Freitag , 30. Oktober 2020
Ermittler der Polizei gehen nach der Spurensuche davon aus, dass Knaller den Brand an der Wichernstraße verursacht haben. Foto: be

Böller wohl Auslöser für Flammen in Wohnungen

Lüneburg. Es war Brandstiftung. Davon geht die Polizei nach dem Feuer am Dienstagabend in der Wohnanlage Domizil I an der Wichernstraße aus. Vermutlich sei das Feuer auf der Terrasse vor einer Wohnung ausgebrochen – wahrscheinlich verursacht durch Feuerwerkskörper. Unklar sei, ob es gezielt gelegt wurde oder durch Fahrlässigkeit entstand. Den Sachschaden schätzen die Ermittler nach einer Spurensuche gestern Vormittag vorsichtig auf mehr als 100.000 Euro. Ein Teil des Gebäudes mit insgesamt 35 Wohnungen sei derzeit unbewohnbar. Der Paritätische, der für die Bewohner des Hauses in einem Projekt des betreuten Wohnens Ansprechpartner ist, hat sich um Lösungen bemüht.

Wie berichtet, war der Brand am Dienstag gegen 19.40 Uhr entdeckt worden. Ein Großeinsatz für Rettungsdienst und Feuerwehr begann, denn rund 30 Menschen, viele von ihnen gebrechlich, mussten in Sicherheit gebracht werden. Entgegen ersten Angaben hatte Einsatzleiter Rainer Utermöhlen nicht 70, sondern sogar rund 120 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu etwa 50 Kräfte aus dem Rettungsdienst. Sie konnten Räume der nahen Friedenskirche nutzen, dort betreuten die Helfer und Gemeindemitglieder die Betroffenen. Drei Personen erlitten leichte Rauchvergiftungen, sie konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Ralf Gremmel, Geschäftsführer des Paritätischen, sagt: „Ein großer Teil der Mieter konnte noch am Abend in die eigene Wohnung zurückkehren.” Für drei Frauen und Männer habe die Organisation eine vorübergehende Bleibe in einer Senioreneinrichtung an der Neuen Sülze gefunden, eine Dame konnte in die Wohnung einer Freundin ziehen.

Gremmel betont, dass das Domizil I kein Pflegeheim ist: „Da leben Menschen im betreuten Wohnen, wir bieten einen Service an, um die Mieter zu unterstützen.” Viele der Bewohner müssten von geringen Einkommen leben. Auch daher sei der Gute Nachbar, die Hilfsorganisation von Wohlfahrtsverbänden und LZ, eingesprungen, um Betroffenen eine erste unbürokratische Hilfe zu leisten: Bislang hätten zwei Bewohner jeweils 250 Euro erhalten.

Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Für sie stellt sich die Frage, ob jemand beobachtet hat, wie die Knallkörper auf die Terrasse des am Waldrand gelegenen Gebäudes gelangt sind.
29 Hinweise: (04131) 83062215.

Von Carlo Eggeling

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