Freitag , 18. September 2020

Notunterkunft in der Friedenskirche

Lüneburg. Nils Martin hatte seine Mutter Helga im Pflegeheim an der Wichernstraße besucht und war gerade vor der Tür, als er den Qualm bemerkte. “Ein Mann rief schon die Feuerwehr”, schildert der 48-Jährige. “Ich bin wieder rein, habe an Türen geklopft und geklingelt.” Er brachte seine Mutter und Nachbarn wie die durch eine Muskelkrankheit gehbehinderte Eva Seltier aus dem ersten Stock ins Freie. So wie er halfen einige aus der Nachbarschaft.

Um 19.42 Uhr lief der Alarm in der Leitstelle auf – Beginn eines Großeinsatzes. 60, 70 Feuerwehrleute aus der Wache Mitte und aus der Wache in Rettmer rückten an, dazu rund 50 ehrenamtliche Kräfte der Rettungsdienste von DRK und ASB. Sie konnte auf die Hilfsbereitschaft der Friedenskirche setzen. Deren Älteste, also die Gemeindeleiterin, Karin Gfrörer, bot sofort Räume als Notunterkunft an. Jugendliche, die sich getroffen hatten, unterstützten die gebrechlichen Bewohner des vom Paritätischen betreuten Pflegeheims.

Hinter jeden Namen ein Häckchen

Am Eingang der Gemeinde saß Stützpunktleiterin Doris Tischmann, sie kontrollierte, ob alle der 32 Bewohner in Sicherheit waren, sie konnte glücklicherweise hinter jeden Namen ein Häckchen setzen.

Vor Ort sagte ein Sprecher des Rettungsdienstes, dass nach erstem Eindruck niemand ernsthaft verletzt worden sei, drei bis fünf Menschen hätten vermutlich eine leichte Rauchvergiftung erlitten. Von der Stadt kamen Ordnungsamtsleiter Joachim Bodendieck und Sozialdezernentin Pia Steinrücke. Für sie ging es auch darum, für die Ausgebrannten Unterkünfte zu besorgen. Bodendieck atmete erleichtert auf, als die Kirchengemeinde Räume für den Übergang anbot: “So wie es aussieht brauchen wir niemanden in ein Hotel bringen.”

Polizeieinsatzleiter Stefan Gust von Loh bestätigte, dass der Brand in einer Wohnung im Erdgeschoss ausgebrochen und in der Folge Qualm durch das Haus gewabert war. Nach der Brandursache soll voraussichtlich am Mittwoch geforscht werden.

Von Carlo Eggeling