Betriebsleiterin Laura Kaehler von der Firma Veolia organisiert für die GfA den Umschlag des Altpapiers. Foto: t&w

Kaum Interesse an Altpapier

Bardowick. Nichts ist so alt die die Zeitung von gestern. Trotzdem ließen sich bislang mit dem Altpapier gute Geschäfte machen. Doch die goldenen Zeiten scheinen wohl vorerst vorbei zu sein. Auf dem weltweiten Altpapiermarkt herrscht ein Überangebot – das wirkt sich auf die Preise aus.

„Knapp über 60 Euro haben wir im Dezember für die Tonne Altpapier erzielt“, berichtet Oliver Schmitz, Chef des kommunalen Entsorgers GfA mit Sitz in Bardowick: „Ein Jahr zuvor lag der Erlös für die Tonne Altpapier noch bei 90 Euro.“ Dass den Bürgern in Stadt und Landkreis Lüneburg deshalb nun schon bald eine Gebührenerhöhung ins Haus stehen könnte, um den finanziellen Verlust auszugleichen – diese Sorge aber kann der GfA-Vorstand nehmen: „Die Formel ,niedriger Altpapierpreis gleich Gebührenerhöhung‘ gilt für die GfA so nicht“, sagt Schmitz. Die Abfallgebühren setzen sich seinen Worten zufolge aus vielen Faktoren zusammen – „die Erlöse für das Altpapier sind da nur ein Teil“.

Lüneburger sind Spitze beim Sammeln

Rund 15.000 Tonnen Altpapier sammeln die blauen Fahrzeuge der GfA jährlich in Stadt und Landkreis ein: Tageszeitungen, Prospekte, Verpackungen, Kartonagen. Alles, was in der blauen Tonne oder in den Sammelcontainern am Straßenrand landet, kommt zunächst in der großen Lagerhalle der Firma „Veolia Umweltservice GmbH“ auf dem GfA-Betriebsgelände in Bardowick an. Ein meterhoher Berg Altpapier wartet hier bereits darauf, auf den nächsten Lkw verladen zu werden. „Wir organisieren für die GfA als Dienstleister den Umschlag des Altpapiers“, erklärt Betriebsleiterin Laura Kaeh­ler. Von Bardowick aus werden die Papiermassen zu den Sortieranlagen und schließlich in die Papierfabriken gebracht.

„B 12 – gemischte Sammelware“, ist der Fachbegriff für das Altpapier, das die GfA weiterverkauft an die Recycling-Anlagen. Altpapier unterschiedlicher Qualität. Oliver Schmitz macht während seines Rundgangs den LZ-Reporter auf eine Besonderheit aufmerksam: „Das Lese- und Konsumverhalten der Bürger ist an dem Papierberg deutlich erkennbar“, sagt der GfA-Vorstand. Immer weniger Zeitungen, dafür immer mehr Kartons und Verpackungsmaterial. Auch das hat Auswirkungen auf den Altpapierpreis. Denn gefragt ist vor allem altes Zeitungs- und Zeitschriftenpapier. Dafür zahlen die Papierfabriken am meisten. Doch diese sogenannte „Deinking-Ware“, unbedruckte Ware, nehme beständig ab – der Medienwandel ist also auch auf dem Recyclinghof zu spüren.

Qualität insgesamt gut

Den Bewohnern in Stadt und Landkreis Lüneburg spricht Schmitz ein großes Lob aus: Statistisch gesehen, sammle jeder Lüneburger pro Jahr rund 85 Kilogramm Altpapier, „damit sind wir bundesweit in der Spitzengruppe“, freut sich der Abfall-Experte. Auch die Qualität des Altpapiers sei insgesamt gut, in den Tonnen befände sich vergleichsweise wenig, was da nicht hinein gehört.

Das ist auch wichtig, denn damit die Papierfabriken das Altpapier abnehmen, darf der Fremdstoff-Anteil nicht mehr als ein Prozent betragen. Die Chinesen – lange Zeit ein sehr großer Altpapier-Abnehmer auf dem Weltmarkt – sind noch pingeliger. Sie lassen sogar nur noch ein halbes Prozent an Fremdstoffen zu. „Diese Forderung kommt einem Import-Stopp gleich“, erklärt Schmitz – „der Export ist massiv eingebrochen.“

Auch in andere asiatische Staaten stocke der Altpapierexport. Umgekehrt drängt auf den deutschen Markt auch Altpapier aus dem Ausland – etwa aus Großbritannien, aber auch aus den USA. „Wir werden mit Altpapier regelrecht geflutet“, sagt Oliver Schmitz. Die Folge: In Europa gebe es derzeit ein Überangebot von Altpapier von mehr als acht Millionen Tonnen.

Steigende Personalkosten

Das drückt natürlich auf die Preise. Doch so schlimm wie 2008 ist es zurzeit noch nicht: „Damals fiel der Preis für eine Tonne Altpapier innerhalb eines Jahres von 140 Euro auf fünf Euro“, erinnert Schmitz – dieser Preisverfall habe damals auch der GfA zugesetzt.

Doch inzwischen sieht der GfA-Vorstand die Altpapierpreis-Entwicklung gelassen, die Liquidität der GfA sei heute deutlich besser als 2008.

Mit 16 Millionen Euro an Gebühreneinnahmen kalkuliert der öffentliche Entsorger 2020 – davon sind eine Million Euro aus den Altpapiererlösen eingeplant. Steigende Personalkosten, Investitionen, teure Reparaturen oder steigende Energiepreise haben Schmitz‘ Worten zufolge mindestens genauso Einfluss auf die Gesamtkalkulation der Abfallgebühren wie die Erlöse für das Altpapier.

„Im Grunde zahlen die Menschen in Stadt und Landkreis heute die gleichen Abfallgebühren wie 2010“, rechnet Schmitz vor. Zwar habe man zwischenzeitlich die Gebühren erhöht, zuletzt 2018 – aber davor habe man in Stadt und Landkreis die Gebühren zweimal deutlich gesenkt. Unter dem Strich zum Vorteil der Bürger.

Von Klaus Reschke