Sonntag , 20. September 2020
Am Ende des ersten Teils Bergwiesenweg ist die Strecke abgepollert, um eine Durchgangsstraße zu vermeiden. Foto: t&w

Sechs Jahre Baustellenverkehr?

Barum. Insgesamt sechs Jahre lang soll Baustellenverkehr für ein neues Wohngebiet durch eine bestehende Anwohnerstraße rollen. Gleichzeitig bleibt die Strecke z um Ortskern hin abgepollert, ist somit eine Sackgasse. Das hat der Gemeinderat Barum bei seiner Sitzung am Mittwochabend im Feuerwehrhaus Barum beschlossen. Der Ratssitzung ging eine Einwohnerversammlung mit rund 100 Teilnehmern voraus. Dabei sorgten sich Anwohner aus insgesamt drei Straßenzügen, dass sie den Baustellenverkehr abbekommen könnten, zumal sich der Gemeinderat weigerte, alternativ einen Wirtschaftsweg als Baustraße einzurichten. Letztlich überwog bei einigen Anwohnern der Eindruck, dass die Versammlung nur ein Feigenblatt gewesen sei.

Bereits im Vorfeld des Abends ging es hinter den Kulissen hoch her. So hatte beispielsweise Anwohner Gebhardt Weiß die Kommunalaufsicht beim Landkreis Lüneburg angeschrieben, um Bürgermeister Joachim Schwerdtfeger (FDP) bei der Einwohnerversammlung dazu zu bewegen, näher über den städtebaulichen Vertrag mit den lokalen Investoren zu informieren – was Schwerdtfeger ablehnte. Zwar stellte die Kommunalaufsicht keinen Verstoß fest, bemerkenswert war der Abend dennoch.

Hauptstreitpunkt ist die Baustellenzufahrt

Zuletzt hatte sich der Gemeinderat Ende 2018 mit der Fortsetzung des Baugebietes Bergwiesenweg am südlichen Ortsrand Barums befasst. Damals wollte die „F+H Grundstücksgesellschaft“ des Horburgers Maik Hillberg und des Barumer Ratsmitglieds Hilmar Fehling (CDU) auch die im Bebauungsplan ausgewiesene Ausgleichsfläche zu Bauland machen, davon waren sie nun aber abgerückt.

Hauptstreitpunkt ist jetzt die Baustellenzufahrt zum Bergwiesenweg II mit 37 neuen Grundstücken. Sie sollen schrittweise in drei Phasen abverkauft werden – innerhalb von sechs Jahren. Das ist ein Wunsch der Gemeinde, damit Einrichtungen wie der kommunale Kindergarten nicht überfordert werden.

Anwohner in Sorge angesichts der Verkehrs

Überfordert sehen sich laut Anwohnerin Petra Reusch aber die bisherigen Neu-Barumer im ersten Abschnitt des Bergwiesenwegs mit Blick auf die künftige Verkehrsentwicklung. In den 27 Häusern wohnten laut Reusch bereits Familien mit insgesamt 20 Kindern unter 14 Jahren. Dennoch hält der Gemeinderat daran fest, den ersten vorhandenen Abschnitt der Straße als Erschließungsstraße für den zweiten Teil des Wohngebiets zu nutzen. So sei es auch schon 2004 bei der Erstellung des Plans vorgesehen gewesen. Schwerdtfeger zufolge sei es einfacher, durch Baufahrzeuge verursachte Schäden an der nur vier Meter breiten Anwohnerstraße durch die Investoren beheben zu lassen, als Schäden am Wirtschaftsweg außerhalb des Wohngebiets.

In der Tat lag der städtebauliche Vertrag der Gemeinde Barum mit den Investoren bereits vor der Versammlung unterschriftsreif vor, wurde an dem Abend aber nicht vom Rat beschlossen. Dennoch hatte Schwerdtfeger zu dem Infoabend geladen, „falls noch eine geniale Idee gekommen wäre, hätten wir die aufgegriffen“, sagte er. Anwohnerin Reusch bezeichnete die zweistündige Diskussionsrunde resigniert als „Farce“. Ihren Vorschlag für eine alternative Zufahrtsregelung über den Wirtschaftsweg in den neuen Baugebietsabschnitt Bergwiesenweg II hatte später Ratsherr Sven Lehmann (SPD) in einem Antrag aufgenommen; er fand im Rat aber keine Mehrheit.

Zuletzt setzte Schwerdt­feger noch den Antrag durch, den Poller im Verlauf des neuen Abschnitts Bergwiesenweg II stehen zu lassen. So können auch die künftigen Neubürger mit ihren Autos nicht direkt in den Ortskern fahren, sondern müssen zuerst den Ort in nordöstlicher Richtung verlassen, um aus der Sackgasse zu kommen – künftig mit Baustellenfahrzeugen im Gegenverkehr.

Von Dennis Thomas