Donnerstag , 1. Oktober 2020
Bei der KVG haben sich mehr Fahrer dienstunfähig gemeldet als üblich. Noch aber fahren alle Linien wie gehabt (Foto: A/t&w)

Macht der Fahrplanwechsel krank?

Lüneburg. Die KVG hat angeblich ein massives Problem: Rund 70 der 250 Mitarbeiter am Standort Lüneburg sollen sich krank gemeldet haben. Das berichten Busfahrer unabhängig voneinander. Dabei soll es sich auch um eine Reaktion auf den neuen Fahrplan handeln: Es gebe eine Menge Beschwerden wegen veränderter Verbindungen und Verspätungen, der Unmut der Kunden werde bei den Fahrern abgeladen. Betroffene nehmen Stellung, wollen aber ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, da sie Konsequenzen fürchten.

„Die Dienste werden immer enger gestrickt, sodass man nur noch der Zeit hinterherfährt“, sagt ein Betroffener. So sei beispielsweise die Ankunftszeit und Abfahrtszeit am ZOB identisch. „Bei Ampeln und mehr Verkehr kann man keine Zeiten einhalten. Das macht einen psychisch kaputt auf Dauer.“

Betriebsrat nehme Sorgen der Fahrer nicht ernst

Ein anderer sagt: „Wir haben von anderen Busunternehmen Leute angefordert, die bei uns fahren sollen.“ Doch es komme fast keine Verstärkung: „Wir finden auch kaum neue Fahrer.“ Das liege auch daran, dass die Hamburger Hochbahn besser bezahle als die KVG. Die Betriebsleitung reagiere nicht auf die Klagen der Mitarbeiter, sondern versuche, das Personal zu mehr Überstunden zu verdonnern, was mancher verweigere. Einer der Beschäftigten sagt: „Es ist ein Kreislaufsystem, die, die gesund sind, machen Überstunden. Dann kommen die anderen wieder, und die nächsten sind krank, weil sie zu viele Stunden kloppen.“

Der Betriebsrat nehme die Sorgen nicht ernst, monieren die Fahrer. Sie fühlen sich alleingelassen und glauben: „Eine Verbesserung ist nicht in Sicht.“

KVG-Betriebsleiter Werner Bobleter räumt zwar ein, dass der Krankenstand derzeit hoch ist. „Wir haben mehr Krankmeldungen als üblich, aber es ist halt Virensaison.“ Spekulationen, die Kollegen könnten es leid sein, als Blitzableiter für wütende Kunden herzuhalten, lehnt er ab. „Sicher sind im Moment nicht alle Kunden nett. Manche wollen auch nicht akzeptieren, dass es im derzeitigen Weihnachtsverkehr zu Verspätungen kommt.“ Aber dass sich deswegen jemand krankschreiben lässt, glaube er nicht. „Ich gehe davon aus, dass derjenige, der sich krank meldet, auch krank ist.“ Auswirkungen auf den Fahrplan habe der hohe Krankenstand nicht, versichert Bobleter. „Bei unserem aktuellen Ferienfahrplan fällt kein einziger Bus aus.“

Von Carlo Eggeling und Joachim Zießler