Die A 39 hätte Dirk Möller gern weiter geplant. Er freut sich aber auch auf die neuen Projekte. Foto: t&w

Künftig sind es zwei

Lüneburg. Es ist ein bundesweites Mammut-Projekt, das auch an Lüneburg nicht spurlos vorübergehen wird: die Entstehung der neuen Autobahn-Gesellschaft des Bundes. Am 1. Januar 2021 wird sie für Planung, Bau, Betrieb, Instandhaltung und Finanzierung sämtlicher Autobahnen zuständig sein und damit Aufgaben übernehmen, die zum Teil auch vom Regionalen Geschäftsbereich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Lüneburg wahrgenommen wurden. Wegfallen wird die Behörde deshalb jedoch nicht, im Gegenteil.

„Mit Beginn des neuen Jahres werden wir den Bereich Autobahn an die neue Gesellschaft übergeben“, sagt Dirk Möller – ein Vorgang, der bei dem Leiter der Landesstraßenbaubehörde in Lüneburg gemischte Gefühle auslöst. Zum einen bedauert er den Wegfall der „überaus anspruchsvollen Aufgabe“, die ihm und seinem Team mit der Planung der A 39 „stets Spaß gemacht“ habe. Zum anderen freut Möller sich auf die neuen Herausforderungen, die im Zuge der Umstrukturierung auf seinen Geschäftsbereich zukommen.

Mehr Aufgaben und größeres Wirkungsgebiet

Denn Lüneburg wird künftig nicht nur weiterhin für die Bundes- und Landesstraßen in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Harburg zuständig sein, sondern auch zwei anspruchsvolle Aufgaben hinzubekommen: die Planung und Durchführung von sogenannten Bedarfsplanprojekten, worunter im Wesentlichen Ortsumgehungen zu verstehen sind, und der komplette Brücken­ersatzneubau. Beide neuen Aufgaben werden in Niedersachsen in sieben von insgesamt 13 Geschäftsbereichen gebündelt, Lüneburg ist einer davon. Er übernimmt dann auch die Projekte im Geschäftsbereich Stade.

Dass auch dies anspruchsvoll wird, ist Möller bewusst: „Viele Brücken stammen aus den 60er-Jahren. Sie sind nicht nur sanierungsbedürftig, auch die Ansprüche an die erforderlichen Traglasten sind inzwischen gewachsen“, weiß der 49-Jährige, der nach Ingenieurstudium und beruflichen Stationen in der Landesstraßenbaubehörde in Hannover, im Wirtschaftsministerium und als stellvertretender Geschäftsbereichsleiter in Lingen seit 2006 den Geschäftsbereich in Lüneburg leitet.

Große personelle Lücken wird der Wegfall der Autobahn-Zuständigkeit in Lüneburg indes nicht reißen. Möller spricht von sechs Vollzeiteinheiten, die zur neuen Autobahn GmbH abwandern werden, „auf freiwilliger Basis“, wie der Geschäftsbereichsleiter betont. Gemessen an den insgesamt 180 Einheiten einschließlich der Straßenmeistereien als größter Einheit bleibt der Personalschwund damit überschaubar. Er soll überdies kompensiert werden durch Neueinstellungen im Zusammenhang mit den hinzugewonnenen Aufgaben.

Ortsumgehung Barendorf auf dem Programm

Dass die Planungsarbeiten für die A 39 durch den Wechsel zur Autobahn GmbH ins Stocken geraten, glaubt Möller nicht. „Ich gehe davon aus, dass die Autobahn 2028 fertig sein wird.“ Schließlich würden die Mitarbeiter ihr Knowhow ja in ihre neue Dienststelle mitbringen. Wo diese ihren Sitz haben wird, konnte der künftige Arbeitgeber noch nicht sagen. Zu erfahren war lediglich, dass Lüneburg eine der insgesamt 41 Außenstellen der Niederlassung Hamburg zugeordnet wird, wie Unternehmenssprecher Immo von Fallois erklärte.

Möller richtet den Blick bereits auf seine neuen Projekte. Neben der Ortsumgehung in Elstorf im Landkreis Harburg soll bis 2030 auch die Umgehung für Barendorf kommen. „Zumindest planerisch angeschoben“, schränkt Möller vorausschauend ein.

Autobahn GmbH

Alles in einer Hand

Mit der Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen einigten sich die Länder und der Bund 2017 unter anderem auf die Reform der Bundesfernstraßenverwaltung. Aktuell wird die Verwaltung des 13 000 Kilometer langen Autobahnnetzes in Deutschland durch den Bund finanziert und beauftragt, jedoch dezentral durch die Bundesländer ausgeführt. Ziel der Reform ist es, Finanzierung und Verwaltung ab 1. Januar 2021 bei der Autobahn GmbH des Bundes in eine Hand zu legen. Laut Autobahn GmbH sollen die Ressourcen so „effektiver genutzt und die Qualität der deutschen Autobahnen auch zukünftig gewährleistet werden“.

Von Ulf Stüwe