Montag , 28. September 2020
Norbert Meyer (l.) lässt sich von Bauleiter Uwe Petersen über den Fortgang der Sanierungsarbeiten an der Brücke in Wendisch Evern informieren. Foto: kre

Neue Steine für alte Brücke

Wendisch Evern. „So eine alte Brücke instandzusetzen ist schon etwas Besonderes“ sagt Polier Uwe Petersen: Auch nach 41 Jahren in seinem Job hat der 58-Jährige den Spaß an dem, was er tut, nicht verloren. Warum auch – „Brückenbau ist schließlich die Königsdisziplin im Betonbau“, zeigt sich der Bauleiter selbstbewusst. Seit Oktober vergangenen Jahres sind er und seine Männer nun dabei, die 1873 errichtete Rundbogenbrücke in Wendisch Evern, die die Bahnstrecke Lüneburg-Dannenberg überspannt, zu sanieren. Rund 300.000 Euro investiert die Gemeinde Wendisch Evern in diese Maßnahme. Die LZ schaute sich am Dienstag auf der Baustelle um.

„Die Brücke ist vor einigen Jahren aufgrund einer Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes in den Besitz der Kommune übergangen“, erklärt Norbert Meyer (SPD) in seiner Funktion als Gemeindedirektor von Wendisch Evern. Noch übt der Ostheider Samtgemeindebürgermeister das Gemeindedirektorenamt ehrenamtlich aus – als Nachfolger von Dennis Neumann, der zum hauptamtlichen Bürgermeister in Bleckede gewählt wurde. „Die Samtgemeinde Ostheide wird sich an den Kosten der Brückensanierung mit 50.000 Euro beteiligen, die gleiche Summe steuert außerdem der Landkreis aus dem Strukturentwicklungsfonds bei“, betont Meyer.

Keine Abdichtung unter der alten Fahrbahndecke

Notwendig wurden die Sanierungsarbeiten, weil im Laufe der Jahre Wasser in das Mauerwerk eingedrungen war und unter anderem zu Ausblühungen unter dem Brückenbogen führte. Ursprünglich gingen die Fachleute noch davon aus, dass die Abdichtungen nur am Fußweg und den Brückenkappen zu erneuern sind, um ein weiteres Eindringen von Feuchtigkeit in das Bauwerk zu verhindern. Doch als die Bauarbeiter loslegten, stellte sich schnell heraus, das doch einiges mehr zu tun ist an der Ziegelstein-Bogenbrücke: So waren zum Beispiel die Brückenvorfelder auf beiden Seiten des Bauwerks nur mit Sand, Geröll und Schotter verfüllt. „Das mussten wir ausbaggern und mit Magerbeton neu verfüllen“, erklärt Polier Petersen. Zudem stießen die Brückenspezialisten während der Arbeiten auf Rohre und Leitungen, von denen bis dato niemand wusste. Und last, but not least – eine Abdichtung hatte es unter der alten Fahrbahndecke auch nicht gegeben.

Beheiztes Zelt auf der Brücke aufgestellt

Für die erforderlichen Beton- und Abdichtungsarbeiten sind aber Temperaturen von mindestens fünf Grad Celsius nötig – deshalb wurde bis eine Woche vor Weihnachten ein beheiztes Zelt auf der Brücke aufgestellt.

Ende Februar, so die Planungen, soll die Brücke für den Verkehr wieder freigegeben werden. Vollständig abgeschlossen werden die Sanierungsarbeiten dann aber wohl noch nicht sein. Dann werden noch bröckelnde Ziegelsteine im Rundbogen ausgetauscht und das Gemäuer neu verfugt. Polier Uwe Petersen verspricht: „Wenn das alles fertig ist, hält das mindestens wieder für die nächsten 20 bis 30 Jahre“. Der Bauleiter muss es wissen – er hat schließlich schon viele Brücken saniert.

Von Klaus Reschke