Freitag , 23. Oktober 2020
„Boomerang Bags“ gibt es in zwei verschiedenen Größen. Sie können kostenlos ausgeliehen werden, wenn man die eigene Einkaufstasche vergessen hat. Foto: t&w

Bitte den Beutel zurückbringen

Lüneburg/Hüls. Seit Ende November gibt es in Lüneburg und Umgebung die „Boomerang Bags“ – Stoffbeutel, die kostenlos in Geschäften ausgeliehen werden können, und nach Gebrauch auch wieder zurückgebracht werden sollen. Das Ziel dahinter ist, dass dadurch weniger Plastik- und Papiertüten in den Umlauf kommen, die früher oder später Müll produzieren.

Nach knapp zwei Monaten zeigt jedoch die Praxis, dass die von Ehrenamtlichen genähten Taschen zwar gerne von den Einkäufern mitgenommen werden, „doch das mit dem Zurückbringen klappt noch nicht so gut“, sagt die Lüneburgerin Ida Michaelis vom „Boomerang Bags“-Team. Bei den meisten Partnern seien deshalb die bunten Stofftaschen vergriffen. „Die Nachfrage ist groß, wir kommen mit dem Nähen kaum hinterher.“ Derzeit seien etwa 380 Taschen im Umlauf. Die Lüneburgerin appelliert an die Nutzer: „Das System funktioniert nur dann, wenn die Taschen auch zurückgebracht werden“ – zeigt aber auch Verständnis für diejenigen, die die teilweise schmuckvollen Taschen behalten. „Solange die Taschen benutzt werden, erfüllen sie ja auch ihren Zweck.“

„Je jünger die Kunden, desto eher bringen sie die Beutel zurück“

Die Idee der „Boomerang Bags“ stammt ursprünglich aus Australien, in Deutschland läuft das Konzept im Krefelder Ortsteil Hüls wohl am erfolgreichsten. Als zweiter Ort in der Bundesrepublik wurden 2019 die Leihbeutel dort eingeführt und erfreuen sich seitdem großer Beliebtheit. Zeitungen und Fernsehteams gehen bei den Initiatorinnen Maureen Kuprella und Silja Karusseit ein und aus, um darüber zu berichten. Doch auch dort traten die Taschen nur selten auch wieder den Rückweg ins Geschäft an. „Interessanterweise konnten wir beobachten: Je jünger die Kunden, desto eher bringen sie die Beutel zurück,“ berichtet Kuprella. Beim teilnehmenden Spielwarengeschäft in Hüls etwa stelle die Rückgabe kein Problem dar, häufig brächten die Kinder die Leihtaschen noch am gleichen Tag zurück.

Eine Ideallösung hat man in Nordrhein-Westfalen auch nicht parat. „Doch die Erfahrung zeigt, dass der Markt zunächst gesättigt werden muss, bis die Taschen zuverlässig zurückgebracht werden.“ In dem 16 000-Einwohner-Ort seien aktuell etwa 2500 der Taschen im Gebrauch. „Deswegen sind bei den meisten unserer 30 Partner immer zwei bis drei Taschen da, die ausgeliehen werden können.“ Auch die dörfliche Struktur des Krefelder Ortsteils sei für das Projekt förderlich, es gebe viele Einzelhändler, die alle nah beieinander liegen. Trotzdem: „Wir müssen die Kunden immer wieder daran erinnern, dass sie die Taschen auch zurückbringen sollen.“

In vielen Geschäften hängen deshalb Plakate mit dem Aufruf, auch in der Lokalpresse machen die Initiatoren beständig auf die Rückgabepflicht aufmerksam. Mittlerweile können dort die „Boomerang Bags“ auch gegen eine Spende erworben werden. „Das Geld nutzen wir, um unsere Unkosten zu decken – oder wir geben es weiter.“ Nach dem Feuer im Affenhaus des Krefelder Zoos an Silvester etwa habe man Geld aus dem Verkauf der Taschen dem Zoo gespendet.

Zur Sache

„Boomerang Bags“ in der Umgebung

Vor wenigen Monaten begann die Bardowickerin Birthe Klippe gemeinsam mit Freunden, die Mehrwegbeutel zu nähen. Mittlerweile hat sie sich aus beruflichen Gründen aus dem Projekt zurückgezogen, doch werden weiterhin Taschen produziert und neue Partner akquiriert.
Zur Zeit gibt es – sofern sie nicht vergriffen sind – die „Boomerang Bags“ bei Edeka Tschorn, Edeka Bergmann (Saline), Kaufland und Heinz&Heinz. Geplant ist, dass auch das Weinkontor Wabnitz und Mimi‘s in Bardowick beliefert werden.
Wer mehr über das Projekt erfahren, Stoffspenden abgeben oder selbst mitnähen möchte, findet dazu Informationen im Netz bei Facebook, Instagram oder schreibt an boomerangbags.lueneburg@web.de.

Von Robin Williamson