Samstag , 8. August 2020
Vor 25 Jahren wurde die militärische Nutzung im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beendet, jetzt werden die schönen Heideflächen auch von ehrenamtlichen Helfern gepflegt. Foto: VNP

Rote Flächen wieder lila

Lüneburg/Soltau. Gut 25 Jahre ist es her, dass die letzten britischen Panzer über die Heideböden bei Schwindebeck, Heber oder Niederhaverbeck ratterten. 25 Jahr e, in denen Naturschützer ihr Möglichstes taten, um den, durch Panzer und Altlasten, zerstörten Boden im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide zu renaturieren. 25 Jahre Anstrengungen – die sich gelohnt haben.

„Rettet die Lüneburger Heide“ ist in dicken schwarzen Lettern auf Seite acht der LZ-Ausgabe vom 11. November 1999 zu lesen. Darunter: eine Kontonummer und der Hinweis „Der V.N.P. freut sich über jede Mark“. Zu diesem Zeitpunkt war der Verein Naturschutzpark (VNP) schon ein paar Jahre bemüht, mehr als 1800 Hektar Heideflächen zu renaturieren.

Der Grund: Jahrzehntelang waren die Böden militärisch genutzt, Flora und Fauna dabei zerstört worden. „Soltau-Lüneburg-Abkommen“ hieß das Dokument, das britischen Truppen seit Juli 1963 die Möglichkeit bot, auf insgesamt 34.500 Hektar Gesamtfläche militärische Übungen abzuhalten. Ein Teil dieser Gebiete, auch „Rote Flächen“ genannt, lag im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide und wurde erst nach Ende des „Kalten Krieges“ an die Eigentümer, darunter auch der Verein Naturschutzpark, zurückgegeben.

Heidesaat in Panzerspuren

„In Panzerspuren wird Heide gesät“ titelte die LZ im November 1993. Zu sehen ist ein Foto der damaligen niedersächsischen Umweltministerin Monika Griefahn – mit Wind im Haar und einem vorbei ratternden Panzer im Hintergrund. „Im nächsten Jahr ist alles vorbei, dann räumen die Briten den Naturschutzpark endgültig“ ist zu lesen und so kam es auch.

Endlich war wahr geworden, wofür der Verein Naturschutzpark unter seinem langjährigen Vorsitzenden Alfred Toepfer viele Jahre gekämpft hatte und was nun einen gewaltigen Kraftakt forderte: die zerfurchten Flächen wieder neu zu beleben.

Heideplaggmaterial wurde gesät

Das tat man, indem man zunächst die Grassorte „Feinschwingel“ in den Boden brachte. „Er bildete kleine Bulten, die für Windruhe am Boden sorgen und damit die Keimung anderer Pflanzen begünstigen“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Naturschutzpark Lüneburger Heide. Später wurde Heideplaggmaterial gesät und – nach einigen Jahren – verdrängte die neue Heide den Feinschwingel.

„Die junge Heide ist auf diesen Flächen im Kommen – sie werden eines Tage die schönsten Heideflächen in der Region sein“, war noch im Jahr 1999 vom VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann zu lesen. Aber nur – wenn auch weiterhin mit angepackt wird.

Denn die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: Gehölze wie Buchen und Kiefern drohten die Heide zu verdrängen. Nur dank Förderprogrammen, ehrenamtlicher Initiativen und zahllosen Entkusselungsaktionen war es möglich, die Heide zu erhalten.

Ohne ehrenamtliche Helfer geht es nicht

„An diesen gewaltigen Aufwand sollten alle Besucherinnen und Besucher des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide denken, wenn sie durch heute intakte Heideflächen im ehemals militärisch genutzten Teil des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide wandern“, heißt es in der Presseinformation der Stiftung. Denn eines ist klar: ohne die Arbeit des Vereins Naturschutzpark, der vielen Initiativen und ehrenamtlichen Helfer wären die „Roten Flächen“ von einst heute nicht lila und keine Heide, sie wären grün – sie wären dann ein Wald. lz