Mit speziellen Schutzanzügen nehmen die Mitglieder der Gefahrguttruppe an einer Übung teil. Foto: Feuerwehr

Sie sind wieder da

Barendorf. Gut ein Jahr haben die Vorbereitungen gedauert, um die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen. Seit August ist sie offiziell wieder einsatzbereit: die Gefahrgutgruppe der Feuerwehr Ostheide – und sie hat schon zwei große Übungen absolviert.

Gruppenführer Marcus Zips und seine Stellvertreter Renè Oswald und Ingo Hoffmann haben Mitglieder rekrutiert, ausgebildet und das notwendige Material beschafft. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, derzeit sind 42 Kameradinnen und Kameraden in der Gefahrgutgruppe tätig. Vor drei Jahren musste die Gefahrgutgruppe der Feuerwehr Ostheide noch ihre Arbeit aus Mangel an Personal einstellen.

Damit nun alle ihre Arbeit gut verrichten können, wurde ein speziell aufgebauter Anhänger beschafft, der genau auf die Bedürfnisse dieser Spezialeinheit zugeschnitten ist. Aber auch der Inhalt des Anhängers, das notwendige Material, wurde größtenteils neu beschafft. Und dass sich die Ausbildung und die Beschaffung der Ausrüstung gelohnt hatte, das zeigte die Gefahrgutgruppe auf einer Übung.

Atemschutzgeräte und Vollschutzanzüge

Das angenommene Szenario: Ein Trecker ist auf einen Gefahrgut-Lkw aufgefahren und hat diesen Leck geschlagen, der Fahrer des Lkw und des Treckers wurden dabei verletzt. Als erstes galt es, die Gefahr (den Gefahrstoff) zu ermitteln. Der Lastzug hatte Aceton, Kalium und einen nicht näher zu identifizierenden Stoff, der mit Wasser reagiert, geladen.

Das bedeutete für die Rettungstrupps, dass sie Atemschutzgeräte und Vollschutzanzüge – Anzüge, die den Träger komplett gegen die Außenwelt abdichten – anlegen mussten. Danach galt es, die beiden verletzten Fahrer aus dem Gefahrenbereich zu retten. Der Treckerfahrer konnte ohne großen Aufwand befreit werden, der Lkw-Fahrer musste über eine spezielle Arbeitsbühne, die an den Lkw gestellt wurde, gerettet werden.

Nachdem die Personen aus dem Gefahrenbereich gebracht wurden, musste das Leck am Lkw mittels eines Leckdichtkissens geschlossen werden. Das Dichtkissen wurde mit Spanngurten angelegt und durch Aufblasen mit Druckluft wurde die Leckage am Tank geschlossen.

Einsatz verlief reibungslos

Nachdem alle Aufgaben an der Gefahrenstelle erledigt waren, mussten die eingesetzten Kräfte über die „Dekontaminationsstelle“ gehen. Hier werden die eingesetzten Kameradinnen und Kameraden von außen gereinigt, das kontaminierte Wasser aufgefangen. Anschließend werden die Einsatzkräfte entkleidet, die verunreinigte Einsatzkleidung in spezielle Beutel gesteckt und luftdicht verschlossen.

Die zweite Übung fing harmlos mit der Alarmierung der Feuerwehr Vastorf an: „Auslaufende Betriebsstoffe nach Verkehrsunfall, Einsatz ohne Eile.“ Doch noch während der Anfahrt wurde die Alarmierungsstufe erhöht: „H3Y – Person im Pkw eingeklemmt“. Die Feuerwehr Reins­torf und der Rettungsdienst wurden nachalarmiert. Für den Einsatzleiter bot sich vor Ort ein weiteres Szenario: In 75 Meter Entfernung vom verunglückten Auto stand ein Lkw mit Gefahrgutkennzeichnung, aus dem Flüssigkeit von der Ladefläche lief. Nach Angabe der Gefahrgutnummern (1791/Hypochloritlösung und 1789/Chlorwasserstoffsäure) war klar, hier kann nur die Windrichtung beachtet, der Gefahrenbereich abgesperrt und Spezialkräfte angefordert werden. Deren großer Einsatz verlief dann reibungslos.

Gruppenführer Marcus Zips zeigte sich mit den Übungen zufrieden, hätte aber gerne mehr Mitwirkende in der Gefahrgutgruppe, denn es wird jede Hand gebraucht. lz

Zur Sache

Drei Lehrgänge

Wer Mitglied der Gefahrgutgruppe werden will, muss folgende Voraussetzungen erfüllen: Die Truppmannausbildung Teil 1 und 2. Der erste Teil ist quasi die Grundausbildung, sie dauert bei der Feuerwehr in Deutschland mindestens 70 Stunden. Der zweite Teil ist die Vertiefung der Kenntnisse und dauert mindestens 80 Stunden. Nach der Ausbildung erfolgt in der Regel ein Leistungsnachweis. Darüber hinaus ist eine ABC-Unterweisung Voraussetzung.