Freitag , 7. August 2020
Eine Erklärung zu dieser Grafik: Der AfD-Kreisverband teilte auf LZ-Anfrage für 2019 keine Zahl mit. Grafik: tl

Attraktiv mit neuen Angeboten

Lüneburg. Die Zahlen sind unterschiedlich verteilt, aber unterm Strich engagieren sich wieder mehr Lüneburger in der Parteipolitik. Die Zeit des teilweise drama tischen Mitgliederschwunds ist vorbei. Und alle Parteien werben nicht nur um neue Mitglieder, sie pflegen sie inzwischen auch und nehmen sich der Interessenten besonders an.

Spezielle Neumitgliedertreffen gibt es bei allen Farben. Bei der SPD wird dazu sogar Pizza gereicht. Die CDU stellt auf diesen Treffen auch gezielte Kontakte mit anderen Mitgliedern her. Bei den Grünen gibt es neben „Kennenlernabenden“ sogar einen regelmäßigen Austausch für die stark angewachsene Zahl an „Neuen“.

Die klassische Podiumsdiskussion oder die Sitzung im Hinterzimmer haben als Formate ausgedient. Lüneburgs SPD geht jetzt mit einem Stadtteil-Check an die Basis, die CDU lädt einmal im Monat zum HanseTreff und bei den Grünen gibt es beim „Grünfutter“ jeden ersten Sonnabend im Monat Nahrhaftes aus ökologischer Politik und Produktion.

Stärkere Fokussierung auf Inhalte

Die FDP will beim Dialog künftig verstärkt Social-Media-Kanäle nutzen, während die Linke gezielte inhaltliche Kampagnen startet. „Wir wollen dazu anregen, Politik selbst in die Hand zu nehmen“, sagt ihr Kreisvorsitzender Thorben Peters. Pflege, Wohnen und Hartz IV standen hier zuletzt im Mittelpunkt. Dabei versuche man, Bündnisse mit anderen gesellschaftlichen Gruppen einzugehen. Über diesen Weg seien auch die neuen Mitglieder zur Partei gestoßen.

Inhaltlich versuchen auch die anderen Parteien, sich stärker zu fokussieren. Die Grünen haben mehrere Arbeitskreise eingerichtet, die CDU veranstaltet gezielt Parteitage zu einzelnen Themen. Die SPD bietet unter dem Motto „Mut zur Politik“ Interessierten auch an, gezielt als Gast auch bei internen Sitzungen „schnuppern“ zu können. Das ist bei den Grünen auf Anfrage ebenfalls möglich, bei der Linken sind diese Treffen „grundsätzlich öffentlich“.

Die AfD hatte zuletzt bei ihren Dialog-Veranstaltungen mit Gegenaktionen der Antifa-Szene zu kämpfen, ihre Infostände stehen unter Polizeischutz und können daher nicht in der Fußgängerzone stattfinden. Kreisvorsitzender Stephan Bothe beklagt für seine Partei ein „Klima von politischer und medialer Diffamierung“, das auch abschrecke, sich öffentlich zur AfD zu bekennen.

Schaut man etwas tiefer in die Zahlen, ist eine weitere Tendenz spannend. Die SPD hat mit weitem Abstand die meisten Mitglieder im Landkreis. Allerdings: Mit 580 ist mehr als die Hälfte mindestens 60 Jahre alt, nur 140 sind unter 35. Bei den Grünen sind dagegen 58 Mitglieder über 65, aber 84 noch keine 35 Jahre alt. Noch jünger ist sogar die Lüneburger Linke mit 54 Mitgliedern unter 35 und nur 22 über 65. Bei der FDP ist das Verhältnis ausgewogen, die CDU gibt hier „aus Datenschutzgründen“ keine Zahlen heraus.

Polit-Prominenz zur Unterstützung

Die Sozialdemokraten, die im vorigen Jahr in Lüneburg den Verlust des Landratspostens beklagen mussten und um deren Innenleben es zuletzt eher ruhig war, starten im neuen Jahr gleich durch. Am 18. Januar kommt Vize-Parteichefin Klara Geywitz zum Neujahrsempfang der SPD-Frauen und am 25. Januar ist ein Jugendforum zum Klimaschutz geplant. Unter dem Motto „Wir tun was“ sollen unterschiedliche Themen angesprochen werden, für junge Leute soll die Reihe „10 unter 20“ wieder aufgelegt werden. „Wir werden uns in den nächsten Tagen und Wochen zusammensetzen, um die einzelnen Formate zu besprechen“, kündigt Unterbezirks­chefin Andrea Schröder-Ehlers an.

Die CDU hat am 9. Februar ihren Landes-Finanzminister Reinhold Hilbers zu Gast, die FDP will mit ihrer Generalsekretärin Linda Teuteberg ins neue Jahr starten, die Linken begrüßen am 21. Januar Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau. Einen ihrer Polit-Promis haben auch die Grünen an der Angel für ein im vorigen Jahr eingeführtes neues Format – den Politischen Aschermittwoch. Der Gast, der noch geheim gehalten werden soll, steht dafür, dass er pointiert austeilen kann. Es wird also spannend in der Lüneburger Politik.

Von Marc Rath