Freitag , 18. September 2020
Strom aus Windanlagen darf nur dann als Ökostrom verkauft werden, wenn für die verkaufte Strommenge entsprechende Herkunftsnachweise vom Umweltbundesamt ausgestellt wurden. Davon geht zumindest die CDU in Bienenbüttel aus. Foto: be

Ist Öko wirklich ökologischer?

Bienenbüttel. Normalstrom, Ökostrom oder doch gleich Strom vom eigenen Schuldach? Der Bienenbütteler Bauausschuss diskutierte am Donnerstag über die energetische Zukunft der Einheitsgemeinde. Denn bis Ende des Monats muss die Politik entschieden haben, welche Stromart die Gemeinde in den nächsten zwei Jahren nutzen soll.

Für die Verwaltung ist die Lage klar: Da sie zur „sparsamen und wirtschaftlichen Haushaltsführung“ gesetzlich verpflichtet sei, spricht sie sich für eine Ausschreibung mit Normalstrom aus. Schließlich würden bei einem angenommenen Gesamtstromverbrauch von 1.111.000 Kilowattstunden die jährlichen Mehrkosten für die Ökostrom-Variante fast 4000 Euro betragen. Dieser Empfehlung folgte auch die CDU-Fraktion, schlug per Antrag aber ergänzend dazu vor, mit den eingesparten Mehrkosten eine Photovoltaikanlage auf dem Grundschuldach zu betreiben. Begründung: „Ökostrom beispielsweise aus Frankreich zu importieren, kann aus unserer Sicht in einem globalen Szenario des Klimawandels keine Zielsetzung sein. Um die Energiewende voranzubringen, sollten wir direkt in erneuerbare Anlagen investieren.“

Herkunftsnachweise nur in geringem Umfang

Strom, der zum Beispiel durch Windkraft-, Biogas- oder Photovoltaikanlagen erzeugt wird, dürfe nur dann als Ökostrom verkauft werden, wenn für die verkaufte Strommenge auch entsprechende Herkunftsnachweise vom Umweltbundesamt ausgestellt werden, erklärt Christopher Tieding (CDU) per Antrag. Da in Deutschland der Ausbau der erneuerbaren Energien aber gesetzlich über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert werde, gebe es Herkunftsnachweise aus der Bundesrepublik nur in geringem Umfang. Der hierzulande ausgewiesene Ökostrom stamme daher größtenteils aus dem europäischen Ausland, der durch die EEG-Umlage geförderte Ökostrom fließe derweil in den Strommix des Normalstromes.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bestätigt: „Viele Herkunftsnachweise, die im deutschen Herkunftsnachweisregister entwertet werden, stammen aus Skandinavien, was auch daran liegt, dass die meisten Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland eine EEG-Förderung erhalten.“ Da viele deutsche Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien aber demnächst aus der EEG-Förderung fielen, sei davon auszugehen, dass in nächster Zeit vermehrt deutsche Herkunftsnachweise gehandelt werden.

„Wir können hier nicht nur mal kurz die Welt retten“

Renate Niemann überzeugten die Argumente der CDU nicht. „Wir sehen das naturgemäß ganz anders“, sagte die Grünen-Politikerin. Bienenbüttel müsse eine Vorbildfunktion für Kommunen einnehmen – und auch die Folgekosten durch den Klimawandel bedenken. Es sei angesichts dessen „ohne Wenn und Aber“ angebracht, Ökostrom zu beziehen. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Arnold Witthöft sprach sich dafür aus, die knapp 4000 Euro zu investieren, um ein Zeichen für Klima und Umwelt zu setzen. Hans-Jürgen Franke (KA) dagegen stimmte dem Antrag der CDU zu: „Wir können hier nicht nur mal kurz die Welt retten in Bienenbüttel, das schaffen wir einfach nicht“, gab er zu Protokoll. SPD und Grüne teilten den Wunsch der CDU nach einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule, wollten diesen aber nicht an die Bedingung geknüpft wissen, Normalstrom zu beziehen. Niemann schlug darum vor, den Antrag zu splitten. Das ging aber nicht durch. Und so sahen sich SPD und Grüne dazu gewungen, gegen die Idee der Photovoltaikanlage zu stimmen, um sich – am Ende erfolglos – für den Ökostrom auszusprechen.

Von Anna Petersen