Samstag , 24. Oktober 2020
Brennstoffzellenzüge, die mit Strom aus Wasserstoff angetrieben werden, gibt es bereits. Auch im Raum Lüneburg sollen solche Züge rollen, das wünscht sich der Landkreis. Foto: phs

Ein Vorbild für andere

Lüneburg. Klimaschutz und Energiewende waren Schlagworte bei den kommunalen Wahlkämpfen im vergangenen Jahr. Sowohl bei der Landratswahl wie auch den Bürgermeis terwahlen betonten die Kandidaten immer wieder, dass die Region einen wichtigen Beitrag dazu leisten könne: etwa als Modellregion für die Wasserstoffnutzung, die als ein Baustein gilt bei der Einsparung vom klimaschädlichem Kohlendioxid.

Dass dies mehr als Phrasen im Kampf um Wählerstimmen waren, verdeutlicht die Landesbeauftragte für regionale Entwicklung in Nordostniedersachsen, Monika Scherf. „Beim Wasserstoff haben wir zwischen Elbe, Aller und Heide ein großes Potenzial, weil es bei uns Produzenten und Abnehmer beziehungsweise potenzielle Nutzer gibt. Wir sind bereits auf dem Weg zu einer Modellregion, die anderen als Vorbild dienen wird“, sagt sie selbstbewusst.

Elbfähre, Busse und Tankstelle im Fokus

Als Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung (ArL) Lüneburg ist sie mit dem Thema erneuerbare Energien vertraut. Die Landesbeauftragte meint, Wasserstoff sei eine Riesen-Chance für die Region, vor allem für den ländlichen Raum. Inzwischen hat sie Unternehmen und elf Landkreise im Wasserstoff-Netzwerk Nordostniedersachsen als Unterstützer an ihrer Seite. Die Kreise füttern den Zusammenschluss jährlich mit jeweils 16.000 Euro.

Ende vorigen Jahres hat das Netzwerk vom Bundesverkehrsministerium eine Förderung von 300.000 Euro erhalten, mit der Projektansätze nun in konkrete Pläne umgesetzt werden können. „Der Bund hat erkannt, wie viel Schlagkraft wir haben und dass sich die Unterstützung lohnt“, meint Scherf. Der Arbeitstitel für die mit der Förderung begonnene Phase lautet: „Lastverkehr mit grünem Wasserstoff.“ Scherf: „Zusammen mit den Landräten werden ab jetzt die Potenziale ausgelotet. Die elf Kreise ziehen dabei an einem Strang.“

Reaktivierung alter Bahnstrecken

Mit dabei ist der Landkreis Lüneburg. „Weil für uns Wasserstoff als Energieträger für die Zukunft von großer Bedeutung ist“, berichtet Kreissprecherin Urte Modlich. Durch diese Zusammenarbeit mit den Partnern könne der Kreis koordiniert und damit effektiv konkrete Projektideen abstimmen und Fördermittel generieren.

„Für den Landkreis Lüneburg fassen wir verschiedene Bereiche ins Auge“, erklärt sie und zählt auf: Elbfähre und Busse im Nahverkehr mit Wasserstoffantrieb über Brennstoffzellen, eine Wasserstoff-Tankstelle im Lüneburger Hafen, Wasserstoffzüge in Zusammenhang mit der Reaktivierung alter Bahnstrecken. „Dazu tragen wir derzeit viele Informationen, Kontakte und Knowhow zusammen, die uns bei der Entscheidungsfindung helfen.“

Bund stellt 20 Millionen Euro für Projekte bereit

Monika Scherf ergänzt: „Wir wollen und wir können. In der Region, im Kreis Stade, gibt es schon jetzt Erzeuger von Wasserstoff, die Abnehmer suchen. Außerdem warten mehr als 1000 Lkw darauf, von Dieselmotoren auf Brennstoffzellen umgerüstet zu werden. Gleiches gilt für Müllwagen.“ Ein Fahrzeugumrüster, der das kann, habe seinen Firmensitz in Winsen/Luhe, sagt sie.

„Die hohe Kunst besteht nun darin, Ideengeber, Experten, Anbieter und Nutzer punktgenau zusammenzuführen. Die Herausforderung dabei ist, dass sich am Ende alles auch rechnet“, so die Landesbeauftragte. Gelingt das, wovon Scherf überzeugt ist, dann wartet ihr zufolge der nächste Schritt. „Für konkrete Projekte stellt der Bund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Da wollen wir hin.“

Von Stefan Bohlmann

Hintergrund

Elf Kreise und 50 Unternehmen bilden Netzwerk

Im Wasserstoff-Netzwerk Nordostniedersachsen engagieren sich mehr als 50 Unternehmen zwischen Elbe, Heide und Weser. Darüber hinaus wirken die elf Landkreise mit, die einst dem Regierungsbezirk Lüneburg zugeordnet waren: wie unter anderem die Kreise Lüneburg und Harburg. Das Wasserstoffnetzwerk ist eine von drei Regionen in Niedersachsen, die vom Bundesverkehrsministerium eine Förderung erhalten hat und Modellregion wurde.

Aufgaben sind beispielsweise: Begleitung des bereits gestarteten Projektansatzes „Lastverkehr mit grünem Wasserstoff“ bis zur Umsetzung, Initiierung eines Projektansatzes der kommunalen Entsorger zur Entwicklung von Ansätzen für die Wasserstoffnutzung, Initiierung von strategischen Unternehmensansiedlungen für die Bereiche Elektrolyse, Biomassebehandlung, Wasserstoff-Tanks und -Trailer sowie Brennstoffzellen, Darstellung des Speicherpotenzials der Region für Wasserstoff in Kavernen, Koordinierung der Nachnutzung von EEG-Anlagen, Bildung von Allianzen mit Hochschulen und forschungsstarken Unternehmen.