Mittwoch , 28. Oktober 2020
Zum 60. Geburtstag erhielt Hans-Jürgen Pyritz eine extra angefertigte Vereinsfahne mit dem Spruch „Hier ist die Zentrale“. Ende Februar wird die geräumt, der Vorsitzende gibt sein Amt ab. Fotos (2): bau

Der „Chef“ schließt die Zentrale

Amelinghausen. Hans-Jürgen Pyritz liebt und lebt das Amelinghausener Heideblütenfest, „seit er denken kann“. Seit Jahrzehnten setzt er sich mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Engagement dafür ein – in den vergangenen 17 Jahren als Vorsitzender. Im Februar allerdings, bei der Mitgliederversammlung des Heideblütenfestvereins, wird der 65-Jährige sein Amt vorzeitig niederlegen, kündigt Pyritz gegenüber der LZ an. „Es ist der richtige Zeitpunkt dafür.“

Das Gespräch findet in einem etwa nur vier Quadratmeter großen Raum im Obergeschoss von Pyritz‘ Haus statt. „Hier ist die Zentrale“, sagt er lachend. Für zwei Personen ist in dieser „Kammer“ kaum Platz. Der wird in erster Linie auch für unzählige Ordner und Kartons mit Protokollen, Zeitungsberichten, Fotos und Werbeutensilien über und vom Amelinghausener Heideblütenfest benötigt. Alles dokumentiert die Geschichte des seit 1949 existierenden Traditionsfestes – und oft auch über Pyritz selbst.

Anfangs hatte er gar keine Lust auf das Amt

Zunächst ungewollt und aufgrund von tragischen Umständen übernahm er 2003 die Spitze des Festvereins. Der langjährige Vorsitzende Peter Ehlers war unerwartet gestorben. Um sich bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger Zeit zu lassen, wurde für die Ausrichtung und die Organisation des Heideblütenfestes 2004 ein geschäftsführender Vorstand ins Leben gerufen. Diesen bildeten für gut ein Jahr Hans-Jürgen Pyritz in seiner Funktion als frisch gewählter stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart Michael Kroh.

„Damals hat sich keiner von uns Vorstandsmitgliedern zugetraut, allein in die großen Fußstapfen von Peter Ehlers zu treten“, sagt Pyritz rückblickend. „In einigen Bereichen wussten wir gar nicht, was auf uns zukommt.“ Bei der Organisation des Festes hatte Ehlers vieles allein entschieden. Auf das zeitintensive Ehrenamt als Vorsitzender hatte Pyritz anfangs „gar keine Lust“.

Einstimmige Wahl bei der Jahresversammlung

Doch gemeinsam mit Kroh und der Unterstützung des gesamten Vereins gelang es Pyritz, das Fest 2004 erfolgreich zu organisieren. „Als Belohnung“ wurde er bei der folgenden Jahresversammlung als Vorsitzender vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Seitdem ist er das Gesicht des Vereins. Pyritz betont aber: „Die wichtigste Person für das Heideblütenfest bleibt immer die jeweilige Heidekönigin. Sie ist das Aushängeschild.“

Pyritz hat in seiner Amtszeit das Fest und den Verein in Teamarbeit mit seinen Vorstandskollegen und dem Programmausschuss Stück für Stück modernisiert, dabei aber die Tradition gepflegt. „Ohne die hohe Motivation und vielfältige Unterstützung unserer Mitglieder und weiterer freiwilliger Helfer wäre eine Heideblütenfestwoche in der jetzigen Form gar nicht mehr möglich“, betont er.

Der gebürtige Sottorfer hat sich stets enorm für das Heideblütenfest engagiert. „Übers Jahr verteilt waren das zuletzt durchschnittlich bestimmt zwei Stunden Arbeit täglich“, sagt er. Als Belastung habe er das nie empfunden. „Mir hat das dank vieler toller Erlebnisse immer großen Spaß bereitet.“

Übergabe mit „vernünftiger Kassenlage“

Die Entscheidung, sein Amt ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen aufzugeben, hat der Mann, der von seinen Mitstreitern liebevoll „Chef“ gerufen wird, schon vor Längerem in Absprache mit dem Vorstand getroffen. „Wichtig war für mich persönlich, das runde 70. Heideblütenfest 2019 mit dem Großen Zapfenstreich erfolgreich zu organisieren und eine vernünftige Kassenlage zu übergeben.“ Das ist gelungen.

Pyritz wirkt aufgeräumt und zufrieden. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Verantwortung an Jüngere weiterzugeben.“ Nach der Jahresversammlung steht der Auszug aus der Zentrale an. Dem Heideblütenfest wird er aber verbunden bleiben. Dafür liebt und lebt er es zu sehr.

So geht es weiter

Wahlen stehen im Mittelpunkt

Christian Kremer.

Der bevorstehende Rücktritt von Hans-Jürgen Pyritz und damit die Wahl eines neuen Vorsitzenden stehen im Mittelpunkt der Hauptversammlung des Heideblütenfestvereins am Freitag, 14. Februar, ab 19.30 Uhr im Gasthaus Grätsch in Amelinghausen. Der Vorstand will den Mitgliedern als neuen Chef dann den bisherigen Stellvertreter Christian Kremer vorschlagen.

Christian Kremer ist seit 2004 als Vize im Vorstand und bislang vor allem für die Wagenbaugemeinschaften und den großen Festumzug verantwortlich. Sollte Kremer an die Spitze gewählt werden, müsste sein Posten neu besetzt werden. Dafür gäbe es mit der Programmausschussvorsitzenden und ehemaligen Heidekönigin Marie-Luisa Ehrlich ebenfalls einen Kandidatenvorschlag.

Von Marcel Baukloh