Johanna Pröhl aus Deutsch Evern ist die neue Betreiberin des kleinen Dorfladens in Echem. Foto: Michael Behns

Von Tomaten bis zum kleinen Plausch

Echem. Dienstagmorgen, kurz nach 10 Uhr: Erna Gerstenkorn betritt mit leuchtenden Augen den kleinen Dorfladen in Echem: „Wie schön, dass der Laden wieder geöffn et hat“, begrüßt die Rentnerin Johanna Pröhl hinter ihrer Verkaufstheke. Frisches Obst und Gemüse will Erna Gerstenkorn heute einkaufen – Mandarinen, Apfelsinen, Kiwis und eine Rispe Tomaten lässt sie sich in ihre Tragetasche füllen.

Und Zeit für einen kurzen Plausch mit Johanna Pröhl bleibt dabei auch: „Am Donnerstag kommt meine Nichte aus Herne zu Besuch“, freut sich Erna Gerstenkorn. Vorher will sie aber noch einmal im Dorfladen vorbeischauen – man möchte dem Besuch schließlich auch was anbieten können.

Johanna Pröhl freut sich über solche Begegnungen. Die 28-Jährige Deutsch Evernerin hat den Dorfladen Anfang des Jahres übernommen, führt ihn aber unter dem alten Namen „Daniela‘s Frischebox“ weiter. Über eine Umbenennung denkt die junge Unternehmerin nicht nach. Jedenfalls noch nicht in nächster Zeit. Warum auch? „Seit vier Jahren kennen die Echemer ihren Dorfladen unter diesem Namen“, sagt die studierte Agrarwissenschaftlerin mit Masterabschluss – „das werde ich jetzt nicht ändern.“

Der kleine Laden bietet fast alles für den täglichen Bedarf – angefangen von frischem Obst und Gemüse über Wurst und Backwaren bis hin zur Tageszeitung, vieles davon selbstgemacht, beziehungsweise vom heimischen Hof. Denn junge Frau stammt selbst vom Bauernhof, ist mit der Landwirtschaft groß geworden. Ob Kuchen, Torten oder Brot – „das kommt alles aus der Backstube meiner Mutter“, sagt Johanna Pröhl. Auch hausgemachte eingelegte Rouladen oder Suppen stehen im Verkaufsregal.

Ein Glücksfall für alle Beteiligten

Die Übernahme des Dorfladens in Echem bezeichnet Johanna Pröhl als einen Glücksfall für alle Beteiligten. „Wir können unseren Betrieb und unsere Küche in Deutsch Evern noch besser auslasten und die Echemer behalten ihre Einkaufsmöglichkeit“, erklärt Johanna Pröhl, die nicht nur für den Dorfladen in Echem verantwortlich ist, sondern auch für die Hofladen auf dem elterlichen Hof in Deutsch Evern und Dannenberg.

„Natürlich bedeutet das viel Arbeit“, gibt sie unumwunden zu, missen will sie diese Herausforderung aber nicht, schon wegen des direkten Kontakts mit dem Kunden.

„Die Verbraucher sind kritischer geworden“, beobachtet die Agarwissenschaftlerin, die dem Dialog mit den Kunden aber auch nicht aus dem Wege geht: Dass die Politik Gesetze verabschiede, die die Landwirte letztlich auszubaden hätten, will sie so nicht hinnehmen. „Die Landwirte sind nicht die Alleinschuldigen am Klimawandel und Insektensterben“, stellt die Deutsch Evernerin klar. Da müssten sich letztlich alle an die eigene Nase fassen – jeder, der in sein Auto steige, den Urlaubsflieger nutze oder zu Hause statt eines blühenden Gartens nur einen Steingarten mit Sand und Kies angelegt habe. Um nur einige klimaschädliche Beispiele aufzulisten. „Die Kunden belügen sich da doch selbst“, stellt Pröhl fest.

Dialog mit interessierten Verbrauchern

Die Hofladen-Betreiberin setzt daher auf Aufklärung – im direkten Kundengespräch, aber auch jetzt wieder als sogenannter Agrarscout auf der Grünen Woche, die am Wochenende in Berlin beginnt. „Viele Städter wissen heute einfach nicht mehr, wie und wo ihre Nahrungsmittel erzeugt werden und wie es auf den landwirtschaftlichen Höfen aussieht.“ Deshalb will sie als eine von rund 100 Agrarscouts auf der weltgrößten Agrarmesse den Dialog mit interessierten Verbrauchern suchen.

Wer heute als Landwirt Erfolg haben wolle, müsse auch Manager-Qualitäten aufweisen: „Die Zeiten, in denen das Motto ‚viel hilft viel‘ gegolten hat, sind lang vorbei“, weiß Johanna Pröhl, denn Dünge- und Pflanzenschutzmittel seien teuer – „und kein Landwirt hat Geld zu verschenken.“

Nichtsdestotrotz wird die Hofladen-Betreiberin immer wieder auch mit den abenteuerlichsten Fragen von Verbrauchern konfrontiert, etwa, ob die Speisekartoffeln mit Glyphosat behandelt worden seien. „Nein!“, stellt sie dann jedesmal richtig. Denn wäre das der Fall, dann wäre nicht nur das Kartoffelkraut, sondern die gesamte Knolle tot – und bald auch matschig und somit ungenießbar. „Diese Kartoffeln würde niemand kaufen.“

Aber für Anbau und Ernte der Erdknollen interessiert sich Fredy Gutzeit ohnehin nicht. Der Hohnstorfer gehört ebenfalls zu den treuen Kunden des Dorfladens, vor allem die süßen Backwaren haben es ihm angetan – selbstgemachte Rumkugeln und Nussecken: „Die hier schmecken einfach am besten“, sagt er. Ein Lob, das Johanna Pröhl gerne hört.

Von Klaus Reschke