Sonntag , 27. September 2020
Auch die Buslinie 5011 verkehrt Heiligabend und Silvester nach dem Sonnabend-Fahrplan, allerdings nur bis 15.49 Uhr. Foto: dth

Gute Vorsätze für den Busverkehr

Lüneburg. Diese Kritik am Busverkehr traf offensichtlich einen Nerv, kam aber zu spät. Zumindest für dieses Jahr. „Wir können es uns nicht erlauben, den ÖPNV an Heiligabend und Silvester ins Koma fallen zu lassen“, sagte Kreistagsabgeordneter Markus Graff (Linke) kürzlich im Mobilitätsausschuss des Lüneburger Kreistags. Anlass ist das ausgedünnte Busangebot.

Am Nachmittag ist Schluss

Während viele Regionalbus-Linien an den beiden Tagen ihren Betrieb ganz einstellen, verkehren die Bus-Linien mit Anbindung an die Stadt Lüneburg oft zumindest nach dem Sonnabend-Fahrplan, allerdings jeweils nur bis zum Nachmittag. Während Graff von der Kreisverwaltung eher verwunderte Blicke erntete, erfuhr er von den Abgeordneten anderer Fraktionen eine breite Unterstützung. Nun könnte es eine Busplan-Änderung für Heiligabend und Silvester geben – im Jahr 2020.

Der Adendorfer Graff selbst räumte zu Beginn der Debatte ein, dass er mit einer kurzfristigen Änderung nicht rechne: „Ich habe verstanden, dass es für die Kreisverwaltung nicht möglich ist, das für dieses Jahr noch umzusetzen.“ Die Kreisverwaltung hatte bereits im Vorfeld geschrieben: „Eine kurzfristige Umsetzung ist in keinem Fall zu realisieren, da die KVG die Dienstpläne bereits erstellt hat und diese grundsätzlich durch den Betriebsrat zu genehmigen sind. Hier ist damit zu rechnen, dass von dort Widerstand kommt, wenn die Busfahrer zu einem zusätzlichen Feiertagsdienst, insbesondere an Heiligabend, eingeteilt werden.“

Gleichwohl sollte sich etwas ändern, meinte auch Petra Kruse-Runge (Grüne) aus Neetze: „Ich glaube auch, dass es an Heiligabend und Silvester Fahrgastpotenzial gibt.“ Wilhelm Kastens (CDU) aus Bleckede zweifelte noch daran, warb aber dafür, „den Bedarf abzufragen“. In der Vorlage verwies die Kreisverwaltung bereits darauf, dass die KVG Erfahrungen im Rahmen eines Testprojektes im Landkreis Stade gesammelt habe. Der Versuch belege, „dass nur ein sehr geringer Anteil an Fahrgästen das Angebot nutzt, sodass die Einführung weder ökologisch noch wirtschaftlich vertretbar wäre“. Dem widersprach Andreas Köhlbrandt (SPD) aus Hohns­torf/Elbe und plädierte dafür, eine Angebotsplanung zu machen: „Wir sollten es dann nur publik machen, damit es auch genutzt wird.“ Dem pflichtete Ingrid Dziuba-Busch (CDU) aus Lüneburg bei: „Manche fügen sich in ihr Schicksal, wenn kein Bus fährt und beschweren sich nicht mal.“

Fahrgastpotenzial an Silvester vorhanden

Zumindest für Silvester räumte die Kreisverwaltung ein lohnenswertes Fahrgastpotenzial ein und schlug vor, mit der KVG in Verhandlungen zu treten, um einen ausgedehnten Fahrplan zum Jahreswechsel zu testen. Weiter hieß es in der Sitzungsvorlage: „Die Kosten betragen – grob geschätzt – für die Aufstockung auf einen normal gefahrenen Werktag zusätzlich zirka 12.000 Euro. Dies ist natürlich in Abhängigkeit des tatsächlich gefahrenen Planes konkret zu berechnen und würde sich bei angebotenen Nachtfahrten stark verteuern.“

Schließlich setzte sich Graff durch, eine Angebotsverbesserung für Heiligabend und Silvester anzugehen. Mehrheitlich hatte der Ausschuss den auf 2020 geänderten Antrag angenommen und die Verwaltung beauftragt, mit der KVG Gespräche zu führen, um den ÖPNV an beiden Tagen zu verbessern.

Von Dennis Thomas