Freitag , 18. September 2020
So soll die Bardowicker Straße künftig aussehen. Sie ist die Hauptzufahrtsstraße zum Marktplatz und wird nun monatelang zur Baustelle. Visualisierung: Stadt Lüneburg

Vollsperrung über Monate

Lüneburg. Anwohner und Geschäftsleute reagierten überrascht, als sie jetzt ein Schreiben mit der Ankündigung von der Stadtverwaltung bekamen, das die Umgestaltung der Bardowicker Straße ankündigt. Denn die soll bereits am kommenden Montag starten und damit deutlich früher als ursprünglich angekündigt. Darauf seien sie gar nicht vorbereitet, monierte unter anderem Cornelius Schnabel, der ein Schuhhaus an der Straße betreibt. Über Zeitplan und Auswirkungen der Bauarbeiten zwischen Marktplatz und Lüner Straße informierte die Verwaltung am Donnerstagabend Anwohner sowie parallel auch die Mitglieder des Stadtrates.

Der Umbau, der ursprünglich vier, nun aber voraussichtlich etwa sieben Monate dauern wird, sollte eigentlich im Frühjahr starten, hatte die Stadt als geplanten Baubeginn genannt. Nun also schon am 3. Februar.

Schnabel, der mit seinen Nachbarn und den ebenfalls betroffenen Marktbeschickern gesprochen hat, begrüßt wie diese generell den Umbau der Straße. Doch über den Zeitsprung ärgert sich der Unternehmer: „Ich habe Anfang Januar nachgefragt, da hieß es, es bleibt beim Plan, im April/Mai zu starten. Danach habe ich mich gerichtet.“

Personalplanung ist für Händler Makulatur

Denn die Baustelle hat massive Auswirkungen. Aus Gesprächen mit Kollegen, die längere Straßenumbauten hinter sich haben, wisse er, dass nach deren Erfahrung der Umsatz um 30 bis 50 Prozent einsacke. „Ich habe bei meinen Bestellungen und der Urlaubsplanung der Mitarbeiter das Ursprungsdatum zugrunde gelegt. Das nun alles anders kommt, macht es nicht einfacher.“ Gleichwohl bleibt Schnabel optimistisch und verspricht den Kunden, sie gut zu informieren: „Wir bekommen mit der Stadt, Baufirmen und den Anliegern eine Lösung hin.“

Geplant sind insgesamt drei Bauabschnitte bis August. Für den ersten Bauabschnitt wird ab Montag die Bardowicker Straße ab Höhe Lüner Straße für den Auto- und Radverkehr komplett gesperrt. Für Radfahrer wird eine Umleitungsstrecke ausgeschildert. Fußgänger können die Bardowicker Straße während der gesamten Bauzeit passieren, wenn auch zum Teil nur auf einer der beiden Gehwegseiten. Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau bei der Stadt Lüneburg, verspricht: „Alle Geschäfte bleiben während der gesamten Umbauzeit zu den Geschäftszeiten erreichbar, auch die Anlieferung ist gewährleistet.“ Für das Stadtfest im Juni werde extra eine Baupause eingelegt. Erst nach der Sause beginne der dritte und letzte Bauabschnitt.

Zum Stadtfest legen Arbeiter eine Pause ein

Das Ziel der gesamten Maßnahme laut Stadt: Der Eingangsbereich zur Innenstadt soll attraktiver gestaltet werden, vor allem soll sich aber für Fußgänger und Radfahrer die Verkehrssituation deutlich verbessern. Uta Hesebeck erläutert: „Dafür werden wir die Gehwegfläche fast verdoppeln.“ Durch den höhengleichen Ausbau von Gehwegen und Straße entstehe ein Boulevard-Charakter, der zum Flanieren und Verweilen einladen soll. Die Straße werde künftig nur noch 5,75 statt wie bisher 9,10 Meter breit sein. Der Gehweg am Landgericht misst künftig 3,80 Meter in der Breite, der vor den Geschäften auf der anderen Straßenseite 5 Meter, verlegt werden dort jeweils helle Boulevardplatten, heißt es von der Stadt. Das Pflaster der Straße bleibe erhalten, soll aber aus Rücksicht auf die Radfahrer besser verfugt werden.

Gravierende Auswirkungen gibt es auch für Buskunden. Im ersten Bauabschnitt können die beiden Haltestellen in der Bardowicker Straße, die Haltestellen Bürgeramt und Markt sowie die Haltestelle Rathaus nicht angefahren werden. Die Linien, die vom Bahnhof normalerweise den Sand ansteuern, um von dort zur Bardowicker Straße oder zum Ochsenmarkt und zum Graalwall zu fahren, werden alle über den Reichenbachplatz umgeleitet. Als Ausweichhaltestelle nennt die Stadtverwaltung den Halt Reichenbachstraße.

Auswirkungen für Buskunden

Während die Haltestellen Markt und Bürgeramt während der gesamten Bauphase ausfallen, kann die Haltestelle am Rathaus im zweiten Bauabschnitt nach Ostern vermutlich wieder angefahren werden, sagt Sebastian Heilmann, Mobilitätsbeauftragter bei der Stadt: „Ab dann werden alle Linien, die jetzt abweichend über den Reichenbachplatz geleitet werden, über die Haltestelle Rathaus geführt, wodurch eine verbesserte Erreichbarkeit der Innenstadt gesichert wird.“

Für Taxikunden ändere sich wenig: Der Taxistand am Markt wird nur um einige Meter Richtung Rathaus verschoben.

Von Carlo Eggeling