Sonntag , 27. September 2020
Im März war Greta Thunberg (vorne, 2.v.l. in Hamburg, auch viele Lüneburger Schüler der Fridays-for-Future-Bewegung begleiteten den Protest. Für viele ist die junge Klimaaktivistin ein Idol- offenbar auch für junge Eltern.

Lüneburg hat viele Greta-Fans

Lüneburg. Sophie und Marie sind die Dauerbrenner, doch es gibt auch Neuzugänge in der Hitliste: Greta zählt in Lüneburg aktuell zu den beliebtesten Vornamen. Da der Name in den Vorjahren nicht in den Top-Platzierungen des Standesamtes auftauchte, liegt der Schluss nahe, dass die momentan zweifellos prominenteste Greta der Welt nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung sein dürfte. Es scheint so, als habe die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg gerade bei jungen Eltern in der Hansestadt einen besonderen Eindruck hinterlassen, denn bundesweit ist von einem Greta-Faible nichts zu spüren, in der Beliebtheitsskala für ganz Deutschland konnte sich der Name nicht verbessern und liegt unverändert auf Rang 30 (LZ berichtete).

Wo Sophie und Marie nicht zu schlagen sind

1852 Neugeborene sind im vergangenen Jahr beim Bürgeramt der Stadt angemeldet worden. Das sind 66 mehr als im Jahr 2018, aber nicht ganz so viele wie im Rekordjahr 2016, als die Geburt von insgesamt 1880 Mädchen und Jungen beurkundet worden war. Die Mehrheit der Eltern entschied sich 2019 beim Nachwuchs für einen Vornamen (1099 Kinder), zwei Vornamen wählten die Eltern von 653 Kindern, in sieben Fällen waren es sogar mehr als drei Vornamen.

Sophie und Marie seit vielen Jahren vorne

Ganz weit vorn in der Gunst von Eltern stehen – wie seit vielen Jahren – Sophie und Marie, allerdings vor allem als zweiter Vorname. 35 im vergangenen Jahr geborene Mädchen aus Lüneburg haben neben dem Erstnamen auch Sophie auf ihrer Geburtsurkunde stehen, 28 Marie. Damit ist das Duo wieder konkurrenzlos weit vorne. Anders sieht es beim Blick allein auf den jeweils ersten Vornamen aus: Hier liegen Greta und Vorjahressiegerin Emma bei den Mädchen mit je 15 Nennungen vorn, bei den Jungen ist es ein Trio mit Ben, Felix und Noah, alle drei kommen auf 14 Beurkundungen. Beliebtester Zweitname bei den Jungen ist Alexander, den die Eltern von elf Jungen im Jahr 2019 für ihren Nachwuchs gewählt haben.

Mädchen
1. Greta: 15
1. Emma: 15
3. Frieda: 14
4. Charlotte: 13
4. Lia: 13
4. Mia: 13
7. Emilia: 12
8. Ella: 10
8. Leonie: 10
10 Ava: 9

Jungen
1. Ben: 14
1. Felix: 14
1. Noah: 14
4. Emil: 12
4. Fiete: 12
4. Louis: 12
4. Theo: 12
8. Karl: 10
8. Leon: 10
8. Paul: 10

Anmerkung: Die Hitliste gibt Aufschluss über die beliebtesten ersten Vornamen, häufige Zweitnamen wie Sophie und Marie bleiben dabei unberücksichtigt.

 

 

Der Trend zu mehr Vornamen ist in Lüneburg seit Jahren zu erkennen. Auffällig dabei: Wer sich für mehr als zwei Namen entschieden hat, orientiert sich dann offenbar auch an den Großeltern, denn hier tauchen auch 2019 Namen wie Hildegard und Theodor, Dieter und Kurt auf, die vor Jahrzehnten weit verbreitet waren, inzwischen aber aus der Mode geraten sind. Und womöglich hat auch manch eine der jungen Gretas in ihrer eigenen Oma eine Namenspatin.

Im Zweifel muss das Gericht entscheiden

Bei der Wahl des Vornamens für ihr Kind haben Eltern inzwischen große Freiheiten. Grenzen werden allerdings dort gesetzt, wo der Vorname anzüglich oder anstößig wirken könnte oder das Kind mit seinem Namen der Lächerlichkeit preisgegeben würde. Diese Grenze zu ziehen, ist nicht immer einfach. „Natürlich ist der Name vor allem eine Geschmacksfrage. Aber wir passen ein bisschen auf, dass ein Kind später nicht völlig unglücklich ist mit seinem Namen“, schildert Bürgeramtsleiterin Susanne Twesten. Sie und ihr Team setzen in Zweifelsfällen auf das Gespräch mit den Eltern, in den allermeisten Fällen gibt es am Ende eine Lösung, mit der Müter, Väter und Behörde leben können. Susanne Twesten greift dann auch gern mal zum plakativen Beispiel: „Keine Vorstandsvorsitzende der Welt will doch mit Vornamen Pipi heißen.“

Deutlich leichter geworden sei es, die Reihenfolge der Vornamen später mal ändern, also durchtauschen zu lassen. Wer also beispielsweise Charlotte Sophie heißt, kann daraus ohne große Probleme im Personalausweis mal Sophie Charlotte machen lassen.

Die ganz hartnäckigen Namensstreitfälle, in denen ein Gutachten der Gesellschaft für deutsche Sprache eingeholt werden müsste, wie es das Gesetz vorsieht, kämen in Lüneburg so gut wie nie vor. Allerdings gibt es durchaus auch in Lüneburg immer wieder Fälle, bei denen sich Mutter und Vater nicht einigen können. Susanne Twestern verdeutlicht: „Wir geben den Eltern in einem solchen Fall dann noch einen Monat Zeit. Gibt es bis dahin immer noch keine Einigung, geben wir den Fall weiter ans Gericht.“ Und das entscheide dann, ob sich die Mutter oder der Vater mit dem Namenswunsch durchsetzt.

Jahresstatistik
Beliebt als Hochzeitsstadt

Bürgeramtsleiterin Susanne Twesten nennt weitere Zahlen für Lüneburg aus dem Jahr 2019.
So hält der Trend zur Hochzeitsstadt weiter an, es gab mit 969 Eheschließungen (2018 waren es 936) erneut einen neuen Rekord. Ein deutlicher Beleg für die Anziehungskraft der Hansestadt: 61 Prozent der Paare, die sich hier das Ja-Wort gegeben haben, kommt gar nicht aus Lüneburg.

Gestiegen ist auch die Zahl der Kirchenaustritte. 790 Frauen und Männer traten 2019 aus der Kirche aus, im Jahr zuvor waren es 687. Gesunken ist die Zahl der Sterbebeurkundungen, die das Team des Bürgeramtes ausstellen musste – von 1139 im Jahr 2018 auf 1065 im Jahr 2019.

 

Beliebt in Lüneburg
Mädchen
1. Greta ↔15
1. Emma ↔15
3. Frieda ↔14
4. Charlotte ↔13
4. Lia↔13
4. Mia↔13
7. Emilia↔12
8. Ella↔10
8. Leonie↔10
10 Ava↔9

Jungen
1. Ben ↔14
1. Felix↔14
1. Noah↔14
4. Emil↔12
4. Fiete↔12
4. Louis↔12
4. Theo↔12
8. Karl↔10
8. Leon↔10
8. Paul↔10

Anmerkung: Die Hitliste gibt Aufschluss über die beliebtesten ersten Vornamen, häufige Zweitnamen wie Sophie und Marie bleiben dabei unberücksichtigt.

 

 

 

Von Alexander Hempelmann