Mit Bauteilen wie diesem will Wolfgang Bülow sein Unternehmen auf dem Markt der 3D-Produktion in die Zukunft führen. Foto: t&w

„Wir haben ein gutes Fundament“

Lüneburg. Wolfgang Bülow ist sich für einen Gang in die Produktionshallen seines Unternehmens nicht zu schade. Gern gewährt der Geschäftsführende Gesellschafter der Bionic Production GmbH Besuchern einen Blick in die Räume, in denen hinter streng gesicherten Türen gedruckt wird. Metall gedruckt wird. Denn das Lüneburger Unternehmen gehört zu der noch überschaubaren Anzahl von Anbietern, die in Deutschland Bauteile und Werkstoffe im 3D-Druckverfahren herstellen. Ein Zukunftsmarkt, auf dem auch Bionic wachsen will.

Dringend benötigte Finanzmittel gesichert

„Unser Umsatzziel für 2020 heißt 6,5 Millionen Euro“, sagt Bülow, „gegenwärtig liegen wir bei 1,5 Millionen.“ Doch damit nicht genug, in vier Jahren will er auch diese Zahlen toppen, dann sollen es mehr als 30 Millionen Euro werden. Auch bei den Mitarbeiterzahlen will das Unternehmen zulegen, von gegenwärtig 15 auf 35 im kommenden Jahr und rund 100 bis Ende 2023.

Dass seine Pläne nicht aus der Luft gegriffen scheinen, macht eine Studie der Deutschen Bank aus dem April dieses Jahres deutlich. Danach wird der globale Umsatz mit 3D-Bauteilen schon im kommenden Jahr von derzeit rund 350 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro klettern, 2030 sollen es mehr als 2,5 Milliarden sein – und dies allein auf dem Automobilmarkt, auf dem auch Bionic aktiv ist. Hier beliefert das Unternehmen beispielsweise den Luxuskarossen-Hersteller Bugatti mit in Lüneburg gefertigten Bremssätteln. 2020 soll dafür die Serienproduktion starten.

Um seine ehrgeizigen Ziele erreichen zu können, suchte Bülow einen starken Partner. Im August dieses Jahres schlüpfte das Unternehmen deshalb unter das Dach der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und transformierte in diesem Zug von der AG zur GmbH.

Das Druckverfahren ist teuer

Bülow, der durch diese Partnerschaft die für seine Expansionspläne dringend benötigten Finanzmittel erhält, sieht aber auch Vorteile für den HHLA-Konzern: „Mit Blick auf die künftigen Entwicklungen im Bereich Logistik ist das eine weitsichtige Entscheidung.“ Schließlich sei zu erwarten, dass durch den 3D-Druck die Liefer- und Transportketten in absehbarer Zeit deutlich anders aussehen werden, prognostiziert der Unternehmenschef.

Auch wenn das „Additive Manufacturing“, wie der 3D-Druck auch genannt wird und bei dem das Produkt mikrometerweise Schicht um Schicht im Drucker entsteht, zahlreiche Vorteile aufweist, sei die Konkurrenz der Unternehmen, die ihre Erzeugnisse klassisch gießen oder fräsen, noch immer groß. Denn das Druckverfahren ist teuer. Allein für den fertig gedruckten Artikel, dessen Material aus Titan, Edelstahl, Inconel oder auch Aluminium besteht, müssen bis zu 1000 Euro pro Kilogramm auf den Tisch gelegt werden. Weil aber geringere Gewichte in den Fahrzeugen auch Einsparungen im Verbrauch und damit geringere CO2-Emissionen bedeuten, wird der 3D-Druck zunehmend wichtiger.

Standort Volgershall auch für Wachstum ausreichend

Auch in Lüneburg sei er mit Unternehmen als mögliche Kunden im Gespräch, bei genaueren Angaben hält Bülow sich aber zurück. Als langjähriger Manager weiß der gelernte Diplom-Kaufmann, wann eine Sache spruchreif ist. Sicher sei aber, dass Bionic Lüneburg noch länger treu bleiben wird. Denn die räumlichen Kapazitäten am Unternehmensstandort Volgershall seien auch für die anstehenden Wachstumsphasen ausreichend dimensioniert. Selbst wiederkehrende Absenkungen im Lüneburger Erdreich nur wenige hundert Meter entfernt – 3D-Drucker reagieren auf Erschütterung höchst sensibel – bringen ihn nicht aus der Ruhe. „Wir haben ein gutes Fundament.“

Eines aber treibt den 74-Jährigen doch um, denn für das angestrebte Wachstum werden Mitarbeiter gesucht. Bis zum Sommer 2020 sogar ein Nachfolger für ihn selbst, dann will er sich überwiegend seinen Hobbies widmen.

Von Ulf Stüwe