Samstag , 26. September 2020
Die Lauenburger Hitzler-Werft hofft auf Aufträge, wenn das neue Forschungsinstitut in Geesthacht seinen Betrieb aufnimmt. Foto: A/tja

Schub auch für Lauenburg

Lauenburg/Geesthacht. Kommt das neue Forschungsinstitut für maritime Antriebssysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nach Geesthacht, wird davon voraussichtlich auch Lauenburg profitieren. Das wurde jetzt beim Neujahrsempfang für Kunden und Partner der Hitzler-Werft bekannt. Der Lauenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann kündigte an, dass zum neuen Institut auch ein Schiff für die praktische Erprobung der Systeme gehören soll. Und für das sieht er Lauenburg als geeigneten Standort.

Wie berichtet, hatte der Bund Ende 2019 in seinen Haushaltsberatungen jährlich 15 Millionen Euro für das neue DLR-Institut bereitgestellt. „Das Institut soll sich mit der Entwicklung von energieeffizienten und emissionsarmen Schiffsantrieben jeder Größenordnung beschäftigen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den wasserstoffbetriebenen Brennstoffzellen-Batterie-Systemen“, erklärt Brackmann.

Thema Wasserstoffspeicherung

Er hatte sich für das Projekt in seinem Wahlkreis wegen der räumlichen Nähe zum Helmholtz-Forschungszentrum Geesthacht (HZG) eingesetzt und sich dafür innerhalb des Bundeswirtschaftsministeriums stark gemacht. Denn die Wissenschaftler des HZG forschen am Thema Wasserstoffspeicherung.

Brackmann: „Das DLR hat bereits verschiedene hybride Brennstoffzellensysteme entwickelt, unter anderem auf dem Kreuzfahrtschiff ‚Aidanova‘. Mit dem neuen zu gründenden Institut sollen die Kompetenzen weiter ausgebaut werden.“
Der Maritime Koordinator der Bundesregierung pflegt einen engen Kontakt zur Branche und stand den Gästen bei Hitzler Rede und Antwort. Er sieht „große Innovationen“ der Industrie. Es sei an der Zeit, etwas zu tun. „Was die Antriebstechniken angeht, sind wir in einer Übergangsphase, in der sehr viel geforscht werden muss. Niemand hat eine Glaskugel und weiß, was kommt“, sagte er. Große Hoffnungen setzt er deshalb in das neue Institut des DLR. „Der nächste Schritt ist es dann, die im Labor entwickelten Dinge praktisch auszuprobieren, um sie zur Marktreife zu bringen“, sagte der Politiker. Dazu möchte er am DLR-Institut ein Schiff für die Erprobung der Technik in Dienst stellen.

Aufbau eines multifunktionalen Prüfstands geplant

Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit des neuen DLR-Instituts soll nicht bei den Antrieben enden. Es sollen Konzepte für Energiespeicher an Bord und entsprechende Versorgungsinfrastrukturen an Land für alternative Treibstoffe erarbeitet werden. Das Institut soll die gesamte Kette der Energieversorgung von Schiffen – von der Versorgung mit Brennstoffen über deren Speicherung bis zur Bereitstellung von Strom, Wärme und Kälte an Bord als integrierte Systemarchitektur bearbeiten.

Für die nötigen Entwicklungsarbeiten ist zum einen der Aufbau eines multifunktionalen Prüfstands geplant, mit dem die Energiesysteme an Land unter realistischen Bedingungen erprobt werden können. Zum anderen soll für die Speicherung und Aufbereitung von Brennstoffen auf Schiffen und die Verbindung zur Versorgungsinfrastruktur im Hafen eine entsprechende Testinfrastruktur geschaffen werden.

Von Timo Jann