Das Team des Guten Nachbarn bittet um Spenden: (v. l.) Wolfgang Klose (Der Paritätische), Berthold Schweers (Caritasverband), Zuzana Valickova (Arbeiterwohlfahrt), Irene Skrobanek (DRK-Kreisverband), Holger Hennig (Diakonisches Werk), Sabine Reckermann (DRK-Ortsverein Lüneburg-Stadt) und LZ-Chefredakteur Marc Rath. (Foto: t&w)

Tod wirft Familie aus der Bahn

Lüneburg. Es ist einer der Fälle, die Berthold Schweers, Geschäftsführer des Caritasverbands Lüneburg, besonders betroffen gemacht hat. Der Fall der Familie M., von dem Schweers erzählt, handelt von einer Familie mit zwei kleinen Kindern, drei und sieben Jahre alt. Eines morgens liegt der Vater, gerade einmal 48 Jahre alt, tot im Bett. Seine Ehefrau, völlig überraschend zur Witwe geworden, erleidet einen Schock. Die Beerdigung übersteht sie irgendwie, aber im Grunde weiß sie nicht, was sie alles mit dem Bestatter vereinbart hat. Die Rechnung bringt das große Erwachen, die Forderung des Unternehmers bleibt liegen.

Erst massive Mahnungen des Bestatters rütteln die Frau auf, sie wendet sich schließlich verzweifelt an den Caritasverband Lüneburg, bittet um Unterstützung und Hilfe, wenn möglich auch vom Guten Nachbarn. Schweers: „Durch mehrere Telefonate konnten wir mit dem Bestatter und Frau M. eine Ratenvereinbarung erzielen.“

Die an Depressionen erkrankte Witwe hat sich auf Grund ihrer Krankheit auch nicht ausreichend um die Zahlung einer Witwenrente bemüht. Berthold Schweers: „In Zusammenarbeit mit dem Rententräger konnten auch diese Probleme aus dem Weg geräumt werden.“

Hilfsorganisation übernimmt erste Rate für den Bestatter

Da es mittlerweile an nötigsten Dingen fehlt, übernimmt der Gute Nachbar mit 150 Euro die erste Rate an den Bestatter – dies war Bedingung für die Ratenvereinbarung mit ihm. Frau M. werden zwei Gutscheine zu je 80 Euro ausgehändigt, um Lebensmittel und Hygieneartikel kaufen zu können. Schweers: „Mittlerweile konnten wir Frau M. in einer Trauergruppe unterbringen, eine Mutter-Kind-Kur ist auch in Vorbereitung.“

Der Fall ist ein besonders drastischer, aber auch nur einer von vielen Hundert Fällen, die Jahr für Jahr bei den Wohlfahrtsverbänden, die dem Guten Nachbarn angehören, landen. Schon seit 1958 hilft der Gute Nachbar, dem der Caritasverband, der Paritätische, der DRK-Kreisverband und -Ortsverein, die Arbeiterwohlfahrt und die Landeszeitung angehören, unverschuldet in Not geratenen Menschen in Stadt und Landkreis Lüneburg.

Dabei ist die Zeit vor Weihnachten immer eine ganz besondere Zeit für die Mitarbeiter bei den Wohlfahrtsverbänden, berichtet Berthold Schweers. Auch Menschen, bei denen das Geld ohnehin schon knapp ist, wollen ihren Lieben, vor allem ihren Kindern, dann ein Geschenk machen.

„Denen können wir unter anderem durch eine Schuldnerberatung helfen“, sagt Schweers. Die Verbände können die Menschen aber auch an ihnen bekannte Weihnachtsgeschenkeaktionen weiterleiten. Schweers freut sich etwa alle Jahre wieder über die Aktivitäten der Kindertagesstätte Heidkamp in Lüneburg – dort werden von Kindern und Eltern Geschenke gepackt, die bedürftigen Kindern dann eine große Weihnachtsfreude machen.

Mit den im vergangenen Geschäftsjahr an Spenden eingegangenen rund 104 000 Euro konnte der Gute Nachbar in 1638 Fällen Hilfebedürftige unterstützen. Hilfe gab es so für 2898 Menschen, die sich an eine der beteiligten Hilfsorganisationen gewandt hatten.

Von Ingo Petersen