Sonntag , 27. September 2020
Bei Erweiterungsbauten und Sanierungen wie hier am Schulzentrum Scharnebeck (Archivbild) ist die Energieeffizienz ein wesentlicher Schwerpunkt des Landkreises. Mit neuen Konzepten sollen die Anstrengungen auch in diesem Bereich verstärkt werden. Foto: t&w

Masterpläne für das Klima im Kreis

Lüneburg. Unter dem Eindruck der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ stand nicht erst die Dezember-Sitzung des Kreistags, als die Abgeordneten mit knapper Mehrheit den Klimanotstand feststellten. Schon im März 2019 formulierten die Fraktionen von SPD und Grünen unabhängig voneinander zwei Anträge, in denen sie einen „Masterplan Klimaneutraler Landkreis“ und einen „Masterplan Erneuerbare Energien“ forderten. Nur wenige Tage zuvor waren bei einer „Fridays“-Demonstration rund 2000 Menschen durch Lüneburg gezogen.

SPD und Grüne fordern Masterpläne

Beide Anträge werden nun am 14. Januar im Ausschuss für Erneuerbare Energien und Klimafolgenanpassung beraten. Die Verwaltung hat für die Sitzung ihre Vorlage „Ansätze und Handlungsoptionen auf dem Weg zum Klimaneutralen Landkreis“ noch einmal überarbeitet. Wesentlicher Baustein ist der Vorschlag, am European Energy Award (eea) teilzunehmen. Insgesamt hat die Sitzung das Potenzial, die Stellschrauben für den Klimaschutz neu zu justieren.

„Der European Energy Award ist ein Managementsystem und Zertifizierungsverfahren, das zeigt, welche Effekte auf den Klimaschutz die Maßnahmen haben, die wir selbst anpacken“, erklärt Landrat Jens Böther. „Damit machen wir messbar, was bislang beliebig war.“

Entgegenkommen will die Kreisverwaltung auch der Politik mit „diesem zentralen Instrument zur fortlaufenden Umsetzung, Steuerung und Kontrolle der klimarelevanten Aufgaben auf Ebene des Landkreises Lüneburg“. Denn gefordert wird von SPD und Grünen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ein Masterplan, der sowohl bestehende als auch neu zu erstellende Konzepte und Maßnahmen beinhaltet. Damit soll der Klimaschutz landkreisweit und verwaltungsintern in den eigenen Liegenschaften als strategisches Ziel verankert werden. So sieht es der Verwaltungsentwurf vor.

European Energy Award weist sechs Handlungsfelder aus

Tatsächlich weist der European Energy Award für Landkreise sechs Handlungsfelder aus, die den kompletten Zuständigkeitsbereich des Kreises abdecken sollen. Die Bereiche sind:
▶ Entwicklungsplanung und Raumordnung;
▶ Kommunale Gebäude und Anlagen;
▶ Versorgung und Entsorgung;
▶ Mobilität;
▶ interne Organisation;
▶ Kommunikation und Kooperation.

Verantwortlich für die Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten ist das sogenannte Ernergieteam, das vorwiegend aus Vertretern der einzelnen Fachbereiche und von Eigenbetrieben besteht. Begleitet wird das Team von Landesträgern und Geschäftstellen des eea. Das Managementverfahren erfolgt in den Schritten Analysieren, Planen, Durchführen, Prüfen, Anpassen und Zertifizieren. „Sowohl die Anstrengungen als auch die Erfolge einer Kommune lassen sich damit neutral messen und vergleichen“, heißt es auf der Internetseite des eea.

Kreis plant nachhaltigere Strategien

Im Ergebnis könnte der Prozess dazu führen, Forderungen zu erfüllen, die SPD und Grüne in ihren Anträgen stellen. Beispiele sind energieeffizientere, ressourcenschonendere und nachhaltigere Strategien in den Bereichen kreiseigene Gebäude, Mobilität und Wohnungsbau sowie die Einführung eines Energiemanagements für kreiseigene Liegenschaften, Bürgerbeteiligungsprojekte für erneuerbare Energien, der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Gebäude oder gar das Erteilen von Baugenehmigungen von privaten und industriellen Vorgaben nur mit dem Nachweis von Solarnutzung.

Neuer Fachdienst soll Klimaschutz höheren Stellenwert einräumen

Erste Schritte, um dem Klimaschutz in der Verwaltung einen höheren Stellenwert einzuräumen, ist der Kreis bereits gegangen. Unter anderem wurde zum 1. Oktober 2019 ein neuer Fachdienst eingerichtet, in dem die Aufgaben Kreisentwicklung, Wirtschaftsförderung und Klimaschutz zusammengefasst und direkt dem Landrat unterstellt werden. „Die Leitungsposition ist bereits ausgeschrieben, die Bewerbungen liegen vor, und noch im Januar soll das Auswahlverfahren starten“, sagt Böther. Eine neue Stelle wurde dafür zwar nicht geschaffen, aber der Aufgabenzuschnitt einer vakanten Führungsposition entsprechend angepasst.

Radverkehrskonzept als Baustein des Klimaschutzes

Eine zusätzliche Stelle will der Landrat jedoch bei der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes schaffen, das er als ein Baustein des Klimaschutzes im Kreis sieht. Finanziert wurde das Konzept zu 70 Prozent aus Bundesmitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative. Bei der Umsetzung hat der Landkreis laut Böther die Chance, einen sogenannten

Klimaschutzmanager einzustellen, dessen Personalkosten für wenigstens drei Jahre zu 65 Prozent gefördert werden. Den Vorschlag für ein Gesamtkonzept „Masterplan Radverkehr“ will die Kreisverwaltung für die Sitzung des neuen Mobilitätsausschusses am 25. Februar vorlegen.

Der Ausschuss für Erneuerbare Energien und Klimafolgenanpassung tagt am Dienstag, 14. Januar, ab 15 Uhr im Sitzungssaal der Kreisverwaltung, Auf dem Michaeliskloster 4, in Lüneburg.

Von Malte Lühr