Ein Knopfdruck von AGL-Mitarbeiter Vladimir Steinfeld genügt, um die Mülltonne in dem neuen E-Fahrzeug zu entleeren. Foto: t&w

Mit Elektro-Energie in die Zukunft

Lüneburg. Aufladen, wegfahren, entleeren, zurückfahren, abstellen – so lautete bislang die Kurzformel, wenn Mitarbeiter der stadteigenen Abwasser, Grün und Lüneburger Service GmbH (AGL) die in der Innenstadt aufgestellten Mülltonnen entleerten. Vorbei. Künftig ist nicht nur der Aufwand deutlich geringer, auch die Umwelt wird erheblich entlastet. Möglich macht es ein neues E-Müllsammelfahrzeug, das die AGL gestern vorstellte.

„Bislang haben wir viel Luft hin und her gefahren, damit ist nun Schluss“, verkündete AGL-Chef Lars Strehse bei der Vorstellung des neuen Gefährts. Denn anders als bisher werden die Müllsammeltonnen nicht mehr zur Entleerung zur Deponie nach Bardowick und zurück gebracht, sondern direkt vor Ort im Müllsammelfahrzeug entleert. Dabei hilft eine sogenannte Presseinheit, die den Müll kräftig verdichtet und so das Volumen bis um das Vierfache reduziert. „Unterm Strich sparen wir 50 Prozent der Fahrten ein“, erläutert Strehse.

„Bislang haben wir viel Luft hin und her gefahren, damit ist nun Schluss." - Lars Strehse, AGL-Chef

Doch das ist nur einer der Vorteile der 200.000 Euro teuren und damit gegenüber konventionellen Geräten doppelt so teuren Neuanschaffung, die komplett emissionsfrei ausgelegt ist. Das Elektrofahrzeug ist mit modernster Batterietechnik ausgestattet, die eine Reichweite von etwa einhundert Kilometern inklusive der Versorgung der Elektroantriebe für die Presseinheit und die Schüttvorrichtung erlaubt. „Das reicht aus für die täglich etwa 30 bis 50 Kilometer, die das Fahrzeug mitsamt seinen rund 30 Schüttvorgängen unterwegs sein wird“, erläutert AGL-Betriebshofleiter Frank Fugel.

Geladen werden die Batterien zudem mit Strom aus dem AGL-eigenen Blockheizkraftwerk, das mit dem im Klärwerk an der Bockelmannstraße entstehenden Biogas betrieben wird.

Mit dem E-Müllsammelfahrzeug, das in Kooperation mit den Firmen Orten Electrical Trucks und Zöller entwickelt wurde, ergänzt die AGL ihre Fahrzeugflotte um ein weiteres Elektrofahrzeug. Weitere geplante Anschaffungen sollen den E-Anteil an der Flotte noch in diesem Jahr auf 12 Prozent erhöhen. Hinzu kommt ein Anteil von 38 Prozent an kleineren Geräten. Damit gehört die AGL nach eigenen Angaben bundesweit zu den Vorreitern im Vergleich zu etwa gleich großen Kommunalbetrieben.

Konventionelle Antriebe nur für Winterdienst und Notfälle

Damit nicht genug. Bis 2029 soll der Anteil von Fahrzeugen und Arbeitsmaschinen mit alternativen Antrieben – also Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridlösungen – auf 95 Prozent und bei den Arbeitsgeräten sogar auf 100 Prozent steigen. Ganz auf konventionelle Antriebe will die AGL nicht verzichten, „um im Winterdienst, Notfällen und in Krisensituationen handlungsfähig und verlässlich mobil zu sein“, wie Strehse erklärte.

Mit dem nun in Dienst gestellten E-Müllsammelfahrzeug sieht AGL-Chef Strehse den vorläufigen „Schlussstein“ seines „novellierten Müllentsorgungskonzepts“ gesetzt. Bereits vorangegangen waren unter anderem die Nachrüstung der Müllsammeltonnen mit Luftbereifung zur Lärmminderung und die Einhausung der drei Müllsammelstationen.

Dass das neue Fahrzeug nicht nur der Umwelt, sondern auch den AGL-Mitarbeitern zugute kommt, davon konnte sich gestern auch Mitarbeiter Vladimir Steinfeld überzeugen. Mit einem einfachen Knopfdruck ließ er die Mülltonne anheben und leeren. Bislang musste dafür stets Hand angelegt werden. Außerdem kann auf einen zweiten Kollegen verzichtet werden.

Von Ulf Stüwe