Mittwoch , 23. September 2020
Das 36 Jahre alte Boot „Ölwehr 22“ muss ausgetauscht werden. Über die Ersatzbeschaffung streiten sich jetzt Kreis und Stadt. (Foto: tja)

Großer Streit um das kleine Boot „Ölwehr 22“

Lauenburg. Zwischen dem Kreis Herzogtum Lauenburg und der Stadt Lauenburg ist ein Streit um die Fortführung der Zusammenarbeit bei der Ölschadensbekämpfung auf dem Wasser entbrannt. Lauenburgs Feuerwehr kümmert sich um das Einsatzboot „Ölwehr 22“, das das Land einst beschafft hatte und das nun unter dem Kommando des Kreises läuft.

Die Stadt hat die Aufgabe an die Feuerwehr delegiert, die für die Elbe zwischen den Ländergrenzen zu Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie den Elbe-Lübeck-Kanal bis Mölln zuständig ist. Jetzt muss dringend Ersatz für das Boot beschafft werden – und da ziert sich der Kreis.

Sicherheit hat Priorität

Ralf Eckhoff, nautisch-technischer Sachverständiger in Reihen der Lauenburger Feuerwehr, hatte ein Anforderungsprofil entwickelt. Dabei ging er im Einsatzgebiet von möglicherweise starkem Wellengang und weiteren Einflüssen aus, was ihn zum Einsatzboot „Faster 81 CAT CCR Catamaran“ führte. Das 8,15 Meter lange Boot biete optimale Voraussetzungen für den Einsatz auf der Elbe. Kosten: Etwa 104 000 Euro. Die Boote, die das Land zuletzt beschafft hatte, kosteten 60 000 Euro. „Sicherheit für unsere Einsatzkräfte hatte bei unserer Beurteilung oberste Priorität. Es ist ja etwas anderes, ob man im Hafen von Husum unterwegs ist oder hier auf der Elbe“, erklärte Lauenburgs Feuerwehrchef Lars Heuer die Anforderungen der Retter an das neue Boot.

„Was zweckdienlich ist, muss auch beschafft werden. Aber wenn die gestellten Anforderungen dermaßen überzogen sind, ist das nicht vertretbar“, sagte Vorsitzender Norbert Brackmann (CDU) im Haupt- und Innenausschuss des Kreises. Damit löste er eine Diskussion zwischen den beteiligten Verwaltungen in Kreis und Land aus. „Wenn man nicht bereit ist, dem Einsatzgebiet angemessenes Material zu beschaffen, dann hängen wir an dieser zusätzlichen Aufgabe auch nicht. Unsere Feuerwehr ist primär für den Brandschutz in der Stadt zuständig und hat damit auch genug zu tun“, sagt Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede. „Wir können die Ölwehr auch gerne in andere Hände geben“, so Thiede.

Vertrag mit dem Kreis läuft 2020 aus

„Ich gehe davon aus, dass sich die Mitglieder im Haupt- und Innenausschuss gar nicht mit unserem Konzept befasst haben, vermutlich hatten sie die Ausarbeitung gar nicht im Detail vorliegen“, sagt Heuer. „Unter Vertragspartnern geht man so eigentlich nicht miteinander um, da spricht man doch wenigstens vernünftig miteinander“, sagt der Feuerwehrchef.

Brackmann hatte im Ausschuss darauf hingewiesen, dass möglicherweise auch andere Einheiten, etwa Wasserrettungseinheiten wie die DLRG, die Aufgabe der Ölschadensbekämpfung übernehmen könnten. Effekt am Rande für die Lauenburger DLRG: Die Fahrzeughalle an der Lütauer Chaussee könnte refinanziert werden, nachdem das Rettungsdienstgutachten für den Standort keine Notwendigkeit ergeben hatte.

Einsätze auf der Elbe nicht ungefährlich

Heuer, Thiede und Eckhoff bleiben derweil bei ihrer Einschätzung. Ein modernes Boot wie das vorgeschlagene aus finnischer Produktion sollte es für Lauenburg schon sein. „Einsätze auf der Elbe sind nicht ungefährlich. Und auf dem Boot könnten die Kameraden sicherer agieren, selbst in Chemikalienschutzanzügen, sollte das erforderlich sein“, erklärt Heuer. Die präferierte Technik mit zwei Außenbordmotoren gilt außerdem im Einsatzfall als besser zu manövrieren und bietet eine Ausfallreserve, sollte etwa Treibgut eine Schraube beschädigen.

„In der Berufsschifffahrt haben die Binnenschiffe, auch bedingt durch Doppelhüllenfahrzeuge und Kabinenschiffe, eine Größe erreicht, die weit über den vor 15 Jahren vorhandenen Fahrzeugen liegen. Deshalb ist es erforderlich, auch die Einsatzkräfte besser auszurüsten“, betont Eckhoff in seiner Empfehlung.

Von Timo Jann