Nach knapp einem Jahr hat die Stadt das Baumhaus der Aktivisten im Kurpark abgerissen. (Foto: be)

Baumhaus im Kurpark abgerissen

Lüneburg. Rund elf Monate nach dem Aufbau ist das Baumhaus im Kurpark von der Stadt entfernt worden. Inspiriert von den Baumhausdörfern im Hambacher For st war die Baumhausplattform in der Nacht zum 1. Februar von einer Gruppe Aktivisten des sogenannten Kollektives „Atlantis“ als Proteste gegen die von ihnen „als schwaches und willenloses Lippenbekenntnis“ wahrgenommenen Empfehlung der Kohlekommission errichtet worden. Mit dem Baumhaus selbst und vielen bunten Bannern in der Baumkrone hatten die Aktivisten ihren Forderungen nach einem sofortigen Kohleausstieg und einer wirksamen Klimapolitik Ausdruck verliehen.

Bereits vor einiger Zeit hatte die Stadt mitteilen lassen, dass das Baumhaus dort aber nicht bleiben könne. „Es liegen Verstöße gegen die Kurparkordnung vor. Es darf dort nicht übernachtet werden. Auch haben wir Beschwerden von Bürgern, die sich gestört fühlen, denn der Park soll der Erholung dienen“, erklärte Pressesprecher Sebastian Koepke-Millon im Sommer der LZ. Es hat zwar etwas länger gedauert, doch nun hat die Stadt die Ankündigung umgesetzt.

Aktivisten "kalt erwischt"

Dass das Projekt nicht ganz legal gewesen sei, sehen die Aktivisten als Ausdruck ihrer Überzeugung, dass die Proteste der Klimabewegung besonders in Formen des zivilen Ungehorsams oft nicht „legal, aber dennoch legitim und nötig seien“ und bestimmte Gesetze, die einer Entwicklung hin zu einer sozial gerechteren und nachhaltigeren Gesellschaft entgegenstehen, im demokratischen Prozess reformiert werden müssen.

Dass es diesen Freitag jedoch schließlich zum Abriss kam, hätte sie – so geben die Aktivisten zu – „etwas kalt erwischt“, zwar hätten sie Pläne ausgearbeitet, wie sie einer drohenden Räumung hätten begegnen können, allerdings hätten sie sich in den letzten Monaten ein bisschen zu sehr an den Zustand „friedlicher Coexistenz“ gewöhnt und seien nicht mehr so sehr auf der Hut gewesen wie zu Beginn der Baumbesetzung.

Das Baumhaus wurde im Gegensatz zu der Schilderung in der Pressemitteilung des Klimakollektivs nicht "unbesetzt" von der Stadt vorgefunden. Ein Aktivist befand sich zu diesem Zeitpunkt auf der Plattform. Als die Mitarbeiter*innen der Stadt jedoch mit einer Hebebühne anrückten und mit polizeilichen Maßnahmen drohten entschloss er sich die Plattform freiwillig zu verlassen.

Ob ihr Protest in einem weiteren Baumhaus seine Fortsetzung finden wird, wissen die Aktivisten noch nicht. „Wir wollen unsere Ideen und Forderungen auf möglichst vielen unterschiedlichen Wegen in die politische Diskussion einbringen“, sagt eine Aktivistin, die sich Luna nennt. „Viele schöne Bäume gibt es im Stadtgebiet auf jeden Fall.“ lz