Sonntag , 27. September 2020
Betriebshofmitarbeiter des Kreises haben die Böschung an der Kreisstraße 37 bei Wendisch Evern freigeschnitten, auch Bäume gefällt. Zum Ärger von Anwohner André Müller. (Foto: Müller/privat)

Rückschnitt sorgt für Ärger

Wendisch Evern. André Müller ist sauer: „Das ist unfassbar, wie mit der Natur umgegangen wird“, ärgert sich der Wendisch Everner und setzt nach: „Ohne Augenmaß wurden von Betriebshof-Mitarbeitern des Landkreises Bäume gefällt und Büsche zurückgeschnitten.“

Das Grundstück des 53-Jährigen grenzt direkt an die Kreisstraße 37. Mit ihrem umstrittenen Einsatz, so Müller, hätten die Arbeiter nun nicht nur den heimischen Vögeln den Schutz- und Rückzugsort genommen, sondern den Anwohnern auch den Wind-, Staub- und natürlichen Lärmschutz.

„Unangebrachter Sarkasmus“

Der Wendisch Everner hat sich deshalb an Jens-Michael Seegers, den Chef des kreiseigenen Betriebs für Straßenbau und Unterhaltung (SBU) gewandt, um seinem Unmut Luft zu machen.

„Wir haben hier auch viele Eichhörnchen, die hier ihre Jungen im Schutze des dichten Bewuchses großziehen“, mahnt Müller. „Aber als ich Herrn Seegers damit konfrontierte, meinte er nur, dass Eichhörnchen ja auf Pappeln nichts zu suchen hätten. Diese Antwort empfand ich als Frechheit und unangebrachten Sarkasmus“, empört sich der 53-Jährige, der ohnehin den Sinn der Rückschnitt-Aktion anzweifelt: „Es bestand weder für den fließenden Verkehr noch für Fußgänger oder uns Anwohner eine Gefahr durch die Bäume und Büsche.“

Verkehrssicherheit sollte gewährleistet werden

Das sieht auf LZ-Anfrage Jens-Michael Seegers anders: „Wir haben den Entwässerungsgraben und die Fahrbahnrampe an dieser Stelle freigeschnitten, um die Verkehrssicherheit dauerhaft zu gewährleisten.“ Die Arbeiten seien zudem vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden. „Die Fahrbahnrampe bietet aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht genügend Standfestigkeit für hochgewachsene Bäume“, erklärt Seegers weiter. Deshalb sei das Gehölz zurückgeschnitten worden. Und zu den Pappeln sagt der SBU-Leiter: „Die hatten sich wild angesiedelt, eignen sich aber nicht zum Rückschnitt. Deshalb mussten wir das komplette Gehölz entnehmen.“

Kein echter Lärmschutz

Die Erfahrung zeige, dass nach dem Schnitt eine größere Pflanzenvielfalt nachwachse, die dann wieder vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf biete. „In zwei bis drei Jahren bilden die Pflanzen einen guten Sichtschutz für die angrenzenden Grundstücke. Lärmschutz bietet der Bewuchs aus fachlicher Sicht dagegen kaum, auch wenn manche Anwohner das anders empfinden,“ sagt Jens-Michael Seegers abschließend.

Von Klaus Reschke