Sonntag , 27. September 2020
Mit Freude bei der Arbeit in der Küche: Die AG „Cooking Monkeys“ an der Wilhelm-Raabe-Schule bereitet ein Festmenü zu. Foto: mm

Drei-Gänge-Menü statt Mensa

Lüneburg. Ein Hauch von Weihnachtsduft zieht durch die Wilhelm-Raabe-Schule. Die Kinder der Arbeitsgemeinschaft „Cooking Monkeys“ (zu Deutsch: kochende Affen) kochen ein richtiges Festmahl. Als Hauptspeise gibt es Putenoberkeule, Rotkohl und Laugenbrezelknödel. „Das Essen hier ist immer richtig lecker“, findet der zehnjährige Ilan. Der Fünftklässler steht auch zu Hause gerne in der Küche und unterstützt seine Familie beim Kochen.

Doch bevor der ganze Spaß überhaupt losgeht, gibt es die übliche Probieraktion, in der von den Kindern bisher unbekannte Obst- und Gemüsesorten verkostet werden. Was ist zum Beispiel eine Horngurke? Und schmeckt eine Schokoladenorange wirklich nach Schokolade? Zu diesem besonderen Anlass gibt es auch mal einen selbstgemachten Nordseekrabbencocktail. Die Resonanz ist jedoch geteilt, nicht allen Schülern schmeckt der Cocktail.

Erster Kochkursus war hoffnungslos überlaufen

„Die Kinder sollen hier mehr erleben, als bloß Spaghetti zu kochen und satt zu werden. Wir wollen sie dazu ermuntern, Neues auszuprobieren“, erzählt Dörte Christensen. Zusammen mit Schulassistent David Schomburg leitet sie die AG. Eigentlich ist die Hobbyköchin Bibliothekarin, doch mit dem Ganztagsangebot der Schule im Jahr 2014, kam die Idee zur AG.

Zuerst gab es nur einen einzigen Kochkursus, der war jedoch hoffnungslos überlaufen. Das Angebot wuchs. Die Schulküche wurde auf Hochglanz gebracht, einige neue Utensilien wurden angeschafft. Das Ergebnis fand großen Anklang bei den Schülern. Sechzehn Kinder besuchen heute wöchentlich die Arbeitsgemeinschaftt. der Anteil der Mädchen überwiegt. Am wichtigsten ist den Leitern, dass stets frische Zutaten verwendet und die Kinder in alle Schritte miteinbezogen werden. Besonders das Thema Hygiene werde hier großgeschrieben. Und Nachhaltigkeit: Reste kommen nicht in den Abfall, sondern werden von den Kindern in wiederverwendbaren Frischhaltedosen als Kostproben mit nach Hause genommen.

„Zusammen schaffen wir alles“

An diesem Nachmittag wird an vier Kochstellen ein Drei-Gänge-Menü gezaubert. Eine Gruppe beschäftigt sich mit dem Nachtisch. Es gibt Spekulatius-Karamell-Trifle. Bonbons werden mit Milch erhitzt, am Ende entsteht eine köstliche Karamellsauce. Diese gibt Anne (10) ganz vorsichtig über die zerbröselten Spekulatius-Kekse: „Wir machen jede Woche etwas anderes. Die Gerichte sind anspruchsvoll, aber zusammen schaffen wir alles“, erzählt sie selbstbewusst, während Yara (11) ihr bei dem besonderen Nachtisch hilft.

Zusammen gegessen wird im Raum nebenan. Die Kinder decken den Tisch selber ein. Als die gefüllten Teller vor ihnen stehen, wird es ganz still. „Ein gutes Zeichen! Es schmeckt also“, bilanziert David Schomburg mit der Kelle in der Hand und lacht.

Am Ende des Schuljahres soll jedes Kind ein Kochbuch bekommen. Dort finden die Schüler dann alle Rezepte, die sie in den Monaten zuvor kennengelernt haben. Das Buch soll auch beim Sommerfest der Schule verkauft werden. Vom Erlös erhoffen sie sich weitere Küchenutensilien.

Von Malin Mennrich