Freitag , 25. September 2020
Seit Wochen brennt es an vielen Orten in Australien. Foto: dpa/rnd

Nachrichten aus dem Inferno

Lüneburg. Der Mensch scheint den Kampf gegen das Feuer verloren zu haben, die Bilder der Waldbrände in Australien zeigen, dass Feuerwehrleute kaum noch etwas ausrichten können. Der gebürtige Lüneburger Norbert Saric ist derzeit auf dem fünften Kontinent unterwegs. Saric, der inzwischen in Berlin lebt, arbeitet weltweit als Berufsmusiker, aktuell auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAura. Silvester ist er in Sydney zugestiegen, bald checkt er auf Mauritius aus.

Die LZ nahm mit dem 57-Jährigen Kontakt auf. Er berichtet: „Am Mittag des 31. Dezember habe ich mich in das Auto eines Kollegen gesetzt, wir sind 80 Kilometer in Richtung Blue Mountains gefahren. Eine sehr stark bewaldete Gegend.” Die Berge liegen im Bundesstaat New Sou­th Wales, unweit von Sydney. „40 Grad zeigte das Thermometer an. Überall am Horizont waren Rauchschwaden zu sehen. Die Sicht in die Ferne war nicht klar, da überall ein Rauchschleier vorhanden war. Teilweise waren Straßen gesperrt wegen der Feuer. Menschen in kleineren Orten standen in Gruppen vor ihren Häusern und unterhielten sich. Löschflugzeuge waren unterwegs.” Später war Saric zu Fuß auf einem Pfad unterwegs. Sein Eindruck: „Alles schien knochentrocken. Da fehlt nur ein Funke, und es würde wie Zunder brennen.“

Es ging zurück in die Metropole. Saric wundert sich: „Das Feuerwerk in der Silvesternacht wurde trotzdem riesig gefeiert – als wenn nichts passiert wäre.“

Klimaanlagen schafften es kaum, die Luft zu filtern

Am nächsten Tag ging es mit dem Schiff in Richtung Melbourne. „Ich bin in der Nacht darauf, wie viele andere Gäste, wegen eines Rauchgeruches aufgewacht und dachte einen Moment, es würde an Bord brennen. Doch es war der Rauch, der von Landseite Hunderte Kilometer weit über das Meer zog. Beim Tagesanbruch kam die Sonne nicht durch diesen gelblichen Nebel durch. Wir fuhren viele Stunden durch diese Suppe. Die Klimaanlagen schafften es kaum, die Luft zu filtern. Die wichtigen Bereiche auf dem Schiff hatten Priorität, somit wurden die Anlagen dort besonders konzentriert eingesetzt.“

Der Kapitän und seine Crew setzten darauf, die Passagiere zu informieren, so sei die Stimmung auf dem Schiff relativ gelassen geblieben. „Selbst im tausend Kilometer entfernten Melbourne kamen die Rauchschwaden zeitversetzt an“, schildert der Musiker. „Das fanden selbst die Einheimischen ungewöhnlich. Ansonsten ist die Stimmung zwischen Verzweiflung und Wut auf die Regierung an der Tagesordnung. Känguru Island konnten wir nicht direkt anfahren, weil dort ebenfalls heftige Brände ausgebrochen sind und Teile der Bevölkerung evakuiert wurden. Somit fuhren wir weiter nach Adelaide und verbrachten dort einen Tag.“ Am Wochenende habe es dort geregnet: „Durch eine Kaltfront hatten wir seit gestern nur Temperaturen von 15 bis 18 Grad. Aber das Thermometer soll wieder auf 40 Grad klettern.“

„Tausendsassa an der Gitarre“

Norbert Saric ist einer der erfolgreichsten Musiker der Lüneburger Szene. Im Lüneburger Rocklexikon beschreibt ihn der verstorbene und gute Kenner der Szene, Rainer Schubert, als „Tausendsassa an der Gitarre“. Norbert hat Ende der 80er, Anfang der 90er alles gespielt: von Blues bis Funk, von Country bis Jazzrock. Er war bei Lüneburger und Hamburger Formationen wie Grand Cross, Steam Roller und dem Boogaloo Sound Orchestra dabei. Er hat in den Studios der Lüneburger Produzenten Peter Hoffmann und Teddy Licht Stücke aufgenommen und mit internationalen Künstlern wie Ernie Watts zusammengespielt. Der Saxophonist rockte mit den Stones, Michael Jackson und Neil Diamond. Heute tourt Saric auf Kreuzfahrtschiffen, seine nächsten Stationen sind Madagaskar und die Seychellen. Er ist bis in nächste Jahr ausgebucht.

In Lüneburg ist Norbert Saric auch wieder zu hören: Er spielt am 6. Februar im „0,75“ an der Rackerstraße.

Von Carlo Eggeling