Freitag , 18. September 2020
Die möglichen Ortsumfahrungen könnten neben Güterzügen auch von ICE genutzt werden. Foto: t&w

Zerschneidet die Bahn Lüneburgs Westkreis?

Lüneburg/Hannover. Offiziell weiß die Deutsche Bahn noch nicht, wo der umstrittene Schienenausbau unter dem Titel Alpha-E in der Region konkret stattfinden soll , aber einige Vertreter aus dem Landkreis Lüneburg haben nun eine genauere Ahnung: Mit der Realisierung kleiner Ortsumfahrungen, unter anderem von Lüneburg und Deutsch Evern, könnten neue Schienenstränge den Landkreis westlich der Stadt Lüneburg zerschneiden. Den Anstoß für die Befürchtungen gab die sechste und vorerst letzte „Gläserne Werkstatt“ am Mittwoch in Hannover. Dort trafen sich Gutachter des Bundesverkehrsministeriums, Vertreter von Gemeinden, Behörden, Verbänden und Bürgerinitiativen. Aus dem Kreis Lüneburg hagelt es erneut Kritik an der DB-Informationspolitik.

Jetzige Situation „nicht mehr vertretbar“

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bemängelt, dass es an einem Gesamtkonzept fehle: „Die DB hat uns jetzt vorgerechnet, dass eine Ortsumfahrung von Radbruch bis Bienenbüttel über drei Milliarden Euro kosten würde, sie aber auf der Strecke Hamburg-Hannover gerade mal vier Minuten Zeitersparnis brächte, ein Drittel des Ziels von elf Minuten. Und warum? Weil es zum Beispiel nördlich und südlich von Lüneburg Engpässe gibt, die aber nicht Gegenstand der Untersuchungen waren.“ Die jetzige Situation sei „nicht mehr vertretbar“. Mädge fordert, dass sich Bund und Land „unabhängig von der zähen Ausbauplanung“ zusammenschließen, um unverzüglich auf der Bestandsstrecke Lüneburg-Hamburg die vielen möglichen Verbesserungen vor allem in Sinne der Bahnpendler umzusetzen.

Kritik kommt indes auch aus Gellersen. Die Samtgemeinde wäre von einer Ortsumfahrung stark betroffen, wenn sie so käme wie in einer schematischen Darstellung skizziert. Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner sagt: „Das ist für mich nicht akzeptabel. Der Eindruck verdichtet sich, dass die DB versucht, uns hinzuhalten, um erst am Ende die Katze aus dem Sack zu lassen. Hierdurch soll die gesamte Region Lüneburgs in Einzelinteressen gespalten werden, und das werden wir nicht zulassen.“

Von Dennis Thomas

Einen ausführlichen Bericht über die möglichen Ortsumfahrungen lest ihr in der heutigen Print- und ePaper-Ausgabe der Landeszeitung.