Die Grabungen auf dem Gelände des abgebrannten Josthofes sollen bald weitergehen. Foto: t&w

Freude über die einmalige Chance

Salzhausen. Mehr als zwei Jahre ist es nun her, dass der Josthof in Salzhausen abgebrannt ist. Auf dem Gelände an der Winsener Straße ging in der Nacht zum 28. April 2017 ein Stück Salzhäuser Geschichte verloren. Es war gerade 3.15 Uhr, als eine Zeitungsausträgerin per Notruf meldete, dass das Landhotel Josthof in Flammen stehe.

Als die ersten Feuerwehrkräfte eintrafen, brannte das Reetdach des Haupthauses, in dem sich Restaurant und Gästezimmer befanden, bereits lichterloh. Mit mehr als 150 Mann aus zehn Ortswehren bekämpften die Einsatzkräfte die meterhohen Flammen. Zwei weitere Gebäudeteile des historischen Ensembles konnten sie vor dem Feuer bewahren, auch ein Übergreifen auf die Nachbargebäude verhindern. Verletzt wurde niemand. Zurück blieben ein Schutthaufen, Ratlosigkeit, Trauer – und ein Millionenschaden.

Josthof-Eigentümer sind die Hände gebunden

Für die Gemeinde Salzhausen und für alle, die den Josthof kannten und mochten, war es ein Schock. Denn das ehrwürdige Anwesen im Ortskern blickte auf eine 1000-jährige Geschichte zurück. Das Romantik-Hotel mit seinen historischen Räumen und seiner Gourmet-Küche war weit über die Grenzen Salzhausens hinaus bekannt.

Wie genau es zu dem Brand kommen konnte, ist bis heute nicht geklärt. Auch wie es mit dem Hof weitergehen soll, steht noch in den Sternen. Bürgermeister Wolfgang Krause: „Für die Nachnutzung gibt es noch kein Konzept, wir wissen bislang nur, dass sich die Ausgrabungen bis mindestens Sommer verlängern werden.“

Eigentümer Jörg Jansen hat bis zum Frühsommer noch eine Genehmigung für die Außengastronomie, kann also einen Biergarten betreiben. Da niemand weiß, wie lange die Ausgrabungen noch genau andauern werden, sind ihm für weitere Pläne jedoch die Hände gebunden.

So tragisch der Brand auf dem historischen Anwesen war, Archäologen bot er eine einmalige Chance, denn durch ihn liegt nun ein besonderer Blick frei: Das Erdreich unter dem einst historischen Gebäude ist seit Jahrhunderten in weiten Teilen unversehrt.

Grabungsfläche von zirka 300 Quadratmetern

Wo früher das 1830 erbaute Fachwerkhaus stand und Hotel- und Restaurantbesucher bewirtet wurden, wird heute Feldforschung betrieben. Auf einer Grabungsfläche von zirka 300 Quadratmetern fallen den Archäologen reihenweise Spuren von mehr als 1000 Jahren Salzhäuser Siedlungsgeschichte in die Hände. Die historische Hofstelle wurde 1252 erstmals urkundlich erwähnt.

„Inzwischen haben wir uns bis zum eiszeitlichen Untergrund vorgearbeitet“, berichtet Grabungsleiter Dr. Jochen Brandt vom Archäologischen Museum Hamburg. „Wir haben hier auf einer relativ kleinen Fläche mindestens drei spätmittelalterliche Keller aus dem dreizehnten bis fünfzehnten Jahrhundert gefunden, außerdem ein kleines Nebengebäude zu dem Gehöft aus dem neunten bis zehnten, mehrere Öfen. So etwas kenne ich aus dem Landkreis Harburg bislang noch gar nicht.“ Brandt hatte damit gerechnet, mittelalterliche Relikte zu finden, zeigt sich von dem Umfang, in dem seinem Team das gelungen ist, aber überrascht.

„Bis 2017 stand hier noch ein Haus. Dass so viel erhalten ist, grenzt an ein Wunder.“ Für Erstaunen sorgte auch ein geheimnisvolles Tierskelett, das in der alten Diele eines Gebäudes gefunden wurde. „Es handelt sich um ein Rind, sicherlich ein Opfer für eine abergläubische Handlung“, mutmaßt Brandt.

Im Moment ruhen die Grabungsarbeiten. „Für uns Archäologen ist das Wetter jetzt im Winter ungünstig, wir legen im April wieder los.“

Von Lea Schulze

Zur Sache

Nicht nur für Hamburg zuständig

Warum lässt das Archäologische Museum Hamburg in Salzhausen graben? Ein Blick in die Historie liefert die Antwort: Das Museum wurde 1898 als Museum zu Harburg unter anderem vom Hamburger Kaufmann und späteren Harburger Senator August Helms gegründet.

Das Museum konzentriert sich auf die Darstellung norddeutscher Ur- und Frühgeschichte sowie die Präsentation der Stadtgeschichte Harburgs. Es hat mit mehr als 2,5 Millionen katalogisierten Objekten eine der umfangreichsten archäologischen Sammlungen Norddeutschlands. Nach vielen Gebietsreformen und Änderungen von Zuständigkeiten ist es heute nicht nur Landesmuseum für Archäologie sowie Behörde für Bodendenkmalpflege der Freien und Hansestadt Hamburg, sondern auch das stadtgeschichtliche Museum für Harburg. Zugleich ist es mit den Aufgaben der staatlichen Bodendenkmalpflege im Bundesland Hamburg und im Landkreis Harburg betraut – und somit unter anderem auch für die archäologische Betreuung in diesem Gebiet zuständig.