Montag , 28. September 2020
Wolfgang Häntsch in der Küche seines Hofes: Für seine Serienfigur, den mürrischen Bruno Maiwald, wäre das schon ein freundliches Lächeln. (Foto: be)

In der DDR hatte er sogar Berufsverbot

Lüneburg. Griesgrämig kann er gut. Wenn er bei den Roten Rosen als Bruno Maiwald in Gummistiefeln über seinen Hof stapft, blickt er stets mürrisch drein. Als wortkarger Eigenbrötler hat er für seine Mitmenschen selten ein Lächeln auf den Lippen. „Alles nur Fassade“, sagt Wolfgang Häntsch. Und das quasi in doppelter Hinsicht. Denn weder er selbst noch der von ihm verkörperte Vater von Alexander, dem jungen Herzensbrecher der neuen Hauptfigur Astrid, sind tatsächlich so miesepetrig wie die Figur, die die Rosen-Zuschauer bislang zu sehen bekommen haben.

Schauspieler bekannt aus zahlreichen Fernsehserien

„Er ist im Grunde ein ganz lieber Kerl, der nur vom Tod seiner Frau aus der Bahn geworfen wurde“, sagt Häntsch über Maiwald. Zeigen kann der sturköpfige Bruno das allerdings bislang meist nur bei seinem Enkel Oskar. Mit seinem Sohn hingegen ist er verkracht, Astrid mit ihren Ziegen ist bei ihm allenfalls notgedrungen geduldet – und von Besuch auf seinem Hof hält er sowieso nicht viel. Erst Pia, Astrids an den Rollstuhl gefesselte Tochter, bricht die Einsamkeit langsam auf.

Wolfgang Häntsch gehört seit gut 30 Folgen zur Besetzung der Lüneburger Serie. Der 68-Jährige, aufgewachsen in der DDR, kann auf reichlich Erfahrung als Schauspieler zurückblicken. Angefangen am Theater im Ur-Faust hat er später unter anderem mehrmals im Tatort und beim Polizeiruf 110 mitgespielt, auch in bekannten Serien wie „Großstadtrevier“, „Unser Charly“, „Ein Fall für zwei“, „Der Alte“, „Edel & Stark“, „In aller Freundschaft“ und „Für alle Fälle Stefanie“ hat er mitgewirkt, war in der Verfilmung des Baader-Meinhof-Komplexes und im Erpresserfall „Das Phantom – Die Jagd nach Dagobert“ zu sehen. Dabei war seine Karriere vor knapp vier Jahrzehnten gehörig ins Stocken geraten. Häntsch wollte zusammen mit Kollegen eine freie Künstlergemeinschaft gründen. Das missfiel der Stasi so sehr, dass sie ihn zeitweise mit einem Berufsverbot belegte. Doch in den Achtzigern kämpfte er sich zurück in seinen Job.

„Ich muss so wenig Text lernen – die Kollegen sind richtig neidisch.“– Wolfgang Häntsch, Schauspieler

Neben der Arbeit am Theater und für Film und Fernsehen mit sieben Jahren als Chef einer eigenen Produktionsfirma in der Schweiz schmücken Hörspielproduktionen, darunter für TKKG und „Die drei ???“, seine berufliche Vita, die ihn 2019 dann zu den Rosen führte. „Fantastisch“, habe er nur gedacht, als er die Rollenbeschreibung las: „Da muss ich ja nicht so viel Text lernen“, scherzt der Vater von drei Töchtern und zwei Söhnen, der mit seiner in Weißrussland geborenen Frau und seiner Familie in Hamburg wohnt. „Die Kollegen sind schon richtig neidisch. Aber im Ernst: Ich finde es oft auch spannender, ohne Text zu agieren.“

Sein Engagement bei den Rosen, wo er das Team als „extrem gut“ empfindet, ist zeitlich begrenzt, mit dem Ende der laufenden 17. Staffel im Sommer wird er Lüneburg wieder verlassen. An ein generelles Aufhören mag er trotz seines Alters und seiner großen Familie – das fünfte Enkelkind war zum Zeitpunkt des Gesprächs gerade unterwegs und sollte in diesen Tagen zur Welt kommen – aber nicht denken, dafür sei er zu gern Schauspieler: „Ich will weiterarbeiten so lange es geht.“

Von Alexander Hempelmann