerten überall: Sinkende Grundwasserspiegel, hohe Nitratbelastungen, Pestizidrückstände und eine drohende Versalzung des kostbaren fossilen Grundwassers in der Region, wie Mit-Initiatorin Cornelia Höllger ausführte.

Besonders im Fokus stand an dem Abend die industrielle Nutzung durch massenhaftes Abpumpen. Es überraschte nicht, dass dabei vor allem ein Name besonders häufig fiel: Coca-Cola. Denn nicht erst seit der Vio-Produzent erklärte, seine Fördermengen im Raum Lüneburg verdoppeln zu wollen, steht der Konzern bei vielen in der Kritik.

„Es ist ärgerlich, dass Vio so beliebt ist“

Es reiche, dass der Vio-Produzent derzeit 350.000 Kubikmeter Grundwasser pro Jahr abpumpe, „eine Verdoppelung ist wegen des klimatischen Wandels nicht mehr zeitgemäß“, beschrieb Cornelia Höllger höflich die erklärte Absicht der BI, verstärkt gegen das Vorhaben angehen zu wollen. Dazu forderte sie auch mehr Transparenz bei den Messdaten. Dass Coca-Cola sich das Gutachten für den geplanten dritten Brunnen quasi selbst schreibe, gehe gar nicht, „dann machen wir den Bock zum Gärtner“, ergänzte Bettina Schröder-Henning.

Deshalb müssten auch Politik und Behörden für die BI-Ziele gewonnen werden. Es gelte, die weitere Privatisierung der Trinkwasserversorgung zu stoppen „und die Wasserrechte wieder in kommunale Hände zu legen“.

Bei den Teilnehmern stießen die Forderungen auf offene Ohren. „Es ist ärgerlich, dass Vio so beliebt ist“, bemerkte eine Teilnehmerin, die sich gleich einen weltweiten Vio-Stopp wünschte. Eine andere forderte, nicht nur den Entnahme-, auch den Verwendungsfaktor zu betrachten. Sie empfahl, für das Anliegen der BI auch Biologen und Geologen zu gewinnen. Ein anderer Teilnehmer lenkte den Blick auf die Nutzung des Wassers für die WC-Spülung und die Einleitung von Klärwasser in die Flüsse, auch hier müsse ein Umdenken einsetzen.

Auch fachliche Unterstützung erforderlich

Zwar geriet an dem Abend auch die Landwirtschaft als einer der großen Grundwassernutzer in den Blick, von einer Konfrontation aber riet Bettina Schröder-Henning ab: „Ich würde mir da lieber einen Schulterschluss wünschen.“

Klar sei aber auch, dass die BI ohne fachliche und rechtliche Beratung allein nicht weiterkomme, dafür sei die Materie „zu kompliziert“. Hier hoffen die Initiatoren ebenso auf Unterstützer wie für die anstehenden Aufgaben, etwa bei der Gestaltung und Finanzierung der gerade freigeschalteten Webseite www.unserwasser-bi-lueneburg.de.

„Es gibt viel zu tun. Wichtig ist aber, dass wir laut und viele sind. Das haben wir doch von Fridays for Future gelernt“, rief Schröder-Henning den Teilnehmern zu und erntete dafür kräftigen Beifall.

Am Montag, 24. Februar, um 19 Uhr kommt die frisch gegründete BI zu ihrem ersten Treffen im Museum der Zukunft in der Papenstraße 15 in Lüneburg zusammen. Dann sollen die anstehenden Aufgaben und weiteren Schritte besprochen werden.

Von Ulf Stüwe