Richard Meier ist optimistisch, dass der Verein sein Areal über das Jahr 2020 hinaus behalten kann. Foto: A/t&w

Neue Chance als Hightech-Standort?

Lüneburg. Gibt es doch noch eine Wende bei der Frage um die Zukunft des Lüneburger Flugplatzes? Immer mehr Signale deuten darauf hin, dass der Erhalt des Luftsportvereins und damit auch des Platzes wahrscheinlicher wird. So scheint nicht nur das laufende Bürgerbegehren bei den Lüneburgern gut anzukommen, auch die kürzlich vorgelegte Dokumentation über die Bedeutung des Platzes für den Erhalt geschützter Pflanzen und Tiere führt in Teilen der Politik bereits zum Umdenken. Jetzt überrascht der von der Schließung bedrohte Verein noch mit einem Vorhaben, den Flugverkehr klimafreundlicher zu gestalten.

Konkret geht es um die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen E-Cap GmbH aus Winsen/Luhe und Breezer Aircraft aus dem holsteinischen Bred-stedt. Beide wollen Motorflugzeuge auf elektrische Antriebe umrüsten. Ziel sei es, die Emissionen im Flugverkehr zu verringern. Dazu soll ein Ultraleichtflugzeug als Prototyp mit einer Brennstoffzelle ausgestattet werden, die Wasserstoff in Strom verwandelt, der wiederum Batterien für den Elektromotor speist.

Zehn Arbeitsplätze sollen entstehen

Ihr Vorhaben besiegelten die beiden Unternehmen jüngst auf dem Neujahrsempfang des Luftsportvereins Lüneburg (LVL). Der Ort dafür war nicht zufällig gewählt, denn der Lüneburger Flugplatz ist als Fertigungs-standort für den Umbau der Flugzeuge vorgesehen, wie E-Cap-Geschäftsführer Dirk Lehmann erklärt. Zehn Arbeitsplätze sollen entstehen. Allerdings stehe die Entscheidung für Lüneburg wegen der noch offenen Frage über den Erhalt des Flugplatzes noch unter Vorbehalt. Zunächst werde daher am E-Cap-Firmensitz in Winsen gefertigt.

Ausreichend Platz für die Fertigung in Lüneburg sei vorhanden, erklärt Richard Meier. Dafür könne eine vorhandene Halle genutzt werden, „hier müsste also nicht gebaut werden“, sagt der LVL-Vorsitzende.

Mit der Umrüstung der Maschinen allein wäre es aber nicht getan, auch Probeflüge würden in Lüneburg vorgenommen. Sicherheitsbedenken räumt Dirk Lehmann aber beiseite: „Hier geht es ausschließlich um Messflüge, bei denen unter anderem Verbrauch, Druck und Temperatur gemessen werden.“ Die eigentlichen Testflüge fänden vorab in Bredstedt statt. Bis zu fünf Starts seien werktags vorgesehen. Möglichen Ärger wegen Lärmbelästigungen schloss Lehmann aus, „mit Elektroantrieb fliegen die nahezu lautlos“.

Der für die Brennstoffzelle benötigte Wasserstoff soll überdies zuvor mittels Windkraftanlagen gewonnen werden. „So kann Flugmobilität wirklich sauber stattfinden“, ist Dirk Ketelsen, Geschäftsführer von Breezer Aircraft, überzeugt.
Richard Meier gibt sich optimistisch, dass die Entwicklung der umweltschonenden Flieger trotz der noch ungeklärten Zukunftsfrage in Lüneburg stattfinden wird. „Die Zustimmung beim laufenden Bürgerbegehren macht uns zuversichtlich.“ Genaue Zahlen will er allerdings noch nicht nennen.

Batterie-Entwicklung soll im Sommer starten

„Höchst interessant“ nennt das Projekt auch Dr. Gerhard Scharf. „Vorhaben wie diese bringen die Stadt weiter“, ist sich der CDU-Ratsherr sicher. Für ihn sprechen längst „mehr Gründe für als gegen den Flugplatz“. Auch Frank Soldan (FDP), der wie Scharf zum Neujahrsempfang des LVL gekommen war, ist überzeugt, dass damit ein weiterer wichtiger Baustein in der Norddeutschen Wasserstoff-Initiative gesetzt werde. „Und es passt zu unseren Technologie-Standorten Leuphana und Volgershall.“

Nachdem kürzlich auch die Grünen über ihren Fraktionsvorsitzenden Ulrich Blanck erkennen ließen, dass sie einen Flugbetrieb nicht mehr grundsätzlich ablehnen – er soll aber auf Segelflieger begrenzt bleiben –, will auch die Fraktion der Linken Position pro LVL-Erhalt beziehen. Wie Fraktionschef Michèl Pauly bestätigte, werde die Fraktion sich in den kommenden Tagen geschlossen in die Unterschriftenliste für das Bürgerbegehren eintragen.

E-Cap-Geschäftsführer Dirk Lehmann kündigte unterdessen an, bereits im Sommer in Lüneburg starten zu wollen. Allerdings soll dann zunächst mit der Entwicklung neuer Batterien begonnen werden.

Von Ulf Stüwe