Freitag , 25. September 2020
Das Feuerwehrhaus in Kirchgellersen soll durch einen Neubau abgelöst werden. Foto: t&w

Der finanzielle Spagat geht weiter

Reppenstedt. Andere hätten bei solchen Zahlen Freudentränen in den Augen. Gellersens Kämmerer Dietmar Meyer hingegen zeigte sich allenfalls vorsichtig optimisti sch angesichts des am Montagabend vom Samtgemeinderat beschlossenen Doppelhaushalts der Samtgemeinde Gellersen für 2020 und 2021. Nach dem Haushaltsplan erzielt Gellersen jeweils deutliche Überschüsse.

Dennoch segelt der kommunale Zweckverband in den kommenden Jahren finanziell hart am Wind: Zwar sprudeln die Steuereinnahmen, doch die Beitragsfreiheit in den Kindergärten schmälert die positive Bilanz der Samtgemeinde erheblich. Und Gellersen plant, weiter kräftig in seine Infrastruktur zu investieren von den Grundschulen bis zur Feuerwehr. Und damit steigt auch der Schuldenberg.

Überschuss von 1,3 Millionen Euro

Der neue Doppelhaushalt sei ein „Spagat zwischen Ausgabendisziplin und Investitionsfreude für die Infrastruktur unserer wachsenden Samtgemeinde bei einem Haushaltsvolumen von rund 16 Millionen Euro“, sagte Steffen Gärtner (CDU), der erstmals den Etat der Samtgemeinde Gellersen als Verwaltungschef mitzuverantworten hat. Auf dem Papier sieht es auf den ersten Blick vor allem im Finanzhaushalt rosig aus: Im Etat-Bereich, in dem die laufende Verwaltungstätigkeit abgerechnet wird, steht laut Plan Ende 2020 ein Überschuss von 1,3 Millionen Euro und 1,2 Millionen in 2021. Aber dann kommen die Investitionsvorhaben, die von den Überschüssen alleine nicht gedeckt werden: 2,4 Millionen Euro sollen 2020 und 2,3 Millionen Euro 2021 für Neuanschaffungen ausgegeben werden.

Laut Kämmerer Meyer sei abzüglich der laufenden Schuldentilgung eine Nettoneuverschuldung von rund 370.000 Euro vorgesehen. Damit stiege der Gellerser Schuldenstand von derzeit 12,287 Millionen Euro auf zirka 12,66 Millionen Ende 2021.

Größter Einzelposten bei den geplanten Investitionen ist mit Abstand der Neubau des Feuerwehrhauses in Kirchgellersen, dessen Kosten auf rund 2,5 Millionen Euro geschätzt werden, verteilt auf insgesamt drei Haushaltsjahre bis 2022. Bereits 2018 hatte eine Begehung der Samtgemeinde mit der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen (FUK) offenbart, dass die Leistungsfähigkeit des bestehenden Gebäudes von 1984 längst an seine Grenzen gestoßen ist. So wurde schon vor Jahren ein Fahrzeugstellplatz zum Abstellraum umfunktioniert, da wegen der geringen Deckenhöhe die neuen Fahrzeugtypen nicht mehr hineinpassen. Zwischenzeitlich behalf sich die Wehr mit einem Hallenanbau, aber die Mängelliste war noch länger – bis hin zu fehlenden Duschen in den Sanitärräumen. Jetzt wird ein Neubau am Ortsrand angestrebt.

Umbauarbeiten in Grundschulen geplant

Rathauschef Gärtner hob weitere geplante Investitionen hervor: Beispielsweise soll 2020 der Bau der Mensa an der Grundschule Kirchgellersen abgeschlossen werden, dafür ist der Restbetrag von 50.000 Euro vorgesehen. Überdies soll für 30.000 Euro der ehemalige Kindergarten Westergellersen zu Schulräumen umgebaut werden – zuzüglich 350.000 Euro aus dem Vorjahr. Zudem soll der Bereich des Hausmeisterflügels an der Grundschule Reppenstedt (750.000 Euro) angegangen werden. Außerdem soll 2020 der Sportboden in der Schulturnhalle Reppenstedt erneuert werden (280.000 Euro) sowie 2021 der Sportboden in der Gellersenhalle für rund eine halbe Million Euro. Neben den Investitionen erhöht die Samtgemeinde ihre Personalaufwendungen insbesondere im Bereich der Krippen und Kitas.

Für die CDU/SPD-Mehrheitsgruppe lobte Peter Bergen (CDU) den gemeinsam eingeschlagenen Weg, um die Infrastruktur auch für junge Familien, die zunehmend nach Gellersen zögen, zu erhalten und auszubauen. Anikó Hauch (FDP) hingegen kritisierte den „langsamen Schuldenabbau“, trug den Doppelhaushalt aber – so wie die meisten Ratsmitlieder – mit. Allein die zweiköpfige „Parteilose Fraktion Gellersen“ mit Ex-AfD-ler Bernd Bundt an der Spitze stimmte gegen den 16 Millionen-Euro-Etat, unter anderem weil ihm der Gellerser Zuschuss in Höhe von 12.000 Euro für das Lüneburger Theater nicht passte.

Von Dennis Thomas