Freitag , 25. September 2020
Amelie Pasmanns und Paul Sander leiten die Diskussion über die Forderungen des „Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter“. (Foto: t&w)

Subventionen für E-Autos chancenlos

Lüneburg. Politik kann auf junge Menschen schnell kompliziert und trocken wirken, da war sich Mats Radeck vom Europäischen Jugendparlament Deutschland sicher. Genau deshalb organisiert der Verein bundesweit Azubi- und Schülerforen: Die Teilnehmer bekommen die Möglichkeit, sich aktiv in eine politische Debatte einzubringen und sollen dadurch Interesse für die europäische Politik entwickeln.

Jetzt waren elf Mitglieder des Europäischen Jugendparlaments (EJP) für drei Tage an der Berufsbildenden Schule (BBS) III in Lüneburg und haben dort mit rund 70 Schülern über aktuelle europäische Themen diskutiert. Als Schirmherr hielt Oberbürgermeister Ulrich Mädge eine kurze Ansprache vor Beginn der Vollversammlung, Landrat Jens Böther übermittelte eine Videobotschaft. Das Forum fand bereits zum zweiten Mal an der BBS III statt.

„Die Standardzielgruppe des EJP sind Gymnasiasten“, verdeutlichte Julia Umpfenbach. Die 23-Jährige studiert in Karlsruhe und engagiert sich seit vier Jahren bei dem Verein. „Wir wollen mit den Azubi- und Schülerforen aber allen jungen Menschen die Chance geben, sich politisch zu beteiligen.“ Deshalb gehen sie mit ihrem Projekt in die Schulen und erreichen so auch Hauptschüler, Realschüler, Berufsschüler oder Auszubildende. „Es ist schön zu sehen, dass hier gemeinsam Themen diskutiert werden, die wirklich alle etwas angehen“, betonte die 17-jährige Amelie Pasmanns, die das Schülerforum in Lüneburg mit Julia Umpfenbach organisiert hat.

Jugendliche erarbeiten gemeinsam Forderungen

Gemeinsam mit den Organisatoren erarbeiteten die Berufsschüler in zwei Tagen Resolutionen und Forderungen an die Politik. „Dafür wurden die Delegierten, also die Schüler, in Ausschüsse eingeteilt“, erläuterte Mats Radeck, Projektkoordinator der Foren. Diesmal gab es unter anderem die Auschüsse Klimawandel, Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter oder Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. „Da hier an der BBS III auch viele Schüler einen landwirtschaftlichen Schwerpunkt haben, können sie sich vor allem in den landwirtschaftlichen Themen wiederfinden und so einen leichteren Zugang zur europäischen Politik finden“, vermutete Mats Radeck.

In der Vollversammlung wurden die Forderungen dann von einem Präsidium, bestehend aus zwei Mitgliedern des EJP, vorgetragen. Es folgten eine Verteidigungs- und Angriffsrede sowie eine offene Debatte und abschließend die Abstimmung.

„Wir haben wirklich viel diskutiert“, bilanzierte die 19-jährige Merle Reiß von der BBS III. Die Forderungen des Klimaschutzausschusses wurden fast alle angenommen, erklärte sie begeistert. „Nur unsere Forderung nach einer CO₂-Steuer wurde abgelehnt“, berichtete die Berufsschülerin. „Ich glaube, das wurde aber falsch verstanden. Wir wollten mit dem Geld E-Autos subventionieren, damit diese auch für Menschen möglich werden, die sich das sonst nicht leisten können. Das ist doch eigentlich eine gute Idee.“

Forderung nach Narkose bei der Ferkelkastration

Viel Diskussion gab es auch bei den Forderungen des Ausschusses für Landwirtschaft. „Die Mitgliedsstaaaten sollen Narkosegas bei Ferkelkastrationen vorschreiben“, lautete eine Forderung der Berufsschüler. „Bedeutet das, dass ihr die Ferkelkastration und somit die Massentierhaltung noch weiter unterstützen wollt? Wer soll die Kosten für das Narkosegas tragen?“, warf die 20-jährige Janne Hartwig ein. Während die Ausschussmitglieder ihr die Antwort auf die Finanzierung schuldig blieben, betonten sie, dass das Narkosegas dem Schutz der Tiere dienen solle, und somit dringend notwendig sei – kurz darauf wurde dem Antrag stattgegeben.

Janne Hartwig war von dem Schülerforum des EJP begeistert, obwohl sie anfangs überzeugt werden musste, überhaupt teilzunehmen. „Es ist aber wirklich eine tolle Erfahrung und ich würde das jedem weiterempfehlen. Es ist eine gute Chance, um einen Fuß in die Politik zu setzen.“

Von Lilly von Consbruch