Mittwoch , 28. Oktober 2020
Kaija (l.) und Ilkka Erkkilä haben 2637 Tragetaschen voller Müll aufgesammelt. Das Duo will erneut nach Lüneburg kommen. Foto: privat

Sauber machen als Mission

Lüneburg/Tampere. Im Spätsommer 2016 waren Ilkka und Kaija Erkkilä zu Besuch in Lüneburg. 455.000 Zigarettenstummel und 1100 mit Müll gefüllte Plastiktüten hatten sie damals schon gesammelt. Die beiden 71-Jährigen haben bis heute nicht aufgehört, die Welt ein bisschen sauberer zu machen. 14 Länder haben sie schon abgegrast, Dänemark, Schweden, Russland, Estland, selbst auf den Kanarischen Inseln haben sie gesammelt.

„Zuletzt waren wir in Estland, Schweden, England und Israel“, erzählt Ilkka Erkkilä am Telefon. Dass das Thema Umweltverschmutzung und Klimaschutz mittlerweile deutlich mehr Beachtung bekommt, hat das Ehepaar auch auf seinen letzten Reisen bemerkt. „Viele Leute sind umweltbewusster geworden. Einige sagen auch, dass sie keinen Müll mehr produzieren wollen.“ Generell fänden die meisten Menschen den Einsatz der beiden gut und bewundernswert.

Zu Beginn ihrer „Mission“, wie die beiden es selbst nennen, hätten sie sich häufiger mit Kritikern auseinandersetzen müssen. „Viele fanden es unangenehm, dass wir den Müll von anderen aufräumen“, sagt Ilkka Erkkilä. Heute ernten sie mehr Verständnis, erzählt der Rentner. „Nur die Raucher“, ist sich Erkkilä sicher, „die schmeißen immer noch ihre Kippen in die Umwelt und denken überhaupt nicht darüber nach.“

Vielleicht in Lüneburg die Millionenmarke knacken

Dass ein Großteil der Gesellschaft umweltfreundlicher denkt, sei sicherlich auch auf die Bewegung Fridays for Future zurückzuführen. Doch vollständig stehen Ilkka Erkkilä und seine Frau nicht hinter den Jugendlichen. „Wir respektieren ihr Ziel, aber wir denken, dass konkrete Taten hilfreicher wären.“

Das Ehepaar aus Finnland selbst will weiter Taten sprechen lassen. „Mittlerweile haben wir 945.800 Zigarettenkippen und 2637 Tragetaschen mit Müll gesammelt“, bilanziert Erkkilä stolz. Spätestens im Oktober 2020 wollen sie die Millionenmarke knacken – vielleicht in der Hansestadt. „Wir kommen im Sommer noch einmal nach Deutschland und wollen dann auch wieder nach Lüneburg.“

Vielleicht werden sie hier auch nur Urlaub machen, überlegt Ilkka Erkkilä und fügt hinzu: „Aber eigentlich ist das gar nicht möglich. Es fällt uns schwer, tatenlos durch die Gegend zu laufen. Beim Anblick von Müll in der Natur jucken uns einfach die Finger.“

Etwas Motivation braucht das Ehepaar zwischendurch aber dennoch. Schließlich sei die Arbeit anstrengend und teilweise auch frustrierend. „Wir haben ein Motto, das uns antreibt, weil wir es uns immer wieder vorsagen“, meint Ilkka Erkkilä und übersetzt: „Die Klugen machen keinen Müll und allen anderen ist es verboten.“

Von Lilly von Consbruch