Montag , 28. September 2020
Markus Ibrom im Käseladen der Rollenfigur Astrid Richter: Der 35-Jährige wählt als Junior Producer unter anderem Schauspieler für neue Rollen aus. Foto: be

Fußball-Profi auf dem Wunschzettel

Lüneburg. Als die Roten Rosen 2006 loslegten, sorgte er mit dafür, dass sich die Schauspieler in Lüneburg wohlfühlen. Er hat damals im Hotel Seminaris gearbeite t, wo viele Darsteller während ihres Engagements untergebracht waren. Heute entscheidet Markus Ibrom mit darüber, wer überhaupt bei den Rosen mitwirken darf. Er schlägt Darsteller für neue Episodenrollen vor und darf bei Castings mitentscheiden, wessen Gesicht künftig regelmäßig in der ARD-Serie zu sehen ist. Der 35-Jährige hat einen ungewöhnlichen Jobwechsel vollzogen: vom Hotelfachmann im Gastgewerbe zum Junior Producer in der Fernsehbranche.

Die Präsenz der Rosen im Seminaris verhalf Ibrom damals zu seinem neuen Job. Er lernte eine der Regisseurinnen kennen, die ihn damals einfach kurzerhand gefragt habe, ob er nicht Lust habe, zum Team der Produktionsfirma Serienwerft zu kommen. Er hatte – und sollte diesen Schritt im April 2008 nicht bereuen. „Keine Sekunde“, versichert er, „an meinem jetzigen Job macht einfach alles Spaß“. Als Praktikant stieg er ein, machte seine Sache offenbar ordentlich, denn über die Stationen Continuity und Regieassistent wurde er im November 2018 zum Junior Producer.

Er liest Drehbücher und sichtet Demo-Bänder

Heute steht er nicht mehr am Empfang, um Gäste ein- oder auszuchecken, deckt keine Tische mehr für Bälle oder sorgt dafür, dass Hotelzimmer in einem tadellosen Zustand sind. Stattdessen liest er Drehbücher, sichtet Demo-Bänder, beauftragt Motivsucher nach besonderen Drehorten Ausschau zu halten, organisiert Vorsprechen und verhandelt mit Schauspielern oder deren Management über ein Engagement bei den Rosen. Er war es auch, der mit der Agentur von Jürgen Drews Kontakt aufnahm und über einen Gastauftritt des Schlagerstars in der Lüneburg-Serie verhandelte – letztlich bekanntlich mit Erfolg.

Für derartige Gastrollen hat er ein Budget, über dessen Höhe schweigt er, sagt nur soviel: „Ein Engagement scheitert meist eher daran, dass Schauspieler anderweitig langfristig eingebunden sind. Insgesamt aber klappt es ziemlich oft.“ Ein paar „Promi-Ideen“ hat er noch im Köcher, ganz oben auf seiner Wunschliste für einen Gastauftritt steht ein Fußball-Profi. Kein leichtes Unterfangen, wie Ibrom weiß: „Der muss schon richtig Lust drauf haben, allein mit unserer Gage werden wir da keinen überzeugen können.“

Wenn es ihm tatsächlich gelingt, sind die Autoren gefordert. Denn anders als beim sonstigen Handlungsverlauf, wo zur Geschichte passende Darsteller gesucht werden, ist das Prozedere hier andersherum: Erst wenn ein Star seine Zusage gibt, wird eine Geschichte erdacht, warum der oder die plötzlich in den Rosen auftaucht.

Gelegentliche Zweifel an der eigenen Entscheidung

Selbst wenn andere bei der endgültigen Besetzung ein gewichtigeres Wort haben als er, hat Markus Ibroms dennoch einen beachtlichen Einfluss auf den Cast. Schließlich kommen die ersten Besetzungsvorschläge im Regelfall von ihm, die vier, fünf Kandidaten, die für eine Rolle in die engere Auswahl kommen, müssen ihn also zuallererst schon überzeugt haben. Im Großen und Ganzen sei er schon zufrieden mit seiner bisherigen Auswahl. Ob er sich nicht auch an eine totale Fehlbesetzung erinnern könne? So hart würde er das nicht formulieren, sagt lieber moderater: „Sicher gibt es auch mal Fälle, in denen man im Nachhinein seine Entscheidung anzweifelt.“ Fälle, in denen der ausgewählte Schauspieler bei den Zuschauern nicht so gut angekommen ist wie erhofft.

Auch wenn Ibrom heute etwas ganz anderes macht als noch vor 13 Jahren, irgendwie war der Wechsel doch ein bisschen so etwas wie eine Rückkehr zu den beruflichen Wurzeln. Denn seine Ausbildung zum Hotelfachmann hatte er damals im Bergström gemacht. Und eben das ist ja bekanntlich Kulisse für das Hotel Drei Könige in der TV-Serie.

Von Alexander Hempelmann