Montag , 28. September 2020
Ein Bild der Verwüstung: Auf dem Grünstreifen hinter dem Grundstück von Monika Meyer haben Wildschweine ganze Arbeit geleistet. (Foto: be)

Wildschweine durchwühlen Grünanlagen

Lüneburg. Monika Meyer ist fassungslos. „Hier ist alles durchwühlt“, sagt die Lüneburgerin und weist auf die aufgebrochenen Rasenflächen hinter ihrem Grundstück am Sültenweg. Dort und in angrenzenden Bereichen haben Wildschweine jüngst ihr Unwesen getrieben und auf der Suche nach Nahrung Grünflächenanlagen regelrecht verwüstet. Die Stadtverwaltung kennt das Problem und hat erste Maßnahmen ergriffen.

Im Stadtteil Mittelfeld war offenbar eine Rotte unterwegs

„Unser neuer Forstamtsleiter, Herr Wittenburg, ist seit seinem Amtsantritt im Gespräch mit den Kleingärtnern“, teilt Sebastian Koepke-Millon von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Als eine der ersten konkreten Maßnahmen wurde daraufhin in den letzten Wochen ein Monitoring in dem Gebiet zwischen Wilhelm-Hilmer-Straße, Jägerstraße, Schildsteinweg, Auf der Höhe und Mittelfeld durchgeführt. Mit Hilfe von Kameras wurde festgestellt, dass dort offenbar eine Rotte von acht Wildschweinen unterwegs ist. „Seit dem 28. Dezember ist jedoch keines der Tiere mehr im fraglichen Bereich gesichtet worden“, ergänzt der Pressesprecher.

Das deckt sich weitgehend auch mit den Beobachtungen von Monika Meyer. Zwar habe sie die Tiere auch noch kurz darauf gesehen, „seit Silvester aber sind sie tatsächlich weg. Vermutlich wegen des Lärms“.

Die Stadtverwaltung will die Entwicklung im Auge behalten. „Sollte die Abwesenheit der Wildschweine bis Ende dieser Woche nachhaltig bestätigt werden können, wird der einzig mögliche Zugangskorridor in das Biotop nahe der Jägerstraße eingezäunt und damit das Gelände unzugänglich gemacht“, sagt Sebastian Koepke-Millon. Das Areal sei ein ideales Rückzugsgebiet für die Tiere. Werde der Zugang versperrt, werden sie sich vielleicht aus dem Gebiet dauerhaft zurückziehen. Andernfalls würden gezielte Vergrämungsmaßnahmen ergriffen.

„Hat das Tier Angst, könnte es die Flucht nach vorn antreten.“ – Per-Ole Wittenburg, Forstamtsleiter

Vergrämungsmaßnahmen empfiehlt auch Christoph Lütgens. Zum Schutz von Grundstücken oder Kleingärten empfiehlt der stellvertretende Kreisjägermeister sogenannte Verstänkerungsmittel, chemische Substanzen, die in konzentrierter Form menschlichen Schweiß nachbilden. „Damit können Lappen benetzt und diese dann an gefährdeten Stellen aufgehängt werden. Meist reicht das schon, um sie zu vertreiben.“

Hilfreich sei aber auch ein stabiler Zaun mit mindestens 1,20 Meter Höhe, sagt Lütgens. Er sollte auch weit genug auf den Boden reichen, um ein Durchschlüpfen zu verhindern.

Experte empfiehlt: Nicht in Panik geraten

Zwar sei auch eine Bejagung möglich, doch müsse diese innerorts sehr gut abgesichert sein. Der Erfolg sei zudem nicht garantiert. Bei einer Drückjagd im Oktober 2018 in Ochtmissen wurden gerade einmal drei Wildschweine erlegt. „Die Tiere sind sehr intelligent und verziehen sich sofort.“

Monika Meyer möchte auch wissen, wie man sich bei Begegnung mit Schwarzwild verhalten soll. „Schließlich sind die Tiere ja fast gefährlicher als Wölfe, vor allem, wenn Bachen mit ihren Frischlingen unterwegs sind.“ Forstamtsleiter Per-Ole Wittenburg rät: „Nicht in Panik geraten!“ Defensives Verhalten und ruhiges Sprechen würden dem Tier zudem vermitteln, dass keine unmittelbare Gefahr droht. „Hat das Tier Angst oder fühlt sich in die Enge gedrängt, könnte es die Flucht nach vorn antreten.“ Begegnungen mit Wildschweinen kämen in der Regel allerdings selten vor.

Von Ulf Stüwe