Als besonderen Gast zum Neujahrsempfang der Bundeswehr begrüßte Oberstleutnant Hendrik Staigis (r.) Brigadegeneral a. D. Volker Bescht, der einen Vortrag über die Lage in Afghanistan hielt. Foto: t&w

Mehr Soldaten in Lüneburg

Lüneburg. In der Lüneburger Theodor-Körner-Kaserne sollen schon bald wieder mehr Soldaten ihren Dienst versehen: Diese Nachricht verkündete Oberstleutnant Hendrik Staigis, Kommandeur der Lüneburger Aufklärer und zugleich Standortältester, während des Neujahrsempfangs der Bundeswehr. „Nach vielen Jahren der Kürzungen, Standortschließungen und Auflösung von Truppenteilen soll nun auch der Standort Lüneburg wieder aufwachsen“, betonte Staigis.

Zufrieden nahm auch Lüneburgs Landrat Jens Böther (CDU) die Neuigkeit zur Kenntnis. „Ich begrüße es, dass Lüneburg als Garnisonsstadt in der Planung der Bundeswehr eine feste Größe ist und als Standort infrastrukturell aufgewertet wird. Die Soldatinnen und Soldaten mit ihren Familien gehören zum Landkreis Lüneburg. Die aktuellen Pläne der Bundeswehr bestätigen das“, betonte das Kreisoberhaupt.

Folge der geänderten Sicherheitspolitik

Grund dafür ist das geänderte sicherheitspolitische Umfeld Deutschlands. Damit haben sich auch die Rahmenbedingungen für die Bundeswehr geändert. Wie berichtet, sollen erstmals seit Ende des Kalten Krieges die Streitkräfte wieder wachsen und zwar laut Verteidigungsministerium um rund 12 000 Zeit- und Berufssoldaten auf dann insgesamt 198 000 Soldaten. Im August vergangenen Jahres hatte General Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr, daher in einem sogenannten Tagesbefehl entschieden, dass mehrere Liegenschaften, die bereits zur Abgabe vorgesehen waren, nun doch im Besitz der Truppe verbleiben.

Welche Einheiten künftig wieder in Lüneburg stationiert werden, konnte Staigis am Mittwochabend beim Neujahrsempfang noch nicht sagen. Er rechnet aber damit, „dass entsprechende Entscheidungen zu konkreten Absichten im Laufe dieses Jahres getroffen werden.“ Für das Mehr an Personal und Material werde auch ein Mehr an Infrastruktur benötigt, heißt es aus dem Verteidigungsministerium – vermutlich für Truppenteile aus dem Organisationsbereich Heer, beziehungsweise dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr.

"Die Soldatinnen und Soldaten mit ihren Familien gehören zum Landkreis Lüneburg." - Landrat Jens Böther

Platz ist auf alle Fälle genug vorhanden: Während des Kalten Krieges waren hier 1800 Soldaten stationiert. Zurzeit sind in der Theodor-Körner-Kaserne – der letzten noch verbliebenen militärischen Liegenschaft in der Hanse- und Garnisonsstadt – unter anderem das Aufklärungslehrbataillon 3, das Sanitätsversorgungszentrum, das Kraftfahrausbildungszentrum sowie die 2. Batterie des Artillerie-Lehrbataillons 325 mit rund 1000 Soldaten stationiert. Außerdem die 4. Kompanie des Offizieranwärterbataillons.

Neugestaltung der Offiziersausbildung

Letztere wird allerdings schon in wenigen Wochen aufgelöst. Grund ist die Neugestaltung der Offiziersausbildung, die ab diesem Jahr wieder dezentralisiert wird. De facto erfolge laut Staigis aber nur eine Umgliederung beziehungsweise sofortige Neuaufstellung: „Die Kompanie bekommt nur ein neues Türschild und wird ab 1. Februar die 5. Kompanie des Aufklärungslehrbataillons 3 werden“. Für den Kommandeur der Lüneburger Aufklärer ist das eine gute Entscheidung: „Somit können wir im Bataillon wieder selbst Offizieranwärter der Heeresaufklärungstruppe in der kleinen Kampfgemeinschaft ausbilden.“

Die beiden Unterkunfts-und Kompaniegebäude der Offizieranwärter wurden bereits aufwendig saniert und modernisiert. Andere Gebäude auf dem Kasernenareal befinden sich dagegen noch in einem desolaten Zustand. Wie berichtet, soll deshalb in den nächsten Jahren für 27 Millionen Euro die Kasernen-Infrastruktur verbessert werden.

„Davon sind acht Millionen Euro für die Herrichtung von Unterkunftsgebäuden vorgesehen“, erklärte erst vor wenigen Wochen auf LZ-Anfrage der Leitende Baudirektor Michael Brassel vom Staatlichen Baumanagement Lüneburger Heide mit Sitz in Munster, dessen Behörde die Baumaßnahmen im Auftrag der Bundeswehr umsetzen wird. Insgesamt will die Bundeswehr in den nächsten Jahren rund 357 Millionen Euro in Neu-, Umbau- und Sanierungsmaßnahmen an zahlreichen Standorten in Niedersachsen investieren.

Olympisches Dorf wird saniert

Die Projekte reichen von Gebäuden für Unterkunft, Büros, Verpflegung und Sport über Sonderbauten für Technik, Rüstung, Labor und Simulationsbetrieb bis zu Maßnahmen der Medieninfrastruktur. In Lüneburg rechnen die Verantwortlichen nicht vor 2024 mit dem Baubeginn.

Saniert wird dann auch das alte Olympische Dorf auf dem Kasernengelände, das nun mit der Entscheidung der Bundeswehr endgültig im Besitz der Truppe bleibt. Zur Hochzeit der Flüchtlingskrise war das Areal vom Rest der Kaserne abgetrennt und für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt worden. Jetzt werden wieder Soldaten in die Gebäude einziehen.

Von Klaus Reschke