Die Fahrbahn der Elbvorland-Brücke soll saniert werden. Foto: A/tja

Das wird hart für Pendler

Marschacht. Die Elbmarscher sind Kummer im Zusammenhang mit der Elbbrücke bei Geesthacht gewohnt. Kilometerlange Staus vor der Auffahrt in Rönne sind bei Arbeiten auf der Autobahn, wenn die B404 als Ausweichstrecke genutzt wird, an der Tagesordnung. Im kommenden Jahr könnte es aber noch viel schlimmer kommen. Dann droht nämlich eine Vollsperrung der Verkehrsader in Richtung Hamburg.

Sanierung betrifft auch die Elbvorland-Brücke

Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr lässt die B404 auf niedersächsischer Seite sanieren. In diesem Jahr soll die Maßnahme bis Eichholz erledigt werden, 2021 ist dann das restliche Teilstück inklusive der ElbvorlandBrücke dran. „Es ist vorgesehen, 2021 den nördlichen Bereich der B404 zu sanieren“, bestätigte jetzt Dirk Möller von der Landesbehörde. Voraussichtlich werde im Zuge dieser Maßnahme auch die Fahrbahn der Brücke über das Elbvorland saniert und dabei könne es zu einer Vollsperrung kommen. Ob das tatsächlich der Fall sein wird, ist noch nicht klar und wird laut Möller erst gegen Ende dieses Jahres endgültig geklärt sein.

Arbeitsschutzbestimmungen machen es nämlich notwendig, eine Vollsperrung einzurichten, wenn die Fahrbahnabmessungen unterhalb einer festgelegten Breite liegen und das sei im Bereich der Vorlandbrücke zu befürchten, so Möller. Die Landesbehörde will die Vollsperrung, falls sie nötig wird, in die niedersächsischen Sommerferien 2021 legen, weil dann ein Teil des Pendlerverkehrs wegfällt. Auch auf schleswig-holsteinischer Seite soll 2021 saniert werden. Dort kann allerdings voraussichtlich mit einer halbseitigen Sperrung gearbeitet werden. Das würde bedeuten, dass die B404 im Frühjahr nur in eine Richtung befahrbar sein wird – im Gespräch ist bei der dortigen Landesbehörde unter anderem eine pendlerfreundliche Befahrbarkeit am Morgen in Richtung Hamburg und am Abend in Richtung Lüneburg – bevor im Sommer eventuell die Vollsperrung kommt.

Landkreis will Belastungen so gering wie möglich halten

Für viele Elbmarscher, die nach Hamburg pendeln ist diese Aussicht eine Katastrophe. Der Landkreis Harburg will versuchen, Abhilfe zu schaffen. „Die genauen Modalitäten der Sanierung sind uns noch nicht bekannt, aber wir werden daran arbeiten, die Belastung für die Bürger so gering wie möglich zu halten“, verspricht Andres Wulfes von der Pressestelle im Winsener Kreishaus. Es soll schon frühzeitig nach Alternativen gesucht werden, falls es tatsächlich zu einer Vollsperrung kommt.
Die nächstgelegenen Elbbrücken befinden sich in Hohnstorf und in Harburg. Zwischen der Geesthachter Elbbrücke und Harburg befindet sich lediglich die Elbfähre zwischen Hoopte und Zollenspieker. Neben der Suche nach Alternativen werde man versuchen, Einfluss auf den Bauzeitraum zu nehmen, um die Auswirkungen der Sanierung so gering wie möglich zu halten, heißt es aus dem Kreishaus.

Elbmarscher SPD startet Unterschriftenaktion

Die Elbmarscher SPD hat bereits reagiert und eine Unterschriftensammlung gegen eine Vollsperrung der B404 und der Elbbrücke ins Leben gerufen. „Das bedeutet für Pendler und Wirtschaft eine Katastrophe. Der Schaden wäre immens. Das Nicht- oder späte Erreichen der Arbeitsplätze, die Umsatzeinbrüche bei der Wirtschaft und die beeinträchtigte Versorgung der Bevölkerung sind in keinem Fall hinnehmbar“, sagt Claus Eckermann, Fraktionschef der SPD im Samtgemeinderat.

Mit den Unterschriften, die in den kommenden Wochen gesammelt werden, fordern die Sozialdemokraten die Planungsbehörden auf, eine für die Menschen praktikablere Regelung zu erarbeiten, damit der Ausnahmezustand für die Bevölkerung der Elbmarsch nicht eintritt. „Die Elbmarsch darf durch die Sanierung der B404 und der Elbbrücke nicht von Hamburg und Geesthacht abgeschnitten werden“, fordert Eckermann.

Die Unterschriftenliste liegt in Geschäften, Arztpraxen und Gasthäusern aus. Zudem ist sie online unter www.spd-elbmarsch.de herunterzuladen.

Von Franzis Waber

Hintergrund

Sanierung nötig

Die Elbbrücke zwischen Rönne und Geesthacht wurde im September 1966 eingeweiht, acht Jahre nachdem die Staustufe in Betrieb genommen wurde. Um die Elbe zu überqueren, wurden bis zu diesem Zeitpunkt Fähren genutzt. Die Elbbrücke besteht auf schleswig-holsteinischer Seite aus einer 175 Meter langen Brücke über den Schleusenkanal, einer 550 Meter langen Dammstrecke und einem gut 400 Meter langen Teilstück, das die eigentliche Elbe quert. Auf niedersächsischer Seite schließt sich eine 240 Meter lange Vorlandbrücke an. Saniert wird nicht nur die Fahrbahn, sondern auch das Stauwehr. Die Arbeiten am Stauwehr, die 167 Millionen Euro kosten sollen, werden bis zu 16 Jahre dauern.