Donnerstag , 29. Oktober 2020
Für den Start des neuen Blockheizkraftwerks haben (v.l.) Harald Gründel, Ulrich Mädge, Dr. Stephan Tenge und Sven Harms gemeinsam auf den Knopf gedrückt. Foto: t&w

Mehr als nur Strom

Lüneburg. Außen grau und schlicht, innen vollgepackt mit modernster Energietechnik: Dem funktionalen Zweckbau auf dem Gelände des Lüneburger Wasserwerks an der Roten Bleiche sieht man auf den ersten Blick kaum an, was in ihm steckt. Doch die neue Krafteinheit übernimmt einen wichtigen Part in der Lüneburger Trinkwasserversorgung: Mehr als 60 Prozent des Energie-Eigenbedarfs des Wasserwerks werden künftig von ihm gedeckt. Und das ist noch nicht alles. Am Donnerstag wurde das neue Blockheizkraftwerk als Gemeinschaftsprojekt von Avacon Natur und dem Trinkwasserversorger Purena in Betrieb genommen.

Fernwärme für mehr als 700 Wohnungen

Als „hocheffizient“ lobte Avacon-Technikvorstand Dr. Stephan Tenge, der zur Inbetriebnahme extra aus Helmstedt nach Lüneburg gekommen war, die neue 250-Kilowatt-Anlage. Denn der Gesamtwirkungsgrad des erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerks (BHKW) aus der gemeinsamen Strom- und Wärmeerzeugung erreicht immerhin 83 Prozent.

Zwar stehe die Stromerzeugung für das Wasserwerk im Vordergrund, die dabei erzeugte Wärme sei aber nicht minder bedeutsam, erläuterte der neue Avacon-Regionalleiter für Lüneburg, Harald Gründel. Sie wird in das Fernwärmenetz für das Neubaugebiet Ilmenaugarten zur Unterstützung des dort bereits vorhandenen BHKW eingespeist. Mehr als 700 Wohnungen werden dort mit Fernwärme versorgt. Eine 400 Meter lange und unter der Ilmenau hindurch verlegte Fernwärmeleitung stellt die Verbindung her.

Die Bedeutung der neuen Anlage für Umwelt und Klima hob Harald Gründel hervor: „Durch die neue Energieversorgung werden künftig 408 Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart.“ Aber auch den Purena-Kunden komme die Umstellung durch sinkende Stromkosten zugute, wie Purena-Netzbetriebsleiter Sven Harms erläuterte.

Jährlich werden 408 Tonnen CO2 eingespart

Für Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge ist das jetzt in Betrieb genommene Blockheizkraftwerk „ein weiterer Schritt in Richtung nachhaltige und sichere Energie- und Wasserversorgung“. Er rief dabei auch in Erinnerung, dass die Stadt bereits auf BHKW-Technik setze und dies für künftige Bauvorhaben vorschreiben beziehungsweise empfehlen werde. Mädge machte zugleich deutlich, dass dabei aber auch die „technische und kaufmännische Machbarkeit“ stets zu berücksichtigen sei.

Das neue BHKW im Wasserwerk ist auch nicht das erste dieser Art in Lüneburg. 15 Anlagen betreibt die Avacon im Stadtgebiet, zwei die LüWoBau, eine wurde jüngst von der AGL in Betrieb genommen. Hinzu kommen weitere Anlagen auf Kraft-Wärme-Kopplung, die von privaten Trägern betrieben werden.

Die Kosten für das neue Blockheizkraftwerk bezifferte Harald Gründel mit 1,3 Millionen Euro, die von der Avacon getragen werden. Purena ist Pächter der Anlage, die Betriebsführung wird von Avacon Natur übernommen. Der Pachtvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren.

Von Ulf Stüwe