Auch aus dem Brand des Lösecke-Hauses 2013 hat die Feuerwehr Lehren gezogen. (Foto: A/be)

Immer auf der Hut

Lüneburg. „Wird ein Feuer eine Minute später entdeckt, bedeutet es, dass wir eine Stunde länger löschen müssen“, sagt Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft. Eine präventiv wirkende Technik kann daher helfen, Schlimmeres zu verhüten. Ein Brandstifter wie Herbert Rademacher, der zum Jahreswechsel 1959/60 in mehreren historischen Gebäuden Lüneburgs Feuer legte, dürfte es heute zumindest schwerer haben. Die Stadt hat in der Vergangenheit einiges getan beziehungsweise ist dabei. Gleichwohl sagt auch Diesterhöft, eine absolute Sicherheit gebe es nicht. Damals waren unter anderem das alte Kaufhaus, die Ratsbücherei, die Krone an der Heiligengeiststraße, der Soltauer Bahnhof an der Wittenberger Bahn sowie der Viskulenhof im Wasserviertel betroffen. Zudem zündelte Rademacher in Wäldern und Geschäften.

Eine Übersicht, erstellt von der Gebäudewirtschaft im Rathaus, zeigt, welche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden. In den städtischen Gebäuden gibt es Maßnahmen des vorbeugenden Brandschutzes wie Feuerlöscher, Rauchwarnmelder und Brandschutztüren, die die Verbreitung des Feuers erschweren. Ein Überblick:

Rathaus

Die Brandmeldeanlage funktioniert, wird aber bis Mitte 2021 modernisiert, weil künftig im Reparaturfall nicht mehr alle Ersatzteile lieferbar wären. Im Falle einer Rauchentwicklung wird ein Alarm ausgelöst. Die Alarmierung löst bei der Feuerwehr ein Signal aus, sodass diese sofort ausrückt. In den Gewölbebereichen gibt es darüber hinaus Rauchansaugsysteme.

Glockenhaus

Im Glockenhaus ist eine Sprinkleranlage installiert sowie eine Brandmeldeanlage, die bei der technischen Auslösung einen Notruf bei der Feuerwehr auslöst.

Ratsbücherei

Die Ratsbücherei verfügt ebenfalls über eine Brandmeldeanlage, die bei der Feuerwehr aufgeschaltet ist. Außerdem gibt es für besonders schützenswerte Bereiche im Kreuzgang, dort lagern die unschätzbar wertvollen Rechtsbücher des Mittelalters – der Sachsenspiegel und der Schwabenspiegel –, in denen ein Löschen mit Wasser nicht möglich ist, eine sogenannte Inertgas-Löschanlage. Hier wird ein Gasgemisch anstelle von Wasser als Löschmittel eingesetzt.

Museum

Das Museum ist mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet, die im Alarmierungsfall ein technisches Signal bei der Feuerwehr auslöst. Bekanntlich hat es im vergangenen Jahr am Wandrahm gebrannt Zwar hat die Anlage ausgelöst, das Problem waren aber offenstehende Brandschutztüren, durch die Qualm durch die Räume ziehen konnte.

Jugendbücherei

Hier und in der einst benachbarten Pfarrwitwenwohnung am Klosterhof wird die vorhandene Brandmeldeanlage derzeit modernisiert und erweitert. Zudem erfolgt eine Aufschaltung der Alarmierung bei der Feuerwehr. Die Inbetriebnahme der Erweiterung erfolgt dann im Januar 2020.

Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft ergänzt: „Wir haben natürlich in allen benannten Objekten eine Brandmeldeanlage installiert. Automatische Brandschutztüren schließen zudem im Alarmfall automatisch, um so eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern oder zumindest zu verzögern.“ Nach Auslösung der Brandmeldeanlage laufe der Alarm in einer Clearingstelle in Frankfurt am Main auf. Die wiederum informiere binnen Sekunden die Kooperative Leitstelle in Lüneburg, Dort koordinieren Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst die Einsätze. Diesterhöft: „Die Leitstelle alarmiert sofort die zuständige Feuerwehr über digitale Meldeempfänger, die jeder Lüneburger Feuerwehrmann bei sich trägt.“

Aus den Standorten der Feuerwehr im Lüne-Park – und falls nötig in Rettmer – rücken dann Kräfte aus. Diesterhöft: „Es ist möglich, innerhalb weniger Minuten einen erweiterten Löschzug bestehend aus Hilfeleistungslöschfahrzeug, Drehleiter, Löschfahrzeug und Tanklöschfahrzeug am Einsatzort zu haben.“ Alarmierung und die sogenannte Ausrückeordnung passen die Feuerwehrleute neuen Herausforderungen an. Um die Geschwindigkeit zu verbessern, planen Politik und Verwaltung gerade den Bau einer dritten Wache, im Gespräch ist bekanntlich ein Standort am Johanneum.

Mit Blick auf Rademacher sagt Diesterhöft: „Die technische Ausrüstung ist heute sehr viel komplexer als vor 60 Jahren. Unsere Feuerwehrleute werden in Sekundenbruchteilen alarmiert. Unsere Fahrzeuge befinden sich auf höchstem technischen Niveau. Allerdings gießt der Stadtbrandmeister Wasser in den Wein: „Auch die modernste Lösch- und Gebäudetechnik kann nicht alles verhindern. Wenn vorsätzlich großflächig Brandbeschleuniger oder ähnliches ausgebracht und entfacht werden, kann es auch heute noch zu Großbränden kommen. Ich erinnere hier an den Brand des Lösecke-Hauses im Jahr 2013.

Wenn die Retter machtlos sind

Als die Feuerwehr nach wenigen Minuten am Einsatzort eintraf, stand bereits das gesamte Erdgeschoss in Vollbrand und die Flammen schlugen waagerecht aus den geplatzten Fenstern. Gerade in unseren historischen Gebäuden findet das Feuer durch die damalige Bauweise genügend Nahrung, wodurch dann auch die Feuerwehr fast machtlos ist und nur noch ein Übergreifen auf benachbarte Gebäude zu verhindern versuchen kann.“

Eben diese Erfahrung hat die Feuerwehr vor sechs Jahren gemacht: Damals musste das Lö-secke-Haus abgebrochen werden, um die Nachbarhäuser zu retten. Über die Ilmenau hinweg hatten die Helfer keine Chance, Flammen zu ersticken.

Von Carlo Eggeling