Sonntag , 20. September 2020
Mit einem sogenannten Harvester lässt die Stadtförsterei im Tiergarten Bäume fällen, die von Borkenkäfern befallen sind. (Foto: Hansestadt Lüneburg)

Harvester gegen den Borkenkäfer

Lüneburg. Die Krone ist grün, die Rinde aber bröckelt bereits an mehreren Stellen. Dieses Bild bietet sich Stadtförster Per-Ole Wittenburg derzeit bei mehreren Baumbeständen im Tiergarten. „Hier sitzt überall der Borkenkäfer drin“, sagt der Stadtförster und zeigt auf Fichten, Lärchen und Kiefern, die auf einer rund zwei Hektar großen Waldfläche im Tiergarten nahe dem alten Bahnwärterhäuschen Posten 90 stehen. An anderen Bäumen sind die Fraßschäden weitaus deutlicher sichtbar – die Stämme sind kahl, die Äste braun. Einer Pressemitteilung der Hansestadt zufolge müssen in den nächsten Tagen auf dieser Fläche rund 250 kleinere und größere Bäume gefällt werden, darunter insbesondere Fichten. „Wir hoffen, dass wir dadurch eine weitere massenhafte Vermehrung des Käfers verhindern oder zumindest eindämmen können“, so Wittenburg.

Trockene Sommer sind ideale Bedingungen für Borkenkäfer

Bereits in den letzten zwei Jahren bestanden rund 60 Prozent des gesamten Einschlags im Stadtforst aus sogenanntem Schadholz – sprich aus Bäumen, die durch Käfer oder Pilze geschädigt waren und gefällt werden mussten. „Selbst stabile Mischwaldtypen werden von Schadorganismen wie Borkenkäfern und Pilzen heimgesucht“, sagt Wittenburg. Schuld sind die heißen und trockenen Sommer der letzten beiden Jahre. Unter diesen Bedingungen konnten sich die Käfer ideal vermehren, während die Bäume zugleich durch das fehlende Wasser geschwächt und anfälliger wurden.

Nach dem Harvester kommt das Pferd

Gefällt und aufgearbeitet werden die befallenen Bäume mit einem Harvester. Das habe vor allem den Vorteil, dass bei der Aufarbeitung die Rinde gequetscht und damit sowohl unter der Rinde sitzende Borkenkäfer als auch mögliche zukünftige Bruträume zerstört würden, erklärt der Stadtförster. Nach der Aufarbeitung und Räumung der Fläche wird bei der Vorbereitung des Bodens wieder ein Pferd zum Einsatz kommen. „Mit einem Pflug öffnen wir die Bodenoberfläche, um gute Bedingungen für die Samen zu schaffen“, so Wittenburg. Bei der Fläche werde man anschließend ausschließlich auf Naturverjüngung setzen. Denn im Gegensatz zu Anpflanzungen habe die Naturverjüngung von Waldbeständen, bei der sich aus der selbstständigen Saat umstehender Bäume ein neuer Jungbestand entwickelt, deutliche ökologische und wirtschaftliche Vorteile. „Schon im nächsten Jahr wird man hier überall kleine Baumkeimlinge sehen“, so Wittenburg. lz