Sonntag , 27. September 2020
Auch Windräder erzeugen Ökostrom in der Samtgemeinde Scharnebeck, allerdings sind die Anlagen nicht so hoch wie die in Bardowick (Bild). Foto: Michael Behns

Gute Chancen für Klimaschutz

Artlenburg. Die Verbesserung des Nahverkehrs und der Radwege-Infrastruktur, die Herstellung sowie Vermarktung regionaler Produkte, die Energieberatung für priva te Haushalte: Das waren die Top-Themen, bei denen die rund 50 Teilnehmer der zweiten Klima-Werkstatt in der Samtgemeinde Scharnebeck aktuell den größten Handlungsbedarf sehen.

Nach dem Auftakt im September 2019 und einer dreiwöchigen Online-Befragung, bei der knapp 100 Bürger mitmachten, ging es nun im Gasthaus Nienau in Art­lenburg in die nächste Runde der Bürgerbeteiligung für ein Klimaschutzkonzept. Mit diesem will die Samtgemeinde Scharnebeck künftig ihren Beitrag leisten zur Reduktion des klimaschädlichen CO₂-Ausstoßes um 80 bis 100 Prozent bis 2050.

Energieberater Benedikt Siepe aus der Region Hannover attestierte der Samtgemeinde einige gute Voraussetzungen dafür, erfolgreich Klimaschutz von der Theorie in die Praxis umsetzen zu können. „Es gibt viel Landwirtschaft. Das bedeutet, es gibt viel Potenzial bei der Erzeugung von Wärme, Strom und Biomethan durch Biogasanlagen, von denen es einige hier gibt“, sagte er.

Auch Fotovoltaikanlagen lohnen sich

Bauern könnten aus Reststoffen, wie Kartoffel- und Rübenkraut oder Holzabfällen Bio-Erdgas erzeugen, mit dem dann etwa öffentliche Gebäude beheizt werden.

Oder, wie aus dem Plenum vorgeschlagen, könnte für das künftige Baugebiet an der Echemer Straße in Scharnebeck ein Nahwärme-Netz errichtet werden, um mit dessen Hilfe die Abwärme der nahen Biogasanlage für die Wohnhäuser zu nutzen.

„Auch Fotovoltaikanlagen für die Stromerzeugung lohnen sich“, meinte Siepe. Es gebe in ausreichendem Maße die benötigten Flächen, vor allem auf Dächern. Die Anlagen seien inzwischen preiswert, der Wirkungsgrad höher.

Über die Bauleitplanung könnten die Kommunen in der Samtgemeinde diese Art der regenerativen Stromerzeugung steuern. „Indem sie die Ausrichtung der Gebäude und Neigung der Dächer so vorgeben, dass effektiv Solarstrom auf den Häusern erzeugt wird“, sagte Siepe.

Handlungsbedarf sieht der Energieberater vor allem in der energetischen Gebäudesanierung. „Da gibt es in der Samtgemeinde noch viel zu tun.“ Die Sorgenkinder seien in erster Linie die vielen unzureichend oder gar nicht isolierten Dachböden.

„Klimawandel bedroht unsere Lebensgrundlagen“

Den politischen Anstoß für das Klimaschutzkonzept hatten die Grünen im Samtgemeinderat gegeben. Fraktionsmitglied Claus-Cornelius Poggensee sagte, eine Bestandsaufnahme sei das Ziel der Bürgerbeteiligung, um daraus Erkenntnisse für künftige Maßnahmen zu ziehen.

„Es besteht, wie bei anderen Kommunen auch, bei uns Handlungsbedarf. Der Klimawandel bedroht unsere Lebensgrundlagen. Vor allem hier an der Elbe haben wir durch die Jahrhunderthochwasser der vergangenen Jahre schon einen Vorgeschmack erhalten“, meinte er. „Wenn wir nichts machen, kommt uns das teuer zu stehen. Deshalb hat das Klimaschutzkonzept auch einen ökonomischen Anreiz.“

Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn erhofft sich ebenfalls einen detailreichen Überblick. „Es sollte ein ganzheitliches Konzept entstehen, das aber nicht in der Schublade verschwinden darf“, forderte er. Wird es wohl auch nicht. Gerstenkorn: „Es gibt bereits Signale aus der Politik, dass nach Abschluss der Workshops ein Klimaschutz-Manager eingestellt wird, der dann die einzelnen Vorschläge und Maßnahmen aus dem Konzept zum Laufen bringt.“ Auf drei Jahre wäre der Posten dann zu besetzen, gefördert mit rund 65 Prozent durch den Bund. Das letzte Wort hat aber der Rat bei dem Thema.

Von Stefan Bohlmann

Zur Sache

Wunsch nach 365-Euro-Ticket

Vor allem die Verbesserung des ÖPNV und der Infrastruktur für Radfahrer haben sich bei der Scharnebecker Online-Befragung als Themen mit hoher Priorität für die Bürger herauskristallisiert. Weitere Diskussionen folgen im Februar bei einem Workshop für Kinder und Jugendliche. Forderungen, beziehungsweise Vorschläge, zu den Top-Themen bislang sind unter anderem:

ÖPNV
Nahverkehrs-Ausweitung auch auf Orte ohne zentralörtliche Funktion; Busanbindungen zu Rathaus, Freibädern und Badeseen; Ticketkauf vor Ort und Radmitnahme in Bus und Bahn verbessern; Fahrpreise,für Jugendliche und Familien attraktiver gestalten, 365-Euro-Jahres-Ticket, Gültigkeit des Schüler-Tickets niedersachsenweit; Busse mit Hybrid- und Biogas-Antrieb.

Radwege
Wegverbesserungen und Lückenschlüsse, etwa in Scharnebeck innerorts, in Hittbergen, Lüdersburg, Jürgenstorf, Echem. Radschnellweg für Pendler von Scharnebeck nach Lüneburg. Radwege innerorts auf die Straße verlegen, wie in Adendorf. Weitere Infos zum Klimaschutzkonzept im Internet unter www.scharnebeck.de/desktopdefault.aspx/tabid-11580/.