Zwei, die sich mit Sonderbriefmarken gut auskennen: Sammler Rüdiger Schulz (l.) und Postmitarbeiter Ralf Baumann. In ihren Händen halten sie die Sondermarke „Pressefreiheit“. (Foto: phs)

Jäger und Sammler

Lüneburg. Rüdiger Schulz strahlt. Zwar nicht überschwänglich, dafür ist das Ereignis nicht außergewöhnlich genug. Es aber verpasst zu haben, das hätte sich der leidenschaftliche Briefmarkensammler dann doch nicht verziehen. Nun also hat er sie, die fünf neuen Sondermarken, die gestern von der Post herausgegeben wurden. Gut 50 werden in diesem Jahr noch folgen, und nicht jeder Sammler ist darüber glücklich.

„Das sind schon einige Termine, und man will ja möglichst keine Ausgabe verpassen“, sagt Rüdiger Schulz. Lücken können Sammler nämlich gar nicht leiden. Einerseits. Andererseits stachelt es sie an, sie alsbald zu schließen. Das hinzubekommen, bedarf nicht nur eines gut gefüllten Portemonnaies, sobald die Begehrte zu den Vielumworbenen gehört, auch ein Tauschwilliger will gefunden sein.

Rüdiger Schulz, in Lüneburg vielen als Vorsitzender des Bürgervereins bekannt, steht deshalb auch an diesem Tag am extra eingerichteten Sonderschalter in der Post-Filiale am Stern. Schnell hat er seine Wünsche Ralf Baumann vorgetragen, man kennt sich, schließlich betreut der Uelzener den Schalter seit inzwischen 20 Jahren und nennt die Philatelisten liebevoll auch ein „spezielles Völkchen“.

Als Mann für die Sammler weiß Baumann, wofür ihre Herzen schlagen. Denn oft ist nicht die Marke allein Objekt der Begierde, manchmal lässt erst eine Marke mit einem Stück vom Rand eines Hunderterblocks Freude aufkommen. „Begehrt sind dabei vor allem die Marken rechts unten oder links oben“, weiß der Uelzener. Dort war früher die sogenannte Form-Nummer aufgedruckt, die Auskunft über die Sonderveröffentlichung gab. „Heute ist sie leider einem Barcode gewichen, aber natürlich wird auch der genommen.“

Jahrgänge von 1945 bis 1955 sind besonders begehrt

Auch wenn Briefmarkensammeln für einige leicht angestaubt anmutet – die Schlangen, die sich an den Ausgabetagen bisweilen vor dem Sonderschalter bilden, sprechen eine andere Sprache. Auch gestern war das Interesse an den Neuen groß. Gewidmet wurden sie dem 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven als „aktuelles Thema“, der Stadt Bonn und dem Siebengebirge für die Serie „Deutschlands schönste Panoramen“, Vincent van Goghs Mohnfeld für die Serie „Schätze aus deutschen Museen“ sowie Ernst Barlachs 150. Geburtstag und das Thema „Pressefreiheit“ als Einzelausgaben.

Je nach Portowert schwankt die Auflage der Sondermarken zwischen zwei und sechs Millionen Stück – „zu viel“, wie Rüdiger Schulz findet. Schließlich lassen größere Auflagen den Sammlerwert einer Briefmarke sinken. Eine Geldanlage wie früher seien die Sondermarken aber ohnehin längst nicht mehr.

Begehrt seien die Jahrgänge von 1945 bis 1955, da lagen die Auflagen noch bei rund einer Million Stück. Besondere Schätze wie der 16-teilige Posthorn-Satz von 1951 bringt es heute auf anderthalb bis zweitausend Euro, berichtet Schulz. Sondermarken aus früheren Jahrhunderten werden inzwischen wie Antiquitäten gehandelt, ein Brief mit Sonderstempel, womöglich noch aus Lüneburg zur Preußenzeit, bringe richtig gutes Geld. „Da kommt man aber nur sehr schwer ran.“

Wie viele Briefmarken er im Besitz hat, kann Rüdiger Schulz gar nicht sagen. „Einige Tausend werden es schon sein.“ Aufhören mit dem Sammeln komme für ihn nicht infrage, „das ist schwer, wenn man einmal angefangen hat“. Bei ihm war es in früher Jugend, er hat es bei seinem Vater abgeschaut. Und er liebt es noch heute, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die mit den Sondermarken vermittelt werden.

Einen Eindruck von der Sammelleidenschaft der Philatelisten bietet wieder der Großtauschtag am kommenden Sonntag, 5. Januar. Von 9 bis 15 Uhr zeigen dann mehr als einhundert private Aussteller ihre Schätze in der Gellersenhalle in Reppenstedt. Der Eintritt ist frei.

Finanzministerium ist Herausgeber

Das Bundesfinanzministerium gibt rund 50 Mal im Jahr eine Sonderbriefmarke heraus. Die jeweiligen Auflagen sind vom Portowert abhängig und variieren zwischen zwei und sechs Millionen Stück. Über die Themen entscheidet einmal jährlich der unabhängige Programmbeirat des Bundesfinanzministeriums. Ihm gehören derzeit 13 Vertreter an, unter anderem von der Deutschen Post, den Kirchen, Gewerkschaften, dem Bundesrat und Bundestag.

Von Ulf Stüwe