Dem Theater Lüneburg ist Reiner Faulhaber besonders verbunden. Er ist Ehrenmitglied des Ensembles. (Foto: t&w)

Ein Mann im Glück

Lüneburg. Das Glück sei stets auf seiner Seite gewesen, resümiert Dr. Reiner Faulhaber mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte. Er sagt das mit dieser ihm sehr eigenen Freundlichkeit und Herzenswärme. „Und die beste Entscheidung meines Lebens war, meine Frau Karin zu heiraten. Wir haben wunderbare Kinder, Schwiegerkinder und Enkel.“ Zutiefst verbunden sieht er sich auch mit der Stadt Lüneburg, für deren Gemeinwohl er sich zwölf Jahre als Oberstadtdirektor und danach in zahlreichen Ehrenämtern einsetzte. Heute begeht er seinen 85. Geburtstag.

Wie viele seiner Generation, hat der in Oppeln/Oberschlesien geborene Faulhaber Krieg und Vertreibung erfahren. Doch seine Familie fand sich schließlich wieder in Lüneburg zusammen, wo er das Johanneum besuchte. Die Eltern liebten Theater und Musik, und auch der Sohn entdeckte schnell seine Leidenschaft für die Bühne. „Meine größte Rolle in der Laienspiel-AG des Johanneums war die des Gesslers im Wilhelm Tell.“ Fast hätte er nach dem Abitur Theaterwissenschaften studiert. Doch der Vater riet ab, weil in der jungen Bundesrepublik nicht absehbar war, welche Perspektiven sich damit bieten würden.

Pressechef beim Bundesinnenminister

Faulhaber studierte ab 1956 Jura und Staatswissenschaften in Hamburg, Berlin, Göttingen. Frauen seien in der Zeit noch absolut in der Minderheit in Vorlesungen gewesen. Mit seiner Zukünftigen habe es manche Diskussion gegeben, als sie kundtat, dass auch sie Juristin werden wolle. Karin Faulhaber ging ihren Weg und wurde 1993 die erste Vorsitzende Richterin am Landgericht in Lüneburg.

Erfolg auf dem beruflichen Weg war auch Reiner Faulhaber beschieden. Als „Glücksfall“ bezeichnet er jenen Tag Anfang Oktober 1965, als er nach dem Staatsexamen seinen kleinen, grauen VW vor dem Bundesinnenministerium in Bonn parkte. „Ich wollte nach Arbeit fragen.“ Der Personalreferent muss sehr angetan gewesen sein, denn postwendend bekam Faulhaber ein Referat im Bereich Katastrophenschutz, war anschließend Presse­chef beim damaligen Bundesinnenminister Ernst Benda. Nach der Bundestagswahl 1969, als die Regierung wechselte, habe er dem damaligen Innenminister Hans-Dietrich Genscher mitgeteilt, dass es ihn wieder nach Lüneburg ziehe.

Faulhaber wurde Stellvertreter von Oberkreisdirektor Klaus Harries, mit dem ihn Freundschaft verbindet, und 1974 Kreisdirektor. 1984, als der langjährige Oberstadtdirektor Hans-Heinrich Stelljes in den Ruhestand geht, bewirbt sich Faulhaber auf den Posten. „Und das Glück blieb bei mir. Im ersten Wahlgang erhielt ich die absolute Mehrheit.“ Zwölf Jahre bleibt er im Amt. Er ist beliebt, weil freundlich, verbindlich, kein nachtragender Geist, wenn es mal zu Kontroversen kommt. Es passiert eine Menge in dieser Zeit: Ausbau des Klinikums, Verkehrsberuhigung, Altstadtsanierungen. Und Faulhaber sorgt für kulturelle Sternstunden: Er holt den großen Leonard Bernstein nach Lüneburg, beim Open-Air-Festival auf dem Flugplatz begeistern Rock-Stars wie Tina Turner und Joe Cocker.

Als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Theaters schmerzt ihn: Die Spielzeit dauerte neun Monate, danach mussten sich die Mitarbeiter drei Monate arbeitslos melden. Deshalb wandte er sich an Dr. Johann-Tönjes Cassens (CDU), niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kunst – mit Erfolg. Der Etat wurde erhöht, sodass das Theater rund ums Jahr arbeiten kann. Allerdings, da lässt das Ehrenmitglied des Ensembles keinen Zweifel dran: Die Finanzierung muss kontinuierlich auskömmlicher werden.

Ausgezeichnet mit Ehrenring und Verdienstkreuz

Als er 1996 in den Ruhestand geht, hätte er natürlich noch mehr das Reisen, Wandern und die Kultur mit seiner Ehefrau in den Vordergrund stellen können. Aber – welch Glück für andere – er engagierte sich vielfältig ehrenamtlich, zum Beispiel als Vorsitzender des DRK, Ortsverein Lüneburg, Vorstandsvorsitzender der Loewe-Stiftung, Vorsitzender des Kuratoriums der Universitätsgesellschaft und in dem von ihm initiierten Förderkreis Theater. Für sein Wirken wurde er mit dem Ehrenring der Stadt Lüneburg und dem Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens ausgezeichnet.

Seit seinem 75. Geburtstag hat er sich von einem Großteil seiner Ehrenämter getrennt. Die Jungen müssen ran, ist seine Devise. Und auch als Ombudsmann der LZ, an den sich Leser in den vergangenen zehn Jahren mit Beschwerden zum journalistischen Handwerk wenden konnten, tritt er nun von der Bühne ab. Wir sagen Dankeschön und wünschen weiterhin Glück.

Von Antje Schäfer