Dienstag , 22. September 2020
Hendrik Schümann (l. und Frank Burghardt möchten auf dem ehemaligen Sitzler-Grundstück Wohnhäuser bauen – und die Bäume möglichst erhalten. Foto: t&w

Charakter soll erhalten bleiben

Lüneburg. „Wir wollen keine Bäume fällen. Im Gegenteil, wir wollen sie erhalten.“ Hendrik Schümann und Frank Burghardt sind verärgert. Anfang des Jahres haben s ie das Sitzler-Grundstück in Ochtmissen gekauft. Sie möchten dort bauen, dem Ortsbild angepasst, wie die beiden Unternehmer sagen. Doch seit von 48 Wohneinheiten die Rede war, die angeblich auf dem Areal mit seinen vielen Bäumen entstehen sollen, sei die Stimmung im Ortsteil gegen das Projekt gekippt. Dabei sei das nie ihre Absicht gewesen.

„Unsere Pläne sehen lediglich sechs Gebäude mit insgesamt acht Wohneinheiten vor“, sagt Hendrik Schümann. Er ist Hausverwalter, Frank Burghardt Geschäftsführer der Camp David Property GmbH, einem Immobilienunternehmen aus Geschendorf bei Lübeck, für das die beiden das Grundstück an der Ochtmisser Straße erworben haben. Gerade der wertvolle Baumbestand habe es ihnen angetan, schließlich sei es „ein für Ochtmissen charaktertypisches Grundstück, das wir erhalten wollen“.

Stadt hat Bauvoranfrage wieder zurückgeschickt

Doch ihr Vorhaben will nicht so recht vorankommen. Im Oktober 2018 hatten sie bei der Stadt eine Bauvoranfrage eingereicht. Wegen des Feuchtbiotops auf dem Grundstück wurde vorab ein Artenschutzgutachten verlangt. „Das haben wir in Auftrag gegeben“, sagt Schümann, doch die Bauvoranfrage sei unverhofft an sie zurückgeschickt worden. Begründung: Es fehle das Artenschutzgutachten. „Klar, das kann ja auch erst im Frühjahr 2020 vorliegen. Das müsste die Behörde eigentlich wissen“, wundert sich Schümann.

Wie berichtet, hatte die Stadt in der jüngsten Ortsratssitzung Auskunft gegeben über mögliche Bauvorhaben sowie generell über eine Bebauung des Areals. Dabei wurde deutlich, dass Wohnbebauung nur eingeschränkt und unter Auflagen möglich sei.

„Wir haben bisher selbstverständlich alle Auflagen erfüllt und machen sogar mehr als gefordert“, sagt Burghardt und verweist auf die denkmalgeschützte Kate auf dem Grundstück. Nachdem sie durch einen herabgefallenen Ast in Schieflage geraten war, ließen sie sie gegen Einsturz sichern. Auch ein Forstgutachten ließen sie anfertigen, um eine belastbare Aussage zum Zustand der Bäume zu erhalten – von Stadt und Kreis hatten sie dazu keine Angaben erhalten. Das Ergebnis des Gutachtens sei „erschreckend“: 20 der 51 Bäume hätten gefällt werden sollen. Am Ende fielen sechs der Säge zum Opfer, „die anderen konnten wir retten“. Dafür hätten sie einen fünfstelligen Betrag in die Hand genommen. Auch umfangreiche Vegetationspflege-Maßnahmen seien weges des „komplett zugewucherten Grundstücks“ erforderlich gewesen.

Forstgutachten sah Fällung von 20 Bäumen vor

Dass sie ihr Vorhaben wie geplant umsetzen können, daran haben sie gelegentlich Zweifel. An ihren Plänen wollen sie dennoch festhalten, auch wenn es letztlich vielleicht weniger Gebäude würden, die sie dort bauen dürfen. Denn beide wollen dort auch selbst wohnen. „Wir haben uns in das Grundstück verliebt“, sagen die Eigentümer, die rein wirtschaftliche Gründe von sich weisen: „So ein Grundstück kauft man nicht, um nur damit Geld zu verdienen.“

Sobald das Artenschutzgutachten vorliege, werden sie auch wieder eine Bauvoranfrage einreichen. Ob sie damit Erfolg haben werden, steht allerdings noch in den Sternen. Während die Stadt sich eine „sehr behutsame“ Wohnbebauung unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Baumgrundstücks vorstellen kann, hält der Kreis dies eben wegen alten Baumbestands und des Feuchtbiotops nicht für möglich – „auch nicht eingeschränkt“, wie Kreispressesprecherin Katrin Holzmann erklärt.

Von Ulf Stüwe